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Ratgeber

Campingkocher im Winter: Kartuschen, Kälte und Grenzen

Gaskocher bei Kälte: Dampfdruck von Butan, Isobutan und Propan nach NIST, Kältegrenzen der Hersteller, Tests bei −18 °C, Kopfüberbetrieb und Benzin.

Neun leichte Gaskocher lagerten samt Kartusche für einen Test des Bergmagazins ALPIN in einer Tiefkühltruhe bei minus 18 Grad und wurden danach zügig in Betrieb genommen. Bei keinem steht im Ergebnis ein Ausfall: Drei brannten „leicht vermindert“, zwei „vermindert“, vier „deutlich vermindert“. Ein zweiter Versuch, den der US-Tester Adventure Alan veröffentlicht hat, lief draußen bei plus 1,5 Grad auf Meereshöhe, mit einem Ventilator für leichten Wind. Dort brachten fünf Kocher einen halben Liter Wasser gar nicht zum Sieden. Die Vorstellung, ein Gaskocher funktioniere bis zu einer festen Minustemperatur und darunter nicht mehr, deckt sich mit keinem der beiden Befunde. Diese Seite ordnet Dampfdruck, Gasmischungen, Herstellergrenzen und Kältemessungen, Stand 14. Oktober 2026, ohne Eigentest und ohne Preise.

Was bei Kälte an einem Gaskocher nachlässt

Eine Gaskartusche enthält Flüssiggas unter Druck. Primus beschreibt den Ablauf so: Beim Öffnen des Ventils sinkt der Druck im Behälter, die Flüssigkeit verdampft, und erst der Dampf brennt am Kocher. Wie viel Dampf nachkommt, hängt am Dampfdruck des Gases, und der hängt an der Temperatur der Kartusche. Ist er kleiner als der Luftdruck draußen, strömt nichts mehr aus. Ist er nur wenig größer, kommt eine schwache Flamme heraus, obwohl noch reichlich Gas in der Dose ist. Primus schreibt genau das: Der Kocher brenne dann schwächer oder gar nicht, „even though there may be gas left“.

Hinzu kommen drei Größen, die mit der Lufttemperatur wenig zu tun haben. Erstens kühlt die Kartusche beim Kochen selbst ab, weil das Verdampfen Wärme verbraucht. Zweitens ändert sich mit dem Füllstand, wie gut die Kartusche Dampf nachliefert; die Tests unten zeigen das an fast leeren Dosen. Drittens kostet Wind Leistung; in den Messungen von ALPIN und Adventure Alan stiegen mit Wind Zeit und Verbrauch. Welche der drei bei einer bestimmten Tour den Ausschlag gibt, lässt sich nur aus Messungen ablesen, und die sind dünn. Einen aktuellen Verbrauchertest mit Kälteprüfung fand sich nicht; die Stiftung Warentest hat Gas-Campingkocher zuletzt 1967 geprüft.

Für die Auswahl folgt daraus eine Reihenfolge. Zuerst die Kartusche: Welche Gase sie enthält, bestimmt, ab wann der Druck kippt. Dann der Kocher: Ein Druckregler, eine Leitung mit Flüssigentnahme oder ein ganz anderer Brennstoff verschieben die Grenze. Zuletzt die Handhabung: Wo die Kartusche nachts liegt, ob sie im Wind steht und ob sie halb leer in die Kälte geht. Den Überblick über alle Bauarten, Brennstoffe und Seiten dieses Themas gibt die Übersicht zu Campingkochern mit Brennstoffen und Bauarten; hier geht es nur um das, was der Winter daran ändert.

