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Fahrrad-Rücklicht mit Bremslicht: vier Modelle geprüft

Rücklicht fürs Fahrrad mit Bremslicht: vier Modelle mit Sensor-Bremserkennung, was § 67 StVZO erlaubt und warum der Lochabstand zuerst zählt.

Profilbild von Kathrin VoßVon Kathrin VoßAktualisiert: 09. September 2026Aggregierte Einordnung – kein Eigentest

Ein Fahrrad, das bremst, sieht von hinten genauso aus wie eines, das rollt. Das Auto dahinter erfährt erst vom Bremsvorgang, wenn der Abstand kleiner wird. Genau diese Lücke schließt ein Bremslicht — und § 67 Absatz 4 StVZO erlaubt es ausdrücklich: „Schlussleuchten dürfen zusätzlich mit einer Bremslichtfunktion für rotes Licht" ausgerüstet sein. Vier Modelle stehen hier, geprüft am 9. September 2026.

Wie ein Bremslicht am Fahrrad überhaupt funktioniert

Am Auto hängt das Bremslicht an einem Schalter im Bremspedal. Am Fahrrad gibt es diesen Schalter in der Regel nicht — stattdessen misst ein Beschleunigungssensor die Verzögerung und schaltet, wenn sie einen Schwellwert überschreitet.

Sigma beschreibt das für die EOX-RL-Rückleuchte so, dass „ein integrierter Beschleunigungssensor den Bremsvorgang erkennt", und nennt zusätzlich ein Notbremslicht. Der Vorteil dieser Lösung ist die Montage: kein Kabel zur Bremse, keine Anpassung an Felgen- oder Scheibenbremse.

Der Nachteil ist die Schwelle. Ein Sensor kann nur auf Verzögerung reagieren, nicht auf die Absicht zu bremsen. Sanftes Ausrollen vor einer Ampel löst je nach Empfindlichkeit nichts aus — genau dort wäre das Signal aber nützlich.

Rechtlich verlangt § 67 Absatz 4 für die Bremslichtfunktion eine Lichtstärke und Lichtverteilung „entsprechend der Regelung Nr. 50“ der UN-Wirtschaftskommission. Ein Rücklicht, das einfach heller wird, wenn man bremst, erfüllt das nicht automatisch.

Was Pflicht ist und was Zusatz

Pflicht sind hinten zwei Dinge: „mindestens eine Schlussleuchte für rotes Licht“ und „ein roter nicht dreieckiger Rückstrahler der Kategorie ‚Z'". Das Bremslicht ist keine dritte Pflicht, sondern eine erlaubte Erweiterung der Schlussleuchte.

Praktisch wichtig ist der zweite Satz desselben Absatzes: „Schlussleuchte und Rückstrahler dürfen in einem Gerät verbaut sein." Ein Rücklicht mit integriertem Reflektor deckt damit beide Pflichten ab — eines ohne Reflektor deckt nur eine.

Das ist beim Kauf der wichtigste Unterschied im Feld, und er steht selten im Titel. Zwei der vier Modelle nennen einen integrierten Reflektor ausdrücklich; bei den anderen gehört der rote Rückstrahler separat dazu.

Verboten bleibt umgekehrt eines: „Blinkende Schlussleuchten sind unzulässig.“ Ein Rücklicht mit Blinkmodus ist im Handel verbreitet, weil es außerhalb Deutschlands zulässig ist — was nichts über seine Zulässigkeit hier sagt. Die vollständige Regelungslage steht in den Vorschriften im Wortlaut.

Die vier Modelle

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Das spricht dafür: Bremslicht, Dauerlicht und werkzeuglose Montage in einem Gerät.

Fazit: Bester Sternewert im Rücklichtfeld bei ordentlichem Bewertungsstamm. Werkzeuglose Montage und Bremslichtfunktion — letztere ist nach § 67 Absatz 4 ausdrücklich zulässig.

Kernfakten

Energiequelle
Akku
Funktionen
Bremslicht, manuelles Dauerlicht
Montage
werkzeuglos
Wetterschutz
wasserdicht (Herstellerangabe)

Am besten für: Räder ohne Dynamo, die häufig im Verkehr bremsen müssen

Weniger geeignet für: Wer eine fest verkabelte Anlage will

Pro

  • Bester Sternewert im Rücklichtvergleich
  • Ohne Werkzeug montiert und abgenommen
  • Bremslicht ohne Verkabelung

Contra

  • Akku muss geladen werden
  • Abnehmbar heißt: man muss daran denken

Ausstattung

  • Bremslichtfunktion
  • Werkzeuglose Montage
  • Manuelles Dauerlicht
SIGMA EOX RL Rack Brake
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SIGMA EOX RL Rack Brake

SIGMA

Das spricht dafür: Bremserkennung über Sensor, 6 bis 48 Volt, Standard-Lochabstand 50 mm.

