Faltschlösser im Vergleich: Umgriff gegen Packmaß
Faltschlösser im Vergleich: fünf Modelle zwischen 460 und 1.250 Gramm, warum die Gelenknieten die Schwachstelle sind und was die Levelangaben nicht verraten.
Ein Faltschloss ist ein Kompromiss, der offen zugibt, einer zu sein: Stahlstäbe, die durch Nieten verbunden sind, lassen sich auf Trinkflaschengröße zusammenlegen — und genau diese Nieten sind der Punkt, an dem die Bauart konstruktiv angreifbar ist. Fünf Modelle stehen hier, alle am 6. September 2026 einzeln geprüft. Vier davon stammen von einem Hersteller, was weniger über unsere Auswahl aussagt als über den deutschen Markt.
Wie ein Faltschloss aufgebaut ist
Sechs bis acht flache Stahlstäbe, an den Enden durchbohrt und mit Nieten drehbar verbunden — das ist die gesamte Konstruktion. Zusammengefaltet liegt der Stapel handlich in einer Halterung am Rahmen, aufgeklappt bildet er einen Ring von 60 bis über 100 Zentimetern Umfang. Der Schlosskörper sitzt an einem Ende und nimmt das gegenüberliegende Stabende auf.
Diese Bauweise löst das Problem, an dem Bügelschlösser scheitern: Sie ist gleichzeitig lang und klein. Ein Bügel mit 90 Zentimetern Umgriff wäre unhandlich, ein Kettenschloss mit derselben Länge wiegt fast das Doppelte. Faltschlösser landen im Cluster zwischen 460 und 1.250 Gramm — die größte Spreizung aller Bauarten hier.
Der Preis dafür sind die Gelenke. Jede Niete ist eine Stelle, an der zwei Bauteile aufeinandertreffen und an der sich mit dem passenden Werkzeug ansetzen lässt. Kein Hersteller im Feld macht Angaben dazu, wie die Nieten gesichert sind — weder Durchmesser noch Material noch Verfahren stehen in den Produktangaben. Diese Seite behauptet deshalb nicht, dass die eine Konstruktion besser hält als die andere. Sie hält nur fest, dass die Information fehlt.
Was die Stabstärke aussagt
Zwei Modelle im Feld nennen fünf Millimeter, eines sechs. Das klingt nach einem kleinen Unterschied und ist gemessen am Querschnitt ein erheblicher. Anders als beim Bügelschloss, wo ein runder Querschnitt durchtrennt werden muss, arbeitet der Angreifer bei Faltschlössern gegen einen flachen Stab — der lässt sich mit einer Blechschere oder einem Winkelschleifer anders angehen als ein runder Bügel.
Zwei der fünf Modelle machen zur Stabstärke gar keine Angabe. Bei einem davon handelt es sich um das Modell mit dem mit Abstand größten Bewertungsstamm im gesamten Cluster. Über 8.000 Rückmeldungen sagen viel über Handhabung und nichts über Materialstärke, weil die Zahl schlicht nicht ausgewiesen ist.
| Umgriff | Reicht für | Reicht nicht für |
|---|---|---|
| 60 cm | Rahmen an schmalen Ständer | Rahmen plus Laufrad, dicke Masten |
| 80–85 cm | Rahmen plus Hinterrad am Ständer | Baumstämme, breite Bügel |
| 90–100 cm | Rahmen, Laufrad und dickerer Anschließpunkt | Zwei Räder gemeinsam |
| ab 120 cm | flexible Anschließpunkte, zwei Räder mit Abstrichen | ein niedriges Transportgewicht |
Das Level-Rätsel innerhalb einer Produktfamilie
Der aufschlussreichste Befund dieses Vergleichs liegt nicht zwischen den Marken, sondern innerhalb einer einzigen: Drei Modelle desselben Herstellers mit derselben Bauart und ähnlichen Maßen tragen die Levelangaben 7, 8 und 10. Ein Modell mit 90 Zentimetern Umgriff und 1.250 Gramm steht auf Level 8, ein anderes mit 90 Zentimetern und 1.207 Gramm auf Level 10.
