Kettenschlösser im Vergleich: sieben bis zehn Millimeter
Kettenschlösser im Vergleich: warum die Gliedstärke über das Angriffswerkzeug entscheidet, was 2,77 Kilogramm im Alltag bedeuten und wie man die Kette ansetzt.
Bei Kettenschlössern gibt es eine Zahl, die alles andere überschreibt: die Stärke eines einzelnen Kettenglieds. Sieben Millimeter, acht Millimeter, zehn Millimeter — mehr Unterscheidung braucht es für eine erste Einordnung nicht, und diese Zahl steht bei jedem Hersteller im Datenblatt. Vier Modelle stehen hier, geprüft am 6. September 2026. Die Spanne beim Gewicht ist dabei größer als bei jeder anderen Bauart im Cluster: von 1,59 bis 2,77 Kilogramm.
Der Angriff, gegen den die Kettenstärke antritt
Warum ein Bolzenschneider bei sieben Millimetern noch funktioniert
Ein Bolzenschneider setzt zwei gehärtete Schneiden an und presst sie über lange Hebel zusammen. Die erreichbare Kraft hängt von der Grifflänge und der Körperkraft ab, die zu durchtrennende Fläche dagegen vom Quadrat des Glieddurchmessers. Zwischen sieben und zehn Millimetern liegt damit ungefähr die doppelte Querschnittsfläche — und der Sprung, ab dem tragbare Werkzeuge an ihre Grenze kommen.
Praktisch heißt das: Bei sieben Millimetern entscheidet die Größe des mitgebrachten Werkzeugs, bei zehn Millimetern muss der Angreifer die Methode wechseln. Ein Bolzenschneider, der zehn Millimeter gehärteten Stahl schafft, ist über einen Meter lang und lässt sich nicht unauffällig tragen — genau das ist der Punkt, an dem eine Bauart abschreckt, statt zu widerstehen.
Die zweite Größe ist die Härtung. Alle vier Modelle im Feld sprechen von gehärtetem Stahl, keiner nennt einen Härtegrad oder ein Verfahren. Diese Angabe fehlt im gesamten Markt, und deshalb steht hier auch keine Aussage dazu, welches Modell besser gehärtet ist. Was sich vergleichen lässt, ist der Durchmesser.
Die Kette ist nur so stark wie ihr Schloss
Bei dieser Bauart gibt es zwei Angriffspunkte: die Kettenglieder und den Verschluss. Ein zehn Millimeter starkes Glied nützt wenig, wenn der Schließzylinder in Sekunden manipuliert werden kann. Die VdS-Prüfung umfasst deshalb je nach Konstruktion Sägen, Bohren, Kneifen und gezielte Angriffe auf den Schließzylinder — die Bauteile werden also einzeln geprüft, nicht nur das Material.
Für Käufer ist das schwer nachzuvollziehen, weil zum Zylinder in den Produktangaben praktisch nichts steht. Weder Stiftzahl noch Bohrschutz noch die Frage, ob der Zylinder ausgetauscht werden kann. Zwei Hersteller im Feld nennen wenigstens Schlüsselnummern, über die sich Nachbestellungen abwickeln lassen — das ist eine Serviceangabe, keine Sicherheitsangabe.
Ein praktischer Hinweis dazu: Wer die Schlüsselnummer beim Kauf notiert und getrennt vom Schloss aufbewahrt, kann Ersatz nachbestellen, ohne das Schloss aufbrechen zu lassen. Wer sie im Beipackzettel lässt und den wegwirft, hat bei einem verlorenen Schlüssel dieselbe Aufgabe wie ein Dieb — nur mit weniger Übung. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt aus einem verwandten Grund einen Fahrradpass mit Rahmennummer, Codierung, Halterdaten und einem Foto des Rads; die frühere Fahrradpass-App wurde eingestellt.
Was Gewicht bei dieser Bauart bedeutet
Kettenschlösser sind die schwersten Schlösser im Cluster, und das ist kein Nebeneffekt, sondern die Konsequenz aus Material mal Länge. Wer 90 Zentimeter Kette in zehn Millimeter Stärke will, trägt fast drei Kilogramm — daran ändert kein Hersteller etwas.