Wonach im Winter gesucht wird

Für den Cluster wurden Suchvorschläge zu 60 Startbegriffen gesammelt, jeweils ohne Zusatz und mit den Buchstaben des Alphabets. 417 der verschiedenen Vorschläge gehören zum Thema Winter und Kälte, 428 zur Frage Butan oder Propan. Darunter stehen Formulierungen wie „butan oder propan bei kälte“, „gaskocher zündet nicht kalt“, „gaskartusche bei minusgraden lagern“, „sommergas vs wintergas“, „spirituskocher im winter“ und „msr pocket rocket in winter“. In einer zweiten, strengeren Zählung mit 415 Winter-Vorschlägen erschienen zwanzig unter Startbegriffen, die das Wort selbst nicht enthalten; die Suchmaschine bot sie also von sich aus an.

In den ausgewerteten Foren tauchen zehn Threads zu Winter, Kälte und Höhe auf, etwa „Gaskocher für Kälte und große Höhe“ von 2023, „Gesucht: leichter Kocher für Temperaturen zwischen −10 bis +10 Grad“ von 2021 und ein Bericht über einen Tiefkühltest mit einem Primus-Kocher und Coleman-Gas von 2019. Die Threads wurden nur nach Titel erfasst, nicht inhaltlich ausgewertet. Die Zahl der Vorschläge ist kein Suchvolumen, sie zeigt nur, in welchen Worten gefragt wird.

Zwei Fragen beantwortet keine der abgerufenen Ratgeberseiten belastbar. Bei welcher Temperatur versagt welche Mischung, mit Prozentangaben je Kartusche? Und warum lässt die Leistung während des Kochens nach, und wie stark? Die DAV-Seite nennt Siedepunkte, aber keinen Grenzwert je Kartusche; die Bergzeit-FAQ nennt das Abkühlen beim Verdampfen beim Namen, ohne Zahl. Beide Fragen sind der Kern dieser Seite. Einen dritten Punkt, die Campingaz-FAQ „Welche Gaskartusche eignet sich für kalte Temperaturen?“, beantwortet der Hersteller selbst ohne Temperaturgrenze.

Dampfdruck statt Thermometer: die Physik der Kartusche

Die Siedepunkte der drei Gase bei Normdruck stehen in der Referenzdatenbank des US-Instituts NIST: n-Butan −0,49 °C, Isobutan −11,75 °C, Propan −42,11 °C. Die DGUV-Regel 110-010 der Unfallversicherung zur Verwendung von Flüssiggas nennt für Butan −0,5 und für Propan −42 °C, MSR rundet auf −1, −12 und −42 °C. Kleinere Abweichungen gibt es bei anderen: Primus schreibt für Isobutan „around -10 degrees“, der Deutsche Alpenverein für Propan „ca. -40°C“. Für Berechnungen nimmt diese Seite die NIST-Werte.

Ein Siedepunkt sagt nur, bei welcher Temperatur der Dampfdruck dem Luftdruck auf Meereshöhe gleicht. Für den Kocher zählt der Abstand zwischen beiden. Die Grafik zeigt den absoluten Dampfdruck der reinen Gase bei 0, −10 und −20 °C, daneben den Luftdruck auf Meereshöhe und auf 3.000 Metern. Liegt ein Balken unter dem Luftdruck, kommt aus einer Kartusche mit diesem Gas allein kein Dampf mehr heraus.