Fazit: Gepäckträgerleuchte fürs E-Bike-Bordnetz mit Beschleunigungssensor, der das Bremsen erkennt. Der Spannungsbereich von 6 bis 48 Volt deckt praktisch jedes gängige Pedelec-System ab.

Kernfakten

Energiequelle
Bordnetz, 6–48 V (Herstellerangabe)
Funktionen
Bremslicht und Notbremslicht über Sensor
Montage
Gepäckträger, 50 mm Lochabstand
Schutzart
IP44 (Herstellerangabe)
Sichtbarkeit
Light Guide für seitliche Sicht

Am besten für: Pedelecs mit Gepäckträger

Weniger geeignet für: Räder ohne Bordnetz und ohne Gepäckträger

Pro

  • Erkennt Bremsvorgänge ohne Verkabelung zur Bremse
  • Passt auf den verbreiteten 50-mm-Lochabstand
  • Kein separater Akku

Contra

  • Setzt ein Bordnetz voraus
  • IP44 liegt unter den IPX5-Geräten im Feld

Ausstattung

  • Beschleunigungssensor
  • Notbremslicht
  • Seitliche Sichtbarkeit
  • Breiter Spannungsbereich
nean Dynamo-Rücklicht mit Bremsanzeige
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nean Dynamo-Rücklicht mit Bremsanzeige

nean

Das spricht dafür: Standlicht, Reflektor und Bremsanzeige am Dynamo, ohne Akku.

Fazit: Dynamobetrieb mit Standlicht, Reflektor und Bremsanzeige. Für den 80-Millimeter-Lochabstand gebaut — der zweite verbreitete Standard neben 50 Millimetern.

Kernfakten

Energiequelle
Dynamo
Funktionen
Standlicht, Reflektor, Bremsanzeige
Montage
80 mm Lochabstand
Leuchtwinkel
260 Grad (Herstellerangabe)

Am besten für: Alltagsräder mit Dynamo und passendem Gepäckträger

Weniger geeignet für: Räder ohne Dynamo

Pro

  • Nie laden, nie Batterien wechseln
  • Standlicht und Reflektor eingebaut
  • Breiter Leuchtwinkel nach Herstellerangabe

Contra

  • Nur mit Dynamo nutzbar
  • 80-mm-Lochabstand passt nicht auf jeden Gepäckträger

Ausstattung

  • Standlicht
  • Integrierter Reflektor
  • Bremsanzeige
  • 260 Grad Leuchtwinkel
LICHTMEISTER Rücklicht mit Reflektor und Bremslicht
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Einsteiger
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LICHTMEISTER Rücklicht mit Reflektor und Bremslicht

LICHTMEISTER

Das spricht dafür: Schlussleuchte und Rückstrahler in einem Bauteil, IPX5.

Fazit: Rücklicht und roter Rückstrahler in einem Gehäuse — § 67 Absatz 4 erlaubt diese Kombination ausdrücklich. Der 300-mAh-Akku ist klein, das Gerät aber auch.

Kernfakten

Energiequelle
Akku, 300 mAh (Herstellerangabe)
Funktionen
Bremslicht, integrierter Reflektor
Schutzart
IPX5 (Herstellerangabe)

Am besten für: Räder, an denen der rote Rückstrahler fehlt

Weniger geeignet für: Vielfahrer mit langen Nachtstrecken

Pro

  • Deckt Schlussleuchte und Rückstrahler zugleich ab
  • IPX5 statt IPX4

Contra

  • 300 mAh ist der kleinste Akku im Vergleich
  • Kleinster Bewertungsstamm im Rücklichtfeld

Ausstattung

  • Integrierter Reflektor
  • Bremslichtfunktion
  • IPX5

Der Rückstrahler, der ohne Strom funktioniert

Der rote Rückstrahler der Kategorie Z ist der einzige Teil der Heckbeleuchtung, der keinen Strom braucht. Genau deshalb steht er in § 67 Absatz 4 als eigene Pflicht neben der Schlussleuchte — er ist die Rückfallebene für den Fall, dass der Akku leer ist oder die Anlage ausfällt.