Daraus folgt eine klare Nutzungsempfehlung, und zwar eine, die den meisten Kaufberatungen fehlt: Ein schweres Kettenschloss gehört an den Ort, nicht ans Rad. Wer jeden Tag denselben Stellplatz nutzt — Arbeitsplatz, Bahnhof, Keller — deponiert das Schloss dort und fährt ohne. Wer wechselnde Ziele hat, sollte ehrlich abschätzen, ob er drei Kilogramm dauerhaft mitführt. Erfahrungsgemäß tut das kaum jemand, und dann steht das teure Schloss zu Hause.
Wer das Schloss doch mitführt, hat zwei Möglichkeiten: umgehängt über der Schulter oder um die Sattelstütze gewickelt. Beides hat Nachteile. Über der Schulter drückt eine Kette bei jedem Schlagloch, um die Sattelstütze gewickelt schlägt sie gegen den Rahmen und beeinträchtigt bei manchen Rädern die Sattelverstellung. Eine praktikable Halterung, wie sie Falt- und Bügelschlösser mitbringen, gibt es für diese Bauart schlicht nicht.
| Kettenstärke | Realistisches Angriffswerkzeug | Typisches Gewicht | Passt zu |
|---|---|---|---|
| 7 mm | mittlerer Bolzenschneider | etwa 1,6 kg | Alltagsrad, Tagesnutzung |
| 8 bis 8,3 mm | großer Bolzenschneider | etwa 1,8 bis 2,5 kg | höherwertiges Rad am festen Platz |
| 10 mm | Winkelschleifer statt Bolzenschneider | etwa 2,8 kg | E-Bike, Nacht im öffentlichen Raum |

Kryptonite Evolution 1090

ABUS Iven Chain 8210

ABUS Steel-O-Chain 880

Kryptonite Keeper 785
| Produkt | Segment | Bewertung | Aktion |
|---|---|---|---|
![]() | Premium | 4.5(5.421) | Ansehen |
![]() | Premium | 4.6(4.011) | Ansehen |
![]() | Mid-Tier | 4.6(5.213) | Ansehen |
![]() | Einsteiger | 4.2(7.734) | Ansehen |
Kryptonite Evolution 1090
Kryptonite
Das spricht dafür: 10 Millimeter Kettenglieder — die stärkste Kette im Vergleich.
Fazit: 10 Millimeter Kettenglieder auf 90 Zentimeter — die stärkste Kette im Vergleich, dafür mit 2,77 Kilogramm auch die schwerste. Der Hersteller weist eine ART-Einstufung aus.
Kernfakten
- Bauart
- Kettenschloss
- Kettenstärke
- 10 mm
- Länge
- 90 cm
- Gewicht
- 2,77 kg (Herstellerangabe)
- Zertifikat
- ART-Einstufung laut Hersteller
- Herstellerlevel
- Kryptonite 8/10 (eigene Skala 1–10)
Am besten für: Der feste Stellplatz zu Hause oder am Arbeitsplatz
Weniger geeignet für: Rucksack und Pendelstrecke
Pro
- Stärkste Kettenglieder im Vergleich
- Herstellerangabe zu einer unabhängigen Zertifizierung
- Sehr großer Bewertungsstamm
- 90 Zentimeter reichen um dicke Anschließpunkte
Contra
- 2,77 Kilogramm sind Transportgewicht, kein Mitnahmegewicht
- ART-Nummer sollte man vor dem Kauf beim Zertifizierer gegenprüfen
Ausstattung
- 10 mm Kette
- 90 cm
- ART-Angabe des Herstellers
- Über 5.400 Bewertungen
ABUS Iven Chain 8210
ABUS
Das spricht dafür: 8-Millimeter-Kette mit der höchsten Herstellerstufe im Kettenfeld.
Fazit: 8 Millimeter Kettenstärke auf 85 Zentimeter, 1,8 Kilogramm. ABUS führt es auf Level 10 der eigenen Skala — die höchste Angabe im Kettenfeld dieses Vergleichs.
Kernfakten
- Bauart
- Kettenschloss
- Kettenstärke
- 8 mm
- Länge
- 85 cm
- Gewicht
- 1.800 g (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- ABUS-Level 10 (eigene Skala 1–15)
Am besten für: Feste Abstellorte mit unregelmäßigen Anschließpunkten
Weniger geeignet für: Wer täglich mit dem Schloss unterwegs ist
Pro
- Höchste Herstellerstufe im Kettenfeld
- Flexibel um beliebige Anschließpunkte zu legen
- Über 4.000 Bewertungen
Contra
- 1,8 Kilogramm am Rad oder in der Tasche
- Kettenschlösser lassen sich schwer am Rahmen befestigen
Ausstattung
- 8 mm Kette
- 85 cm
- ABUS-Level 10
- Textilhülle gegen Lackschäden
ABUS Steel-O-Chain 880
ABUS
Das spricht dafür: 7-Millimeter-Kette bei 1,6 Kilogramm — die tragbare Variante.