Was die zwei Stufen Unterschied bewirken, ist aus den öffentlichen Angaben nicht rekonstruierbar. Ein benannter Zylindertyp ist der einzige dokumentierte Unterschied. Ob das die Differenz erklärt, sagt der Hersteller nicht — und die Skala selbst wiegt nach eigener Darstellung zu 20 Prozent Komfort und zu 5 Prozent Design mit ein. Wer aus zwei Levelstufen auf doppelte Sicherheit schließt, überinterpretiert eine Marketingskala. Die Systematik dahinter steht im Beitrag zu den Sicherheitsstufen.

ABUS Bordo Classic 5900/90

ABUS Bordo 6000K mit XPlus-Zylinder

ABUS Bordo uGrip 5700

FISCHER Faltschloss PROTEC FK85

ABUS Bordo Lite 6055C mit Zahlencode
| Produkt | Segment | Bewertung | Aktion |
|---|---|---|---|
![]() | Mid-Tier | 4.6(1.262) | Ansehen |
![]() | Premium | 4.4(271) | Ansehen |
![]() | Einsteiger | 4.5(921) | Ansehen |
![]() | Einsteiger | 4.3(8.295) | Ansehen |
![]() | Einsteiger | 4.2(266) | Ansehen |
ABUS Bordo Classic 5900/90
ABUS
Das spricht dafür: 90 Zentimeter Umgriff, zusammengefaltet in der Größe einer Trinkflasche.
Fazit: Der Klassiker der Bauart: 90 Zentimeter Umgriff bei 1.250 Gramm, faltbar auf Trinkflaschengröße. ABUS ordnet ihn dem eigenen Level 8 zu.
Kernfakten
- Bauart
- Faltschloss
- Länge
- 90 cm
- Gewicht
- 1.250 g (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- ABUS-Level 8 (eigene Skala 1–15)
- Transport
- Schlosstasche im Lieferumfang
Am besten für: Pendler, die täglich auf- und abschließen
Weniger geeignet für: Räder, die über Nacht draußen stehen bleiben
Pro
- Bester Kompromiss aus Umgriff und Packmaß im Feld
- Sehr großer Bewertungsstamm
- Rahmenhalterung passt an gängige Flaschenhalter-Gewinde
Contra
- Gelenknieten sind die konstruktive Schwachstelle jeder Faltbauart
- Schwerer als die Lite-Varianten
Ausstattung
- 90 cm Umgriff
- 1.250 g
- ABUS-Level 8
- Schlosstasche
- Faltbar
ABUS Bordo 6000K mit XPlus-Zylinder
ABUS
Das spricht dafür: Höchste Herstellerstufe im Faltfeld bei nahezu identischen Maßen zum Classic.
Fazit: Dasselbe Faltprinzip mit dem XPlus-Zylinder und der höchsten Level-Angabe im Faltfeld. Bei fast identischen Maßen zum Bordo Classic zeigt die Zwei-Stufen-Differenz vor allem eines: wie wenig die Skala über die Bauart aussagt.
Kernfakten
- Bauart
- Faltschloss
- Länge
- 90 cm
- Stabstärke
- 5 mm
- Gewicht
- 1.207 g (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- ABUS-Level 10 (eigene Skala 1–15)
- Zylinder
- XPlus
Am besten für: Wer im Faltsegment das obere Ende der Herstellerskala will
Weniger geeignet für: Wer die Level-Angabe für eine geprüfte Größe hält
Pro
- Höchste Level-Angabe im Faltfeld
- XPlus-Zylinder gegen Manipulationsversuche
- Leichter als der Classic bei gleichem Umgriff
Contra
- Deutlich kleinerer Bewertungsstamm als der Classic
- Zwei Level-Stufen mehr bei nahezu gleicher Bauart — der Unterschied ist nicht nachvollziehbar dokumentiert
Ausstattung
- 90 cm Umgriff
- XPlus-Zylinder
- ABUS-Level 10
- 1.207 g
- Schlosstasche
ABUS Bordo uGrip 5700
ABUS
Das spricht dafür: 900 Gramm — die leichteste Faltvariante mit noch brauchbarem Umgriff.