Messwerte

Dampfdruck von Butan, Isobutan und Propan bei Frost

Angaben in bar, absolut

Luftdruck auf Meereshöhe1.013Luftdruck auf 3.000 m0.702n-Butan bei 0 °C1.03n-Butan bei −10 °C0.7n-Butan bei −20 °C0.45Isobutan bei 0 °C1.57Isobutan bei −10 °C1.08Isobutan bei −20 °C0.72Propan bei 0 °C4.74Propan bei −10 °C3.45Propan bei −20 °C2.45
  • Luftdruck auf Meereshöhe: Normdruck 1,01325 bar, auf den sich die NIST-Siedepunkte beziehen
  • Luftdruck auf 3.000 m: NASA-Atmosphärenmodell, 70,2 kPa; Umrechnung in bar ist eigene Rechnung
  • n-Butan bei 0 °C: NIST Chemistry WebBook, Sättigungsdruck n-Butan (C106978)
  • n-Butan bei −10 °C: NIST, Sättigungsdruck n-Butan
  • n-Butan bei −20 °C: NIST, Sättigungsdruck n-Butan
  • Isobutan bei 0 °C: NIST, Sättigungsdruck Isobutan (C75285)
  • Isobutan bei −10 °C: NIST, Sättigungsdruck Isobutan
  • Isobutan bei −20 °C: NIST, Sättigungsdruck Isobutan
  • Propan bei 0 °C: NIST, Sättigungsdruck Propan (C74986)
  • Propan bei −10 °C: NIST, Sättigungsdruck Propan
  • Propan bei −20 °C: NIST, Sättigungsdruck Propan

Grundlage: NIST Chemistry WebBook, Thermophysical Properties of Fluid Systems, Sättigungsdaten der reinen Gase, abgerufen am 14.10.2026. Werte gelten für reine Stoffe, nicht für Kartuschenmischungen, und für die Temperatur der Flüssigkeit in der Kartusche, nicht für die Lufttemperatur. Luftdruck auf 3.000 m nach dem NASA-Modell der Standardatmosphäre, Umrechnung von kPa in bar als eigene Rechnung.

Gelesen von oben nach unten: n-Butan liegt bei 0 °C mit 1,03 bar nur knapp über dem Luftdruck auf Meereshöhe, bei −10 °C mit 0,70 bar schon deutlich darunter. Nach eigener Rechnung aus den NIST-Werten bleibt bei 0 °C ein Überdruck von rund 0,02 bar. Isobutan hält bei −10 °C noch 1,08 bar und fällt erst zwischen −10 und −20 °C unter den Luftdruck. Propan hat bei −20 °C noch 2,45 bar, also mehr als das Doppelte des Luftdrucks. Nach der Tabelle der Unfallversicherung hat n-Butan bei 0 °C einen Überdruck von 0,059 bar; das ist mehr als die NIST-Rechnung ergibt, die Datenbasis ist eine andere. Am Ergebnis ändert es wenig: Reines Butan steht um den Gefrierpunkt an der Grenze.

Die Kartuschen im Handel enthalten keine reinen Gase, sondern Mischungen. Wie hoch der Druck einer Mischung aus 80 Prozent Isobutan und 20 Prozent Propan bei −10 °C genau ist, gibt keine der ausgewerteten Quellen an, und die NIST-Daten beziehen sich nur auf Reinstoffe. Die Grafik erklärt deshalb die Richtung, nicht die Grenze einer bestimmten Dose. MSR fasst die Richtung so: Propan liefere den höchsten Dampfdruck und damit die beste Kälteleistung, Isobutan sei „the next best thing“, n-Butan liege „at the bottom of the heap“.

Warum die Kartusche beim Kochen selbst kälter wird

Verdampfen kostet Energie, und die nimmt das Gas aus der Kartusche und ihrer Umgebung. Primus schreibt, dass sich bei hohem Gasfluss außen an der Dose Reif bilden kann, und MSR erklärt das Nachlassen ebenso: Weil verdampfender Brennstoff abkühlt, verlieren Kartuschen mit Gasen niedrigen Dampfdrucks während des Betriebs schneller an Druck. Bei kaltem Wetter, so MSR weiter, versagen solche Brennstoffe ganz, während andere Mischungen weiterlaufen. Bergzeit nennt den Vorgang in seiner FAQ Joule-Thomson-Effekt; die Hersteller sprechen nur von Verdampfungskälte. Beziffert wird der Temperaturabfall der Kartusche in keiner der Quellen.