Fazit: 7 Millimeter Kette, 1,6 Kilogramm, Level 8 — die pragmatische Mitte im Kettenfeld und mit über 5.000 Bewertungen eines der meistgekauften Schlösser überhaupt.
Kernfakten
- Bauart
- Kettenschloss
- Kettenstärke
- 7 mm
- Länge
- 85 cm
- Gewicht
- 1.600 g (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- ABUS-Level 8 (eigene Skala 1–15)
Am besten für: Stadträder im mittleren Wertbereich mit festem Stellplatz
Weniger geeignet für: Hochwertige E-Bikes über Nacht im öffentlichen Raum
Pro
- Über ein Kilogramm leichter als das Spitzenmodell
- Sehr großer Bewertungsstamm
- Flexibel im Anschließen
Contra
- Drei Millimeter weniger Kettenstärke als das Spitzenmodell
- Bolzenschneider sind bei 7 Millimetern das realistische Angriffswerkzeug
Ausstattung
- 7 mm Kette
- 85 cm
- ABUS-Level 8
- Über 5.000 Bewertungen
Kryptonite Keeper 785
Kryptonite
Das spricht dafür: Vom Hersteller selbst in der Mitte der eigenen Skala eingeordnet.
Fazit: Kryptonite selbst ordnet dieses Schloss der Stufe 5 von 10 zu — und beschreibt die unteren Stufen der eigenen Skala als abschreckende, nicht als hohe Sicherheit. Das ist eine ungewöhnlich ehrliche Herstellerangabe.
Kernfakten
- Bauart
- Kettenschloss
- Kettenstärke
- 7 mm
- Länge
- 85 cm
- Gewicht
- 1,59 kg (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- Kryptonite 5/10 (eigene Skala 1–10)
Am besten für: Zweitschloss oder Sicherung günstiger Räder bei Tageslicht
Weniger geeignet für: Alleinige Sicherung über Nacht
Pro
- Der Hersteller benennt die Einordnung selbst offen
- Sehr großer Bewertungsstamm
Contra
- Mitte der Herstellerskala
- Als alleinige Sicherung für Wertvolles nicht ausgelegt
- Der niedrigste Sternewert im Kettenfeld
Ausstattung
- 7 mm Kette
- 85 cm
- Kryptonite-Level 5/10
- Über 7.700 Bewertungen
Was die Diebstahlzahlen über die Wahl der Bauart sagen
Die Polizei registrierte 2024 bundesweit 245.868 Fahrraddiebstähle — ein Rückgang von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 11,5 Prozent unter dem Wert von 2019, als 277.874 Fälle gezählt wurden. Für 2025 nennt die Polizeiliche Kriminalprävention 214.264 Fälle einschließlich unbefugter Ingebrauchnahme. Der Trend zeigt nach unten.
Zwei andere Zahlen zeigen in die Gegenrichtung. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft beziffert die Entschädigungsleistung für Fahrraddiebstahl für 2025 auf 150 Millionen Euro bei 115.000 versicherten gestohlenen Rädern. Der durchschnittliche Schaden je Rad erreichte dabei mit 1.270 Euro einen neuen Höchststand. Es werden also weniger Räder gestohlen, aber teurere.
Für die Wahl der Bauart ist das der entscheidende Zusammenhang. Ein Schloss wird nicht gegen die Durchschnittskriminalität gekauft, sondern gegen den Verlust eines konkreten Rads. Wer ein Rad im Bereich des heutigen Schadendurchschnitts fährt, kauft nach der Faustregel, die GDV, VdS und Polizei übereinstimmend nennen: fünf bis zehn Prozent des Fahrradpreises für das Schloss.
Eine dritte Zahl gehört zur Ehrlichkeit dazu. Die Aufklärungsquote beim Fahrraddiebstahl lag 2024 bei 9,7 Prozent, während sie bei der Gesamtkriminalität 58 Prozent betrug. Und nur etwas mehr als die Hälfte aller Diebstahlsdelikte kommt überhaupt zur Anzeige. Wer sein Rad einmal verloren hat, bekommt es statistisch fast nie wieder — die Sicherung vorher ist der einzige wirksame Hebel.