Fazit: Der Einstieg in die Faltbauart: 80 Zentimeter, 900 Gramm, Level 7. Für kurze Stopps am Tag gedacht, nicht für die Nacht auf der Straße.
Kernfakten
- Bauart
- Faltschloss
- Länge
- 80 cm
- Stabstärke
- 5 mm
- Gewicht
- 900 g (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- ABUS-Level 7 (eigene Skala 1–15)
Am besten für: Bäckerstopp, Schule, Büro — kurze Standzeiten bei Tageslicht
Weniger geeignet für: E-Bikes und Räder mit hohem Wiederverkaufswert
Pro
- Leicht genug für den täglichen Transport
- Großer Bewertungsstamm für das Einstiegssegment
- Faltprinzip mit brauchbarem Umgriff
Contra
- Untere Hälfte der Herstellerskala
- Zehn Zentimeter weniger Umgriff als die 90er-Modelle
- Für hochwertige Räder allenfalls Zweitschloss
Ausstattung
- 80 cm Umgriff
- 900 g
- ABUS-Level 7
- Schlosstasche
FISCHER Faltschloss PROTEC FK85
FISCHER
Das spricht dafür: Über 8.000 Bewertungen — der breiteste Erfahrungsstamm im ganzen Cluster.
Fazit: Mit über 8.000 Bewertungen der breiteste Erfahrungsstamm im gesamten Cluster — und zugleich das Modell, zu dem der Hersteller die wenigsten prüfbaren Zahlen nennt. Kein Level, kein Zertifikat, nur 85 Zentimeter und 900 Gramm.
Kernfakten
- Bauart
- Faltschloss
- Länge
- 85 cm
- Gewicht
- 900 g (Herstellerangabe)
- Kennzeichnung
- keine Level- oder Zertifikatsangabe
Am besten für: Wer Wert auf eine breite Rückmeldungsbasis legt
Weniger geeignet für: Wer eine dokumentierte Prüfung erwartet
Pro
- Größter Bewertungsstamm im Cluster
- 85 Zentimeter Umgriff bei 900 Gramm
Contra
- Keine Level-Angabe und kein Zertifikat
- Herstellerangaben bleiben allgemein
Ausstattung
- 85 cm Umgriff
- 900 g
- Gehärteter Spezialstahl (Herstellerangabe)
- Über 8.000 Bewertungen
ABUS Bordo Lite 6055C mit Zahlencode
ABUS
Das spricht dafür: 460 Gramm, Zahlencode statt Schlüssel — das Leichtgewicht im Feld.
Fazit: 460 Gramm und Zahlencode statt Schlüssel — konzipiert als Zweitschloss und für Situationen, in denen Gewicht die Entscheidung trifft. Der Umgriff von 60 Zentimetern reicht für Rahmen und Ständer, selten für mehr.
Kernfakten
- Bauart
- Faltschloss, Zahlencode
- Länge
- 60 cm
- Gewicht
- 460 g (Herstellerangabe)
- Herstellerlevel
- ABUS-Level 7 (eigene Skala 1–15)
Am besten für: Zweitschloss neben einem schweren Hauptschloss
Weniger geeignet für: Alleinige Sicherung eines wertvollen Rads
Pro
- Mit Abstand leichtestes Schloss im Cluster
- Kein Schlüssel zu verlieren
Contra
- 60 Zentimeter schränken die Anschließpunkte stark ein
- Zahlencode ist gegen Ausprobieren anfällig
- Als alleinige Sicherung nicht gedacht
Ausstattung
- 60 cm Umgriff
- 460 g
- Zahlencode
- ABUS-Level 7
Wo Faltschlösser im Prüfprogramm auftauchen
Stiftung Warentest hat im Fahrradschloss-Test 3/25 nach eigener Darstellung 19 Schlösser geprüft, darunter ausdrücklich Bügel-, Falt- und Kettenschlösser sowie zwei Kombi-Schlösser. Die Datenbank umfasst 89 Modelle seit 2017; eingekauft wurde anonym von September 2024 bis Januar 2025.