Das hat eine praktische Folge. Die Temperatur, die für den Druck zählt, ist die der Flüssigkeit in der Dose, nicht die der Luft. MSR empfiehlt deshalb, Kartuschen bei Kälte im Rucksack oder im Schlafsack aufzubewahren, um den Druck zu halten; beim Kochen kühlen sie dann wieder ab. Wie schnell eine Kartusche von welcher Größe dabei auskühlt, hat keine der ausgewerteten Quellen gemessen. Belegt ist nur die Grenze eines Herstellers: Der Druckregler des MSR WindBurner arbeitet laut MSR-FAQ „down to 32°F/0°C canister temp“, also bis zu einer Kartuschentemperatur von null Grad.

Der Füllstand verstärkt den Effekt. Primus beschreibt für den eigenen Kältevergleich, dass zwei volle Kartuschen anfangs kaum Unterschied zeigen, weil der Druck in beiden noch hoch ist, und dass der Abstand wächst, je mehr Gas verbraucht ist. Das OUTDOOR-Magazin berichtete 2015 aus Labormessungen dasselbe Muster an fast leeren Dosen. Die Zahlen dazu stehen weiter unten bei den Kältemessungen, weil sie einen bestimmten Kartuschentyp betreffen. Wer im Winter eine angebrochene Kartusche mitnimmt, nimmt also eine schwächere mit, als die Mischung auf dem Etikett vermuten lässt.

Was „Wintergas“ bei Primus, Campingaz und Coleman heißt

Auf den Produktseiten der Kartuschen steht meist ein Einsatzbereich, nicht immer eine Mischung und selten eine Begründung. Die Tabelle stellt zusammen, was die Hersteller auf ihren Produktseiten zur Zusammensetzung und zur Kälte angeben. Wo die Seite keine Prozente nennt, steht das so in der Zeile. Die Ventilarten, Füllmengen, Adapter und das Nachfüllen behandelt die Seite zu den Gaskartuschen-Arten, Ventilen und Mischungen je Hersteller.

Mischung und Kälteangabe je Kartusche, nach Herstellerseiten (abgerufen am 14.10.2026)
KartuscheMischung laut HerstellerAngabe zur KälteBefund
Primus Winter Gasrund 80 % Isobutan, 20 % Propan, Papiereinlage „VaporMesh“„down to -22 °C“Mischung laut Primus wie beim Power Gas
Primus Power GasPropan und Isobutan, auf der Produktseite ohne Prozentauch unter null „enough pressure“Einsatzzeit auf drei Seiten verschieden beschrieben
Primus Summer GasPropan und Butan, ohne Prozent15 bis 40 °Ckein Wintergas
MSR IsoPro80 % Isobutan, 20 % Propan, n-Butan höchstens 5 bzw. 6 %„superior cold weather performance“, ohne Zahlkleine Abweichung zwischen Produktseite und FAQ
Campingaz CV 470 All Season85 % Isobutan, 15 % Propan„bis -18 °C“, als theoretische Berechnung bei voller KartuscheLeistung hänge laut Fußnote vom Gerät ab
Campingaz CV 300 Plus80 % Butan, 20 % Propan„auch bei kühleren Temperaturen“keine Zahl
Coleman C300 Performance70 % Butan, 30 % PropanTitel „bis -15°C“, Text „bis zum Gefrierpunkt“Widerspruch auf derselben Seite
Coleman C300 Xtreme70 % Butan, 30 % Propan„bis -27 °C“gleiche Mischung wie Performance, andere Grenze
Optimus Gas 4-Season70 % Isobutan, 25 % Propan, 5 % Butan„near-freezing“ und große Höhekeine Gradzahl
Jetboil JetpowerHerstellerseite nicht abrufbar, Händler nennen 80/20 oder 73/25/2bei einem Händler „optimized for cold weather“Zusammensetzung nicht belegt

Drei Befunde stechen heraus. Bei Primus unterscheidet sich das Wintergas nach eigener Angabe nicht in der Mischung, sondern nur durch die Papiereinlage vom Power Gas. Bei Coleman stehen für dieselbe Mischung zwei Grenzen, −15 und −27 °C, und die Performance-Seite widerspricht sich selbst. Bei Campingaz ist die Zahl für die Allwetter-Kartusche ausdrücklich gerechnet, nicht gemessen. Nur zwei der zehn Zeilen nennen also eine Frostgrenze, die weder gerechnet noch auf derselben Seite widersprochen ist, Primus Winter Gas und Coleman Xtreme, und auch diese beiden sind Herstellerangaben ohne beschriebene Prüfung.