Wie unabhängige Stellen prüfen
Stiftung Warentest hat im Fahrradschloss-Test 3/25 nach eigener Darstellung 19 Modelle neu geprüft, darunter ausdrücklich auch Kettenschlösser, und führt eine Datenbank mit 89 Schlössern seit 2017. Die Gewichtung des Qualitätsurteils steht frei zugänglich: Aufbruchsicherheit 70 Prozent, Handhabung 20 Prozent, Haltbarkeit 10 Prozent.
Drei Fachleute versuchten die Schlösser mit verschiedenem Werkzeug aufzubrechen, ein vierter probierte das gewaltfreie Öffnen. Jeweils bis zu drei Minuten standen zur Verfügung. Zusätzlich wurden Schneid-, Zug- und Schlagfestigkeit in Anlehnung an DIN EN 15496:2008 geprüft — die europäische Norm für Fahrradschlösser, deren Überarbeitungsentwurf von 2022 zurückgezogen wurde und die damit weiterhin die maßgebliche Fassung ist. Was in ihr steht, ordnet der Beitrag zur Norm ein.
Die britische Prüfstelle Sold Secure arbeitet mit vier Stufen von Bronze bis Diamond, die sich nach eigener Darstellung in Angriffsart, Werkzeugliste und Angriffsdauer unterscheiden. Bronze wird gegen einen kurzen Angriff mit einem einzigen, leicht zu verbergenden Handwerkzeug geprüft; Diamond bezeichnet die höchste Widerstandsklasse einschließlich Spezialwerkzeugen und ist darauf ausgerichtet, die zerstörerischsten Angriffe zu verhindern, zu denen Winkelschleifer gehören können. Konkrete Prüfzeiten in Minuten veröffentlicht Sold Secure nicht.
Die ehrlichste Herstellerangabe im ganzen Cluster
Ein Modell in diesem Feld trägt vom Hersteller selbst die Einordnung „5 von 10". Kryptonite beschreibt die eigene Skala so, dass 10 für höchste und 1 für abschreckende Sicherheit steht — eine Mitte der Skala ist damit ausdrücklich als mittleres Niveau ausgewiesen, nicht als Spitzenprodukt.
Das ist ungewöhnlich. In einem Markt, in dem Levelangaben vor allem nach oben zeigen, ist ein Hersteller, der ein eigenes Produkt in die Mitte einordnet, die verlässlichere Informationsquelle. Genau dieses Modell hat im Feld übrigens den größten Bewertungsstamm — es wird viel gekauft, und die Einordnung des Herstellers ist dabei die nützlichste Information auf der Produktseite.
Was ein ART-Zertifikat hier wert wäre
Ein Modell im Feld weist eine ART-Einstufung als Herstellerangabe aus. Die niederländische Stiftung ART arbeitet mit einem Sternesystem von eins bis fünf, wobei mehr Sterne besseren Diebstahlschutz bezeichnen. Zugelassene Schlösser tragen eine vierstellige Zulassungsnummer.
Genau diese Nummer ist der Punkt. Eine Angabe wie „ART-zertifiziert" ohne Sternezahl und ohne Zulassungsnummer lässt sich nicht überprüfen. Mit der Nummer lässt sich die Zulassung beim Zertifizierer nachschlagen. Für Käufer heißt das: Nach der Nummer fragen, bevor man dem Siegel im Angebotstext glaubt. Wie die Stufen zu Fahrzeugklassen passen, steht im Beitrag zu den Sicherheitsstufen.
Zur Einordnung der Stufen: ART 2 ist nach Angaben der Stiftung die Mindeststufe, die Fahrradversicherer verlangen. Für Mofas und Roller sind es mindestens drei Sterne, für Motorräder mindestens vier. Geprüft wird durch das Institut SKG-IKOB in über zwanzig Einzeltests, darunter Frost-, Staub-, Korrosions-, Dauer-, Knips-, Zugfestigkeits- und Angriffstest.
Warum die Kette nicht am Boden liegen sollte
Der häufigste Anwendungsfehler bei dieser Bauart ist zugleich der folgenreichste. Liegt die Kette auf dem Boden auf, kann ein Angreifer den Bolzenschneider aufsetzen und mit dem Körpergewicht arbeiten statt nur mit den Armen. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt deshalb, das Schloss möglichst weit vom Boden entfernt anzubringen.