Die Gewichtung im Qualitätsurteil ist frei einsehbar: Aufbruchsicherheit 70 Prozent, Handhabung 20 Prozent, Haltbarkeit 10 Prozent, Schadstoffe 0 Prozent mit einer Abwertungsregel bei mangelhaftem Schadstoffbefund. Drei Fachleute setzten Werkzeug an, ein vierter versuchte das Öffnen ohne Gewalt — jeweils mit bis zu drei Minuten Zeit. Die Einzelergebnisse liegen hinter der Bezahlschranke und werden hier nicht wiedergegeben.
Für Faltschlösser ist die Handhabungs-Gewichtung von 20 Prozent relevanter als bei anderen Bauarten, weil das tägliche Auf- und Zusammenklappen die eigentliche Alltagsprüfung ist. Ein Schloss, dessen Gelenke nach einem Winter schwergängig werden, wird seltener benutzt — und ein nicht benutztes Schloss hat keine Sicherheitsstufe.
Der Test, den man selbst machen kann
Was die Norm über diese Bauart sagt
Anders als oft behauptet gibt es sehr wohl eine europäische Norm für Fahrradschlösser: DIN EN 15496 mit dem Titel „Fahrräder — Anforderungen und Prüfverfahren für Fahrradschlösser", veröffentlicht im April 2008 und im Normenwerk weiterhin als gültig geführt. Ein Überarbeitungsentwurf aus dem Jahr 2022 wurde zurückgezogen, womit die Fassung von 2008 die maßgebliche bleibt.
Für Faltschlösser ist ein Detail des Anwendungsbereichs bemerkenswert. Die Norm deckt nach der Beschreibung im Normendatenblatt dauerhaft befestigte und abnehmbare Fahrradschlösser ab und behandelt auch bestimmte Aspekte im Hinblick auf die Sicherheit der Person, an deren Fahrrad das Schloss angebracht ist. Genau das ist bei einem Faltschloss ein realer Punkt: Es fährt in einer Halterung am Rahmen mit, in Speichennähe, und ein sich lösender Stab hat dort nichts zu suchen.
Was die Norm nicht leistet, ist eine Einteilung in Sicherheitsklassen. Sie beschreibt Anforderungen und Prüfverfahren, nicht eine Skala, an der Käufer Modelle einordnen könnten. Genau deshalb kann die Polizeiliche Kriminalprävention gleichzeitig zutreffend feststellen, dass es im Handel keine verbindlichen Sicherungsklassen gibt. Beides passt zusammen — eine Prüfnorm ist keine Klassifizierung. Der ganze Zusammenhang steht im Beitrag zur Norm.
Die Angriffsstufe, in der ein einziges Werkzeug reicht
Wer die unabhängigen Prüfstufen einordnen will, findet bei Sold Secure die anschaulichste Beschreibung der untersten Stufe. Für Fahrradschlösser reicht deren Skala von Bronze bis Diamond, und die Bronze-Stufe wird nach eigener Darstellung gegen einen kurzen Angriff mit einem einzigen, leicht zu verbergenden Handwerkzeug geprüft.
Das ist das Bild, das man vor Augen haben sollte: kein Werkzeugkoffer, kein Winkelschleifer, sondern ein Gegenstand, der in eine Jackentasche passt. Ein Schloss, das dieser Stufe genügt, hält Gelegenheitszugriffe auf. Es ist nicht für die Nacht auf der Straße gemacht.