„Nicht dreieckig“ ist dabei keine Stilfrage. Dreieckige Rückstrahler sind Anhängern vorbehalten; wer einen ans Fahrrad schraubt, signalisiert dem rückwärtigen Verkehr etwas, das nicht stimmt. Die Kategorie Z ist die Bauartklasse für den nicht dreieckigen roten Rückstrahler.

Auch der Rückstrahler braucht ein Prüfzeichen. § 22a Absatz 1 Nummer 22 StVZO listet „rote, gelbe und weiße Rückstrahler" ausdrücklich als bauartgenehmigungspflichtig auf — ein billiges Reflektorplättchen ohne Zeichen erfüllt die Pflicht nicht, auch wenn es reflektiert.

Für die Kaufentscheidung ist das der Grund, warum ein Rücklicht mit integriertem Reflektor mehr wert ist, als es auf dem Papier aussieht: eine Position weniger auf der Liste, eine Schraube weniger am Rad, ein Teil weniger, das verloren geht.

Der Lochabstand entscheidet vor der Helligkeit

Gepäckträgerrücklichter werden verschraubt, und dafür gibt es zwei verbreitete Maße. Sigma nennt für die EOX RL einen „Standard-Lochabstand von 50 mm“, nean gibt für sein Dynamorücklicht 80 Millimeter an.

Diese Zahl entscheidet darüber, ob das Gerät überhaupt ans Rad passt — und sie steht regelmäßig nicht im Produkttitel. Wer ein Gepäckträgerrücklicht kauft, ohne vorher zu messen, kauft mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit das falsche.

Das Messen dauert zehn Sekunden: Abstand der beiden Bohrungen am Gepäckträger von Mitte zu Mitte. Adapterbleche existieren, kosten aber wieder eine Bestellung und bringen zusätzliche Verstellmöglichkeiten ins Spiel, wo man keine braucht.

Bei Sattelstützen- und Sitzstrebenmodellen stellt sich die Frage anders: Dort geht es um den Durchmesser und darum, ob eine Satteltasche im Weg ist. Auch das ist vor dem Kauf zu klären und danach nicht mehr.

Verdeckt ist gleich nicht vorhanden

§ 67 Absatz 2 Satz 3 StVZO ist unmissverständlich: „Lichttechnische Einrichtungen dürfen nicht verdeckt sein." § 17 Absatz 1 StVO ergänzt das Verbot der Verschmutzung. Eine Gepäckträgertasche, ein Kindersitz oder ein quer geschnalltes Gepäckstück machen die Schlussleuchte im Sinne der Verordnung unwirksam — unabhängig davon, wie hell sie ist. Wer regelmäßig mit Gepäck fährt, montiert das Rücklicht deshalb besser an der Sitzstrebe als am Gepäckträger.

Wo das Rücklicht sitzen darf

§ 67 Absatz 8 zieht die Grenzen: Schlussleuchte und Rückstrahler müssen hinten zwischen 250 und 1.200 Millimetern über der Fahrbahn sitzen. Die Untergrenze liegt damit tiefer als vorne, wo 400 Millimeter gelten — ein Rücklicht am Schutzblechende darf also niedriger hängen.

Praktisch relevant wird die Untergrenze bei Modellen, die ganz unten am Schutzblech oder an der Kettenstrebe montiert werden. 250 Millimeter sind etwa eine Handspanne über dem Boden; wer tiefer montiert, ist außerhalb der Vorgabe.

Die Obergrenze wird selten zum Problem, kann es aber bei Lastenrädern mit hohem Aufbau werden. Auch dort gilt der Wert von 1.200 Millimetern.

Innerhalb dieses Fensters entscheidet die Praxis: möglichst weit hinten, möglichst frei, möglichst nicht dort, wo eine Tasche hinkommt. Von den drei Kriterien wird das dritte am häufigsten unterschätzt.

Energiequelle: Akku, Bordnetz oder Dynamo

Das Feld deckt alle drei ab. Zwei Modelle arbeiten mit eigenem Akku, eines am E-Bike-Bordnetz, eines am Dynamo. § 67 Absatz 1 stellt die Quellen gleich; die Wahl hängt also am Rad, nicht am Recht.