Auffällig ist die Rolle des Butans, das bei Campingaz und Coleman den Hauptteil der einfachen Kartuschen stellt. Ein Sicherheitsdatenblatt für eine einfache Handelskartusche von Kerbl nennt Butan und Propan mit einem Isobutananteil unter zehn Prozent. MSR schreibt, günstige Kartuschen aus großen Märkten enthielten oft 100 Prozent n-Butan, und wer nur kurz und bei warmem Wetter campe, komme damit aus. Ablesen lässt sich der Unterschied nur, wenn der Hersteller die Mischung nennt.

Wintergas heißt nicht mehr Propan

Der Deutsche Alpenverein schreibt in seinem Erklärstück zum Gaskocher, Mischungen für den Winter hätten „einen hohen Propananteil“. Die Herstellerangaben aus der Tabelle stützen das nicht. Primus Winter Gas hat mit rund 20 Prozent so viel Propan wie das Ganzjahresgas desselben Herstellers. Die Campingaz-Allwetterkartusche hat mit 15 Prozent sogar weniger Propan als die einfache CV 300 Plus mit 20 Prozent; der Unterschied liegt darin, dass sie statt Butan Isobutan enthält. Coleman verwendet in beiden Kartuschen 30 Prozent Propan. Was ein „Wintergas“ von einem anderen Gas unterscheidet, ist bei den drei Herstellern also nicht der Propananteil.

Warum der Propananteil überhaupt so niedrig bleibt, erklärt MSR: Reines Propan bräuchte eine „much heavier canister“, um den hohen Druck sicher zu halten, deshalb mischten leichte Kartuschen Propan mit Butan oder Isobutan. Nach eigener Auszählung der Kartuschen, deren Hersteller Prozentwerte nennen, hat keine mehr als 30 Prozent Propan. Eine Schraubkartusche mit überwiegend Propan für Aufschraubkocher gibt es im ausgewerteten Feld nicht. Wer tiefe Temperaturen erwartet, verschiebt die Grenze daher über das Isobutan in der Mischung und über den Kocher, nicht über die Wahl eines Propangases.

Campingaz formuliert die Rangfolge in seiner FAQ ähnlich wie MSR: Butan eigne sich für wärmere Temperaturen, Propan liefere auch bei niedrigen Temperaturen Leistung, Isobutan biete eine bessere Kälteleistung als reines Butan. Für kühlere Bedingungen empfiehlt der Hersteller Mischungen aus Isobutan und Propan und nennt die All-Season-Kartusche, eine Temperatur steht in der Antwort nicht. Optimus mischt sein Universal Gas aus 50 Prozent Butan und je 25 Prozent Isobutan und Propan und bewirbt es nur für Bedingungen, die „a bit brisk“ seien; das 4-Season-Gas desselben Herstellers ersetzt das Butan fast ganz durch Isobutan.

Für die Auswahl heißt das: Auf einer Wintertour zählt zuerst, dass die Kartusche Isobutan statt n-Butan enthält, und das nennen nur manche Hersteller. Ob Primus Winter Gas gegenüber Power Gas Vorteile bringt, hängt nach der eigenen Beschreibung von Primus an der Brenndauer und am Füllstand, nicht an der Mischung. Die Papiereinlage soll die Fläche vergrößern, von der die Flüssigkeit verdampft, und ihre Wirkung soll mit sinkendem Füllstand zunehmen. Primus hat Winter Gas laut Produktseite nur in den Größen 230 und 450 Gramm, nicht als kleine 100-Gramm-Dose.