Bei einer 125-Zentimeter-Kette ist das eine echte Aufgabe: Überschüssige Länge muss irgendwo hin, und der einfachste Weg ist, sie hängen zu lassen. Besser ist, die Kette mehrfach um Rahmen und Anschließpunkt zu führen, bis sie straff sitzt. Das kostet zehn Sekunden und nimmt dem Werkzeug die Auflagefläche.
Wenn zwei Räder an einem Schloss hängen
Kettenschlösser sind die einzige Bauart im Cluster, mit der sich zwei Räder sinnvoll gemeinsam sichern lassen — vorausgesetzt, die Kette umfasst beide Rahmen und einen fest verankerten Gegenstand. Genau dieser letzte Punkt geht in der Praxis oft verloren.
Zwei Räder aneinandergekettet, aber an nichts befestigt, sind keine doppelte Sicherung, sondern eine doppelte Beute. Die Polizei formuliert die Regel allgemein: Das Fahrrad immer mit dem Rahmen an einen festen Fahrradständer oder einen anderen fest verankerten Gegenstand anschließen; nur Vorder- und Hinterrad zu blockieren reiche nicht aus, weil blockierte Fahrräder mühelos weggetragen oder verladen werden könnten. Für zwei Räder gilt das doppelt.
Länge richtig einschätzen
Kettenschlösser reichen im Cluster von 85 bis 125 Zentimetern. Der Unterschied klingt klein und entscheidet über den Einsatzzweck. 85 Zentimeter reichen für Rahmen und Anschließpunkt, wenn dieser nicht zu dick ist. Bei 90 Zentimetern kommt das Hinterrad dazu. Ab 120 Zentimetern lassen sich zwei Räder oder ein Rad an einem Baumstamm sichern.
Mehr Länge ist dabei nicht generell besser, weil jeder zusätzliche Zentimeter Gewicht bedeutet und die überschüssige Kette irgendwo untergebracht werden muss. Wer regelmäßig denselben Anschließpunkt nutzt, fährt mit der knapp passenden Länge besser als mit der großzügigen. Wer wechselnde Punkte hat, braucht Reserve.
Ein einfacher Weg, das vor dem Kauf zu klären: eine Schnur um Rahmen, Hinterrad und den tatsächlichen Anschließpunkt legen, an der engsten sinnvollen Führung ablängen und nachmessen. Zehn Zentimeter Reserve auf das Ergebnis, fertig. Das ist präziser als jede allgemeine Empfehlung, weil es den echten Abstellort abbildet.
Textilhülle und Lackschutz
Ein Detail, das im Alltag mehr Ärger verursacht als jede Levelstufe: Eine blanke Stahlkette schlägt beim Fahren gegen den Rahmen und hinterlässt Spuren. Drei der vier Modelle im Feld haben deshalb eine Textil- oder Kunststoffhülle.
Die Hülle hat einen zweiten, weniger offensichtlichen Effekt: Sie verbirgt die Kettenglieder. Ein Angreifer sieht von außen nicht sofort, ob er es mit sieben oder zehn Millimetern zu tun hat. Ob das abschreckt oder gerade nicht, lässt sich nicht belegen — es ist eine plausible Überlegung, kein Messergebnis, und wird hier auch nicht als solches geführt.
Was Versicherer von einem Schloss erwarten
Wird ein Rad außerhalb verschlossener Räume gestohlen, spricht die Versicherungswirtschaft vom „einfachen Diebstahl". Die Verbraucherzentrale hält fest, dass dafür bei einer Hausratversicherung meist kein Schutz besteht und der Einschluss über Zusatzbedingungen gegen einen Mehrbeitrag erfolgt. Der GDV beziffert den Verbreitungsgrad: Von rund 27 Millionen Hausratversicherungen in Deutschland hätten knapp die Hälfte die Fahrradklausel eingeschlossen.
Für die Schlosswahl folgt daraus wenig Konkretes, aber eine wichtige Einschränkung: Der GDV nennt als Voraussetzung ein „verkehrsübliches Schloss", nicht eine bestimmte Klasse oder Zertifizierung. Die Verbraucherzentrale ergänzt, dass Versicherer ein eigenständiges Fahrradschloss verlangen und dass fest am Rad verbaute Rahmenschlösser nicht immer als eigenständiges Schloss gelten. Ein Kettenschloss ist unstrittig eigenständig.
Was sich daraus nicht ableiten lässt: dass ein teureres Schloss zu höherer Leistung führt. Die Bedingungen unterscheiden sich zwischen Verträgen erheblich, und diese Seite gibt keine versicherungsrechtliche Auskunft. Was belegbar ist, steht im Beitrag zur Versicherungslage.