Am Dynamo hat die Schlussleuchte eine Besonderheit, die § 67 Absatz 6 regelt: Bei Lichtmaschinenbetrieb dürfen Scheinwerfer und Schlussleuchte „nur gemeinsam einzuschalten sein“ — mit einer Ausnahme: „Bei eingeschalteter Standlichtfunktion darf auch die Schlussleuchte allein leuchten."

Das macht Standlicht am Dynamorücklicht zur eigentlich wichtigen Funktion. Ohne sie ist das Rad an der Ampel hinten dunkel, und genau dort steht es im Verkehr am längsten still.

Am Bordnetz ist der Spannungsbereich das Auswahlkriterium. Sigma nennt für die EOX RL 6 bis 48 Volt — das deckt praktisch jedes gängige Pedelec-System ab. Bei engeren Bereichen lohnt der Abgleich mit dem eigenen Antrieb vor der Bestellung.

Seitliche Sichtbarkeit: die unterschätzte Größe

Ein Rücklicht, das ausschließlich nach hinten strahlt, verschwindet an der Kreuzung. Genau dort kommt der Verkehr aber von der Seite. Mehrere Hersteller adressieren das: Sigma nennt einen „Light Guide" für seitliche Sichtbarkeit, nean gibt für sein Dynamomodell 260 Grad Leuchtwinkel an.

Rechtlich ersetzt das die Seitensicherung nicht. § 67 Absatz 5 verlangt an beiden Rädern entweder Reflexstreifen, retroreflektierende Speichen oder mindestens zwei um 180 Grad versetzte gelbe Speichenrückstrahler — passive Mittel, die auch ohne Strom funktionieren.

Sinnvoll ist beides zusammen. Der Reflektor wirkt nur, wenn er angestrahlt wird; ein aktiv seitlich abstrahlendes Rücklicht wirkt auch dann, wenn das Fahrzeug von der Seite noch kein Licht auf das Rad wirft.

Für die Auswahl heißt das: Ein hoher Abstrahlwinkel ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal in diesem Feld — und einer der wenigen Werte, die Hersteller überhaupt beziffern.

Die Daten nebeneinander

NEXTCOVER VisionLux Rücklicht mit Bremslicht
1

NEXTCOVER VisionLux Rücklicht mit Bremslicht

Mid-Tier
4.6(418)
Ansehen
SIGMA EOX RL Rack Brake
2

SIGMA EOX RL Rack Brake

Mid-Tier
4.6(119)
Ansehen
nean Dynamo-Rücklicht mit Bremsanzeige
3

nean Dynamo-Rücklicht mit Bremsanzeige

Einsteiger
4.4(370)
Ansehen
LICHTMEISTER Rücklicht mit Reflektor und Bremslicht
4

LICHTMEISTER Rücklicht mit Reflektor und Bremslicht

Einsteiger
4.4(139)
Ansehen

Was die Sternewerte in diesem Feld hergeben

Die Bewertungsstämme reichen von 119 bis 418 — deutlich schmaler als bei den Frontlichtern und Sets. Das ist typisch für eine Produktkategorie, die man selten einzeln kauft: Die meisten Räder bekommen ihr Rücklicht als Teil eines Sets oder ab Werk.

Bei Stämmen dieser Größe ist der Sternewert eine Tendenz, kein belastbarer Mittelwert. Der beste Wert im Feld liegt bei 4,6 von 5 aus 418 Bewertungen, der niedrigste bei 4,4 aus 139 — der Unterschied ist innerhalb dieser Streuung nicht aussagekräftig.

Aussagekräftiger sind die Merkmale, die entweder da sind oder nicht: integrierter Reflektor, Bremsfunktion, Standlicht, Lochabstand, Spannungsbereich. Diese Liste entscheidet über Passung und Rechtskonformität, der Sternewert über Zufriedenheit.

Zwei Modelle im Feld wurden bewusst nicht aufgenommen: Bei einem lagen zum Abrufzeitpunkt nur zwei Bewertungen vor, bei einem weiteren 27. Ein Mittelwert aus zwei Stimmen ist keine Information, sondern eine Zufallszahl.

Warum es hier kaum Helligkeitsangaben gibt

Für Schlussleuchten ist die maßgebliche Größe die Lichtstärke in Candela — und die steht praktisch nie in der Produktbeschreibung. Die Ausnahme im Feld ist nean, das für sein Dynamorücklicht „3 superhelle 0,2-Watt-LEDs mit 3,7 Candela Helligkeit" nennt.