Am oberen Ende steht bei Sold Secure die Diamond-Stufe, beschrieben als höchste Widerstandsklasse einschließlich Spezialwerkzeugen, ausgerichtet auf die zerstörerischsten Angriffe, zu denen Winkelschleifer gehören können. Der Zertifizierer merkt selbst an, dass Pedal Cycle Diamond und Powered Cycle Gold dasselbe Sicherheitsniveau bezeichnen, weil dieselben Werkzeuge, Angriffsmethoden und Zeitlimits verwendet werden. Wer zwei Siegelbezeichnungen vergleicht, sollte solche Feinheiten kennen.
Warum vier von fünf Modellen von einer Marke stammen
Das ist keine redaktionelle Setzung, sondern eine Marktbeobachtung. In der Amazon-Suche nach Faltschlössern dominiert ein Hersteller die vorderen Positionen so deutlich, dass eine gleichmäßige Markenverteilung eine künstliche Konstruktion wäre. Das Feld bildet ab, was tatsächlich gekauft wird.
Für die Einordnung heißt das zweierlei. Erstens sind die Levelangaben in diesem Vergleich zu großen Teilen dieselbe Skala, weshalb sich die Modelle untereinander wenigstens grob ordnen lassen — was zwischen Marken nicht funktioniert. Zweitens fehlt dadurch der Quervergleich: Wie sich ein Faltschloss eines anderen Anbieters mit sechs Millimeter Stabstärke einordnet, lässt sich hier nicht beantworten. Ein solches Modell steht im E-Bike-Vergleich.
Was der Umgriff im Alltag wirklich entscheidet
Die Umgrifflänge ist bei dieser Bauart die Zahl mit der größten Alltagswirkung — größer als jede Levelangabe. Sie entscheidet nicht darüber, wie schwer ein Schloss zu knacken ist, sondern darüber, ob es überhaupt sinnvoll angesetzt werden kann. Und ein Schloss, das nur ums Vorderrad passt, sichert das Rad nicht, sondern das Vorderrad.
Der praktische Mindestbedarf lässt sich abschätzen. Ein Anschließen von Rahmen und Hinterrad an einen üblichen Anlehnbügel braucht etwa 80 Zentimeter. Kommt ein dickerer Anschließpunkt dazu — ein Straßenschild, ein Geländerpfosten mit größerem Durchmesser — sind 90 bis 100 Zentimeter nötig. Unter 70 Zentimetern bleibt in der Praxis nur der schmale Fahrradständer.
Das Feld deckt die Spanne von 60 bis 90 Zentimetern ab, der E-Bike-Vergleich reicht bis 120. Wer unsicher ist, misst einmal am tatsächlichen Abstellort nach: ein Stück Schnur um Rahmen, Hinterrad und Ständer legen, ablängen, nachmessen. Diese fünf Minuten ersparen die häufigste Fehlanschaffung in dieser Produktkategorie.
Zahlencode oder Schlüssel
Ein Modell im Feld arbeitet mit einem Zahlencode. Das erspart den Schlüssel und damit den häufigsten Ärger im Alltag, hat aber zwei Nachteile, die man vor dem Kauf kennen sollte. Ein Zahlenschloss lässt sich durch systematisches Ausprobieren öffnen, wenn genug Zeit vorhanden ist — und Zeit ist bei einem Rad, das über Nacht steht, reichlich vorhanden.
Der zweite Punkt betrifft die Fingerfertigkeit. Bei Kälte und Dunkelheit ist ein Schlüssel schneller als vier Ziffern. Wer das Rad täglich mehrfach anschließt, sollte das ausprobieren, bevor er sich festlegt. Für ein Zweitschloss, das seltener bedient wird, ist der Code die entspanntere Wahl.
Für welche Räder Faltschlösser nicht reichen
Der GDV zählt in seiner Übersicht Rahmen- und Spiralkabelschlösser zu den Bauarten, die Diebstähle meist nicht verhindern — Falt-, Ketten- und Bügelschlösser gelten dort als die qualitativ hochwertigen Varianten. Die Bauart als solche ist also nicht das Problem.