Für welche Situationen diese Bauart falsch ist
Für den täglichen Transport im Rucksack oder am Rahmen. Für Räder mit engen Rahmendreiecken, in denen sich eine dicke Kette schlecht verstauen lässt. Und für alle, die mehrfach am Tag anschließen: Die Kette braucht beim Ansetzen mehr Zeit als jede andere Bauart, weil sie erst geführt und dann straff gezogen werden muss.
Wer diese Punkte auf sich zutreffen sieht, ist mit einem Faltschloss oder einem Bügelschloss besser bedient — und kann die Kette als zweites, ortsfest deponiertes Schloss ergänzen. Der ADFC empfiehlt ohnehin zwei verschiedene Schlosstypen, weil sich Diebe oft auf eine Bauart spezialisieren.
Diese Empfehlung hat einen konkreten Hintergrund: Ein Angreifer, der auf Bolzenschneider eingestellt ist, bringt keinen Winkelschleifer mit, und umgekehrt. Zwei Bauarten am selben Rad verlangen zwei Werkzeuge und damit zwei Arbeitsschritte — was die Zeit am Objekt verlängert. Und Zeit ist nach der Faustregel des ADFC die Größe, um die es bei dieser Produktkategorie überhaupt geht: Drei Minuten soll ein Schloss gewaltsamen Aufbruchsversuchen standhalten; dauere es länger, bekämen meist auch professionelle Täter Angst, erwischt zu werden.
Die Quellenlage zu dieser Seite
Produktdaten am 06.09.2026 einzeln auf den Amazon-Produktseiten abgelesen. Kettenstärken, Längen und Gewichte sind Herstellerangaben. Kein Eigentest, keine Preise, keine eigenen Aufbruchversuche.
- VdS Schadenverhütung: Prüfablauf einschließlich Bolzenschneider-Test
- Stichting ART: Sternesystem, Zulassungsnummer und Prüfumfang
- Kryptonite: Aufbau der 10-Punkte-Skala (Herstellerangabe)
- Polizeiliche Kriminalprävention: Anbringung und Anschließen mit dem Rahmen
- ADFC: Empfehlung zweier Schlosstypen
- GDV: Bewertung der Bauarten und Schadenstatistik
- DIN Media: DIN EN 15496:2008-04 für Fahrradschlösser
- Bundeskriminalamt: Fallzahlen, Aufklärungs- und Anzeigequote 2024
- Polizeiliche Kriminalprävention: Fallzahlen Zweirad-Diebstahl 2025
- Stiftung Warentest: Prüfumfang und Gewichtung, Test 3/25
- Sold Secure: Prüfstufen Bronze bis Diamond
- Verbraucherzentrale: einfacher Diebstahl und Anforderungen an das Schloss
FAQ
Häufige Fragen
Wie stark muss ein Kettenschloss sein?
Die Gliedstaerke entscheidet ueber das realistische Angriffswerkzeug. Bei sieben Millimetern ist ein mittlerer Bolzenschneider im Rennen, bei zehn Millimetern muss der Angreifer die Methode wechseln — ein Bolzenschneider fuer diesen Querschnitt ist ueber einen Meter lang und nicht unauffaellig zu tragen.
Warum ist der Bolzenschneider das Thema bei Ketten?
Weil die VdS Schadenverhuetung ihn in der eigenen Pruefung als Ausschlusskriterium fuehrt: Kann ein Schloss dem Bolzenschneider nicht lange genug standhalten und wird schnell durchtrennt, gilt die Pruefung als nicht bestanden. Deshalb ist die Gliedstaerke bei dieser Bauart die wichtigste Zahl.
Wie schwer darf ein Kettenschloss sein?
Das Feld reicht von 1,59 bis 2,77 Kilogramm, und das ist die Konsequenz aus Material mal Laenge. Praktisch folgt daraus eine Nutzungsempfehlung: Ein schweres Kettenschloss gehoert an den festen Stellplatz, nicht in den Rucksack. Wer wechselnde Ziele hat, greift eher zum Faltschloss.
Warum darf die Kette nicht am Boden liegen?
Liegt sie auf, kann ein Angreifer den Bolzenschneider aufsetzen und mit dem Koerpergewicht statt nur mit den Armen arbeiten. Die Polizeiliche Kriminalpraevention empfiehlt deshalb, das Schloss moeglichst weit vom Boden entfernt anzubringen. Ueberschuessige Laenge wird gewickelt, nicht haengen gelassen.