Der Grund für das Schweigen ist einfach: Anders als vorne gibt es hinten keine Zahl, mit der sich werben ließe. Ein Rücklicht soll gesehen werden, nicht ausleuchten — und „sehr gut sichtbar“ lässt sich nicht in eine Lux-Angabe fassen.

Für die Auswahl bleiben deshalb andere Kriterien: integrierter Reflektor, Abstrahlwinkel, Energiequelle, Lochabstand, Schutzart. Das klingt weniger spektakulär als eine Helligkeitszahl und ist praktisch brauchbarer. Was die Messgrößen leisten, steht im Beitrag zu Lux und Lumen.

Zur Blendung gilt hinten dasselbe wie vorne, nur seltener beachtet. Der ADAC hat bei Kinderrädern ausdrücklich „das Blenden anderer Verkehrsteilnehmer durch das Rücklicht“ kritisiert. Ein sehr helles, waagerecht nach hinten strahlendes Rücklicht ist an der Ampelschlange eine Zumutung.

Schutzart und Winter

Das Rücklicht sitzt tiefer als der Scheinwerfer und bekommt mehr ab — Spritzwasser vom Hinterrad, Streusalz, Schmutz vom Vordermann. Im Feld reichen die Angaben von IP44 bis IPX5.

IPX5 steht für Schutz gegen Strahlwasser, IP44 für Schutz gegen Spritzwasser bei zusätzlichem Schutz gegen feste Fremdkörper ab einem Millimeter. Beide Angaben decken Regen ab; keine deckt Untertauchen oder Hochdruckreinigung ab.

Wichtiger als die Schutzart ist im Winter allerdings die Verschmutzung. § 17 Absatz 1 StVO verlangt ausdrücklich, dass Beleuchtungseinrichtungen „nicht verdeckt oder verschmutzt“ sind. Eine Salzschicht auf der roten Streuscheibe kostet mehr Sichtbarkeit als jeder Unterschied zwischen IP44 und IPX5.

Bei Akkumodellen kommt die Kälte hinzu: Lithium-Ionen-Zellen geben bei niedrigen Temperaturen weniger Kapazität ab. Wer im Winter täglich fährt, sollte die Herstellerangabe zur Brenndauer nicht als Wintergarantie lesen.

Bordnetz- und Dynamomodelle haben dieses Problem nicht, dafür ein anderes: Kontakte und Kabel korrodieren unter Streusalz. Die klassische Winterstörung an einer Dynamoanlage ist nicht die Leuchte, sondern der Übergang vom Kabel zum Rücklicht — meist eine Steckverbindung unter dem Gepäckträger.

Ein praktischer Hinweis für beide Bauarten: Das Rücklicht sieht man beim Fahren nicht. Ob es leuchtet, merkt man nur, wenn man es prüft — oder wenn jemand darauf hinweist. Ein kurzer Blick nach hinten vor dem Losfahren ist die einzige Kontrolle, die zuverlässig funktioniert.

Was ein zweites Rücklicht bringt

§ 67 Absatz 4 verlangt „mindestens eine Schlussleuchte“ — mehr sind also erlaubt. Ein zweites rotes Licht erhöht die Erkennbarkeit und liefert eine Rückfallebene, wenn eines ausfällt oder verdeckt wird.

Sinnvoll ist die Kombination vor allem bei wechselnder Beladung: eines fest an der Sitzstrebe, eines am Gepäckträger oder an der Tasche. Dann bleibt bei jeder Beladungsvariante mindestens eines frei sichtbar.

Zwei Bedingungen gelten dabei. Jede zusätzliche Schlussleuchte braucht ihrerseits eine Bauartgenehmigung — auch die kleine Klemmleuchte an der Satteltasche. Und § 67 Absatz 2 verlangt, dass sich lichttechnische Einrichtungen „in ihrer Wirkung gegenseitig nicht beeinflussen“.

Nicht erlaubt bleibt der Blinkmodus, den viele Zusatzleuchten anbieten. „Blinkende Schlussleuchten sind unzulässig", sagt § 67 Absatz 4. TÜV SÜD nennt dafür die Alternative: ein Blinklicht am Rucksack oder an der Tasche ist zulässig, am Rad nicht.

Für welches Rad welches Modell

Für ein Alltagsrad ohne Dynamo und ohne Gepäckträger ist ein Akkurücklicht mit werkzeugloser Montage die naheliegende Wahl — es lässt sich beim Abstellen mitnehmen, was TÜV SÜD für Stecklichter ausdrücklich empfiehlt.