Kältegrenzen der Kocher laut Hersteller

Neben der Kartusche setzen auch die Kocherhersteller Grenzen. Die meisten nennen keine. Die Tabelle sammelt die Angaben, die in Anleitungen, FAQ und auf Produktseiten stehen. Sie sind nicht vergleichbar, weil sich ein Teil auf die Kartuschentemperatur bezieht, ein Teil auf Betrieb und Lagerung des Geräts und ein Teil nur auf einen Brennstoffwechsel.

Kälteangaben der Kocherhersteller (Herstellerangaben, nicht unabhängig geprüft)
GerätAngabeWorauf sie sich bezieht
MSR WindBurnerRegler bis 0 °C; darunter Kartusche in eine Schale mit Wasser stellen; nicht kopfüber betreibenKartuschentemperatur
MSR WhisperLite Universalmit Kartusche nicht unter −18 °C betreiben oder lagern; mit Flüssigbrennstoff und Arctic-Pumpe nicht unter −40 °CUmgebung, je Betriebsart
Jetboil MiniMo„bis −6 °C“deutsche Vertriebsseite jetboil.de, ohne Bezugsgröße
SOTO Muka (Benzin)nicht unter −20 °C, mit Hinweis auf die O-RingeFehlerbehebungsseite des Herstellers
Primus, allgemeinunter −22 °C Multifuel-Kocher statt GasGasratgeber des Herstellers
Trangia Spiritusbrennerunter 0 °C Vorwärmer für bessere LeistungHandbuch 2021

Die Spanne reicht von null Grad Kartuschentemperatur bis minus 40 Grad Umgebung, je nach Gerät und Brennstoff. Nur die MSR-Angaben sind so formuliert, dass klar wird, was gemeint ist. Die deutsche Vertriebsseite jetboil.de nennt eine Zahl ohne Bedingung, die US-Seite des Herstellers ist für das Modell nur noch als auslaufende Variante erreichbar. Für die meisten Aufschraubkocher in den ausgewerteten Herstellerdaten steht keine Kälteangabe. Was die einzelnen Trekkingkocher sonst unterscheidet, Gewicht, Windschutz am Gerät, Zündung und Ersatzteile, vergleicht die Seite zu Trekking-Gaskochern und Kochsystemen mit Messwerten.

Der Tiefkühltest von ALPIN: neun Kocher nach minus 18 Grad

Der Test erschien in ALPIN 9/22, der Online-Artikel dazu ist auf den 4. August 2024 datiert. Gemessen wurde mit vollen Kartuschen des jeweiligen Herstellers, Wasser von 20 °C, Regler auf Maximum. Für die Kälteprüfung lagen Kocher und Kartusche in einer Tiefkühltruhe bei −18 °C und wurden danach zügig in Betrieb genommen. Das Ergebnis steht nur als Wort, nicht als Zahl. Eine Siedezeit oder einen Verbrauch nach der Kältelagerung nennt der frei sichtbare Text nicht.

ALPIN 9/22: Ergebnis nach Lagerung von Kocher und Kartusche bei −18 °C
ModellBauart laut ALPINKälteRegler laut Hersteller
Soto WindMasterAufschraubkocherleicht vermindert„Micro Regulator“
Primus PrimeTech Stove Set 1,3 lexterne Kartusche, Systemleicht vermindertkeine Angabe gefunden
Soto Fusion Trekexterne Kartuscheleicht vermindertDruckregler (Herstellertext bei ALPIN)
Jetboil MiniMoSystemvermindertja (US-Seite)
Primus Essential TrailAufschraubkochervermindertkeine Angabe gefunden
Forclaz MT500 PiezoAufschraubkocherdeutlich vermindertkeine Angabe gefunden
Forclaz MT500 mit Brennstoffleitungexterne Kartuschedeutlich vermindertkeine Angabe gefunden
Jetboil MightyMoAufschraubkocherdeutlich vermindertkeine Angabe gefunden
Trangia 27-7 UL/HA mit GasSystemdeutlich vermindertkeine Angabe gefunden