Das Problem ist die Wertklasse. Bei einem Rad, dessen Wiederbeschaffung im vierstelligen Bereich liegt, ist ein Faltschloss der unteren Levelhälfte eine Zweitsicherung, keine Hauptsicherung. Der durchschnittliche versicherte Schaden je gestohlenem Fahrrad lag laut GDV 2025 bei 1.270 Euro — ein neuer Höchststand, der zeigt, wie sich der Radbestand verschoben hat. Was in dieser Wertklasse angemessen ist, steht im E-Bike-Vergleich.
Es gibt außerdem eine versicherungsrechtliche Seite. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Versicherer ein eigenständiges Fahrradschloss verlangen, wenn das Rad draußen abgestellt wird, und dass fest am Fahrrad verbaute Rahmenschlösser nicht immer als eigenständiges Schloss gelten. Ein Faltschloss ist unstrittig eigenständig — das ist einer der wenigen Punkte, an denen die Bauart einen formalen Vorteil gegenüber dem mitgelieferten Rahmenschloss vieler Räder hat.
Der Umgang mit der Halterung
Faltschlösser werden in einer Kunststofftasche am Rahmen transportiert, meist über die Gewinde des Flaschenhalters. Zwei Dinge gehen dabei regelmäßig schief. Erstens passt die Halterung nicht an jeden Rahmen — kleine Rahmengrößen und Rahmen mit gefederten Sitzrohren haben oft keinen brauchbaren Platz. Zweitens ist die Tasche ein Verschleißteil, das früher aufgibt als das Schloss.
Beides ist vor dem Kauf prüfbar: Flaschenhaltergewinde am Rahmen suchen, Abstand zum Umwerfer und zur Kurbel messen. Wer diese Minute investiert, spart sich die häufigste Enttäuschung bei dieser Bauart.
Bei E-Bikes kommt ein weiterer Punkt hinzu: Der Akku sitzt bei vielen Modellen genau dort, wo sonst der Flaschenhalter wäre. Wer ein Faltschloss für ein E-Bike sucht, sollte die Halterungsfrage vor der Schlossfrage klären — sonst landet das Schloss dauerhaft im Rucksack, und dann entscheidet das Gewicht über die Nutzung. Die Modelle, die für diese Radklasse infrage kommen, stehen im E-Bike-Vergleich.
Wie man ein Faltschloss ansetzt
Die Bauart hat eine Eigenheit, die man nutzen kann: Weil der Ring beliebig geformt werden kann, lässt sich das Schloss so anlegen, dass es straff sitzt. Genau das sollte das Ziel sein. Ein Faltschloss, das lose um Rahmen und Ständer hängt, gibt einem Angreifer Raum, das Schloss zu verdrehen und ein Gelenk in eine Position zu bringen, in der Hebelwerkzeug greift.
Zweitens: Der Schlosskörper gehört nach oben. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt, das Schloss möglichst weit vom Boden entfernt anzubringen, damit Diebe den Bolzenschneider nicht auf dem Boden absetzen und mit ihrem Körpergewicht arbeiten können. Bei einem Faltschloss ist das leicht umzusetzen, weil die Position frei wählbar ist.
Drittens gilt für alle Bauarten dieselbe Grundregel: Der Rahmen muss an einen fest verankerten Gegenstand. Nur Vorder- und Hinterrad zu blockieren, reiche nicht aus, so die Polizei — blockierte Räder ließen sich mühelos wegtragen oder verladen. Die vollständige Anleitung mit den häufigsten Fehlern steht im Beitrag zum richtigen Anschließen.
Was diese Seite offen lässt
Zur Aufbruchsicherheit der einzelnen Modelle gibt es hier keine Aussage, weil kein Eigentest stattfindet und die Ergebnisse des einzigen unabhängigen deutschen Tests kostenpflichtig sind. Keines der fünf Modelle weist eine ART-Sternezahl oder eine VdS-Klasse im Angebot aus — die Angaben beschränken sich auf herstellereigene Skalen. Wie man solche Angaben prüft, statt sie zu glauben, steht im Beitrag zu den Sicherheitsstufen.