Für ein Rad, dem hinten der rote Rückstrahler fehlt, ist ein Modell mit integriertem Reflektor richtig. Es erledigt zwei Pflichtpositionen aus § 67 Absatz 4 in einem Bauteil und einer Montage.

Für ein Pedelec mit Gepäckträger ist die Bordnetzlösung die sauberste: kein zweiter Akku, kein Laden, und die Bremserkennung läuft über den Sensor statt über eine Verkabelung zur Bremse.

Für ein klassisches Alltagsrad mit Dynamo ist das Dynamorücklicht mit Standlicht und Reflektor die wartungsärmste Variante — vorausgesetzt, der Lochabstand am Gepäckträger passt. Wer noch zwischen den Energiequellen schwankt, findet die Abwägung im Direktvergleich.

Was hier offenbleibt

Die Zulassung der vier Modelle. Keiner der Hersteller nennt eine K-Nummer in der Produktbeschreibung; „StVZO zugelassen“ beziehungsweise „StVZO konform“ ist eine Herstellerangabe. Wo das Prüfzeichen am Gerät sitzt, steht in der Prüfanleitung.

Die Ansprechschwelle der Bremssensoren. Kein Hersteller im Feld nennt, ab welcher Verzögerung das Bremslicht auslöst. Ein Vergleich der Empfindlichkeit ist auf dieser Datenbasis nicht möglich.

Und die Frage, ob die Bremslichtfunktion der jeweiligen Modelle die von § 67 Absatz 4 geforderte Lichtstärke und Lichtverteilung nach UN-Regelung Nr. 50 einhält. Das ist Gegenstand der Bauartgenehmigung und am Prüfzeichen erkennbar — nicht an der Produktbeschreibung.

Offen bleibt außerdem, wie viel ein Bremslicht am Fahrrad tatsächlich bringt. Für Kraftfahrzeuge ist die Wirkung von Bremsleuchten gut untersucht; eine belastbare, frei zugängliche Untersuchung speziell für Fahrräder war in dieser Recherche nicht auffindbar. Der Nutzen ist plausibel, aber hier nicht beziffert.

Schließlich ließ sich zur Zyklenfestigkeit der verbauten Akkus nichts finden. Kein Hersteller nennt eine Zyklenzahl, und eine unabhängige Messung existiert nicht öffentlich. Diese Seite gibt deshalb keine Haltbarkeit an.

Datenbasis dieses Vergleichs

Kein Eigentest. ASINs, Bilder, Sternewerte und Bewertungszahlen wurden am 09.09.2026 einzeln auf der jeweiligen Amazon-Produktseite abgelesen; technische Daten sind Herstellerangaben. Rechtsangaben stammen aus dem Verordnungstext im Original.

FAQ

Häufige Fragen

Ist ein Bremslicht am Fahrrad erlaubt?

Ja. § 67 Absatz 4 StVZO erlaubt Schlussleuchten ausdrücklich eine zusätzliche Bremslichtfunktion für rotes Licht, mit Lichtstärke und Lichtverteilung nach UN-Regelung Nr. 50 der UN-Wirtschaftskommission.

Wie erkennt ein Fahrradrücklicht das Bremsen?

Über einen Beschleunigungssensor, der die Verzögerung misst und ab einem Schwellwert schaltet. Ein Kabel zur Bremse ist dafür nicht nötig. Sanftes Ausrollen löst je nach Empfindlichkeit allerdings nicht aus.

Braucht man zusätzlich zum Rücklicht einen Rückstrahler?

Ja, § 67 Absatz 4 verlangt beides: eine Schlussleuchte für rotes Licht und einen roten, nicht dreieckigen Rückstrahler der Kategorie Z. Beide dürfen in einem Gerät verbaut sein — dann genügt ein Bauteil.

Welcher Lochabstand ist bei Gepäckträgerrücklichtern üblich?

Verbreitet sind 50 und 80 Millimeter. Die Zahl steht selten im Produkttitel und entscheidet darüber, ob das Gerät überhaupt passt. Gemessen wird von Bohrungsmitte zu Bohrungsmitte am Gepäckträger.

Darf das Rücklicht blinken?

Nein. § 67 Absatz 4 StVZO stellt fest: Blinkende Schlussleuchten sind unzulässig. Rücklichter mit Blinkmodus sind im Handel verbreitet, weil sie außerhalb Deutschlands zulässig sind — das sagt nichts über die Zulässigkeit hier.