Zwei Dinge lassen sich ablesen, ohne mehr hineinzulegen, als ALPIN schreibt. Erstens fiel unter diesen Bedingungen keiner aus. Zweitens hängt das Ergebnis nicht an der Bauart allein: Unter den Kochern mit externer Kartusche steht der Soto Fusion Trek bei „leicht vermindert“, der Forclaz mit Brennstoffleitung bei „deutlich vermindert“. Eine Leitung zur Kartusche ist also für sich noch kein Wintervorteil. Bei den Aufschraubkochern liegt der WindMaster vorn, für den Soto einen „Micro Regulator“ angibt; auch den Fusion Trek führt ALPIN mit Druckregler. Ob die Regler das Ergebnis erklären, prüft der Test nicht.

Die Grenzen des Versuchs sind deutlich. Keine Angabe zum Füllstand bei der Kälteprüfung, kurze Zeit zwischen Truhe und Zündung und keine Angabe zur Brenndauer heißen: Der Test zeigt einen Kaltstart, nicht eine Stunde Schneeschmelzen mit halb leerer Dose. Ob die Kartuschen der Hersteller Isobutan oder Butan enthielten, steht nicht im Test. Für eine Kaufentscheidung ist er trotzdem die beste verfügbare Vergleichsreihe, weil er neun Modelle unter denselben Bedingungen zeigt.

Plus 1,5 Grad mit Wind: fünf Systeme ohne Sieden

Adventure Alan, ein US-Tester mit eigener Methode, hat Kochsysteme draußen bei 35 °F gemessen, nach eigener Umrechnung 1,5 °C, auf Meereshöhe, mit einem halben Liter Wasser bis 100 °C. Der Brennstoff wurde vor und nach jedem Durchgang auf 0,01 Gramm genau gewogen, der Wind kam von einem Ventilator mit 5 mph, gemessen mit einem Anemometer. Der Datensatz stammt laut Seite von etwa 2021. Eine Unstimmigkeit gibt es: Die Spalte ist mit Sekunden überschrieben, die Werte zwischen 1,5 und 10 sind erkennbar Minuten.

Adventure Alan: 0,5 l bei 35 °F (1,5 °C), Zeit bis zum Sieden in Minuten und Gas in Gramm
Systemwindstillmit 5 mph Wind
MSR PocketRocket Deluxe mit 1-l-Topf1,8 min, 6,5 g2,2 min, 7,5 g
MSR PocketRocket Deluxe mit Stash-Topf1,5 min, 5,8 g1,6 min, 6,2 g
Jetboil MiniMo2,0 min, 5,7 g4,0 min, 7,9 g
Jetboil Stash4,0 min, 5,2 gkein Sieden
TD Caldera, Spiritus8,3 min, 14,4 g10,0 min, 17,6 g

In der Zone mit Wind kam ein Teil der Kocher gar nicht ans Ziel. Der Jetboil Flash blieb nicht an. Ein BRS 3000 erreichte 52 °F, ein Etekcity-Kocher 95 °F, die Jetboil Stash 160 °F und ein „Pocket Rocket Kit“ 190 °F, nach eigener Umrechnung rund 11, 35, 71 und 88 °C. Der Spiritusbrenner kochte dagegen auch bei Wind, in zehn Minuten. Von den Gaskochern kamen bei Wind die beiden ans Ziel, für die der Hersteller einen Regler angibt, die MSR PocketRocket Deluxe und die Jetboil MiniMo. Flash und Stash haben laut Jetboil keinen Regler.

Ein Kältetest im engeren Sinn ist das nicht, 1,5 Grad liegen über