Ebenfalls offen bleibt die Frage nach der Haltbarkeit der Gelenke über Jahre. Stiftung Warentest gewichtet Haltbarkeit mit zehn Prozent im Qualitätsurteil, veröffentlicht die Einzelergebnisse aber kostenpflichtig. Aus den Amazon-Rückmeldungen lässt sich ein Trend ablesen, kein Messwert — und ein Trend aus Selbstauskünften ist für eine Sicherheitsfrage die schwächste verfügbare Grundlage. Diese Seite gibt ihn deshalb nicht als Ergebnis aus.
Auf welcher Grundlage dieser Vergleich steht
Produktdaten am 06.09.2026 einzeln auf den Amazon-Produktseiten abgelesen. Maße, Gewichte und Levelwerte sind Herstellerangaben. Kein Eigentest, keine Preise.
- Stiftung Warentest: Prüfumfang und Gewichtung, Fahrradschloss-Test 3/25
- GDV: Bauartenbewertung und Schadendurchschnitt 2025
- ABUS: Aufbau des Level-Systems (Herstellerangabe)
- Stichting ART: Sternesystem und Prüfumfang
- VdS Schadenverhütung: Klassen und Prüfablauf
- ADFC: Drei-Minuten-Faustregel und zweiter Schlosstyp
- Polizeiliche Kriminalprävention: Auswahl und Anbringung des Schlosses
- DIN Media: DIN EN 15496:2008-04, Anforderungen und Prüfverfahren für Fahrradschlösser
- Sold Secure: Prüfstufen für Fahrradschlösser von Bronze bis Diamond
- Verbraucherzentrale: Anforderungen der Versicherer an das Schloss
FAQ
Häufige Fragen
Wie sicher sind Faltschlösser?
Der GDV zaehlt Faltschloesser zusammen mit Ketten- und Buegelschloessern zu den qualitativ hochwertigen Bauarten. Konstruktiv sind die Gelenknieten der Punkt, an dem sich ansetzen laesst; kein Hersteller im Feld macht Angaben zu Durchmesser, Material oder Sicherungsverfahren der Nieten.
Wie lang muss der Umgriff sein?
Rahmen und Hinterrad an einem Anlehnbuegel brauchen etwa 80 Zentimeter, ein dickerer Anschliesspunkt 90 bis 100. Unter 70 Zentimetern bleibt praktisch nur der schmale Fahrradstaender. Wer unsicher ist, legt eine Schnur um Rahmen, Hinterrad und den tatsaechlichen Anschliesspunkt und misst nach.
Warum haben ähnliche Modelle unterschiedliche Level?
Im Feld tragen drei Modelle desselben Herstellers mit aehnlichen Massen die Levelangaben 7, 8 und 10. Der einzige dokumentierte Unterschied ist ein benannter Zylindertyp. Da die Skala nach Herstellerangabe auch Komfort und Design mitbewertet, laesst sich aus zwei Levelstufen keine doppelte Sicherheit ableiten.
Zahlencode oder Schlüssel?
Ein Zahlenschloss erspart den Schluessel, laesst sich aber durch systematisches Ausprobieren oeffnen — und Zeit hat ein Dieb bei einem Rad, das ueber Nacht steht, reichlich. Bei Kaelte und Dunkelheit ist ein Schluessel ausserdem schneller als vier Ziffern. Fuer ein Zweitschloss ist der Code die entspanntere Wahl.
Passt die Halterung an jeden Rahmen?
Nein. Die Schlosstasche wird meist ueber die Gewinde des Flaschenhalters montiert. Kleine Rahmengroessen, gefederte Sitzrohre und E-Bikes mit Rahmenakku haben dort oft keinen Platz. Vor dem Kauf lohnt es, Gewinde zu suchen und den Abstand zu Umwerfer und Kurbel zu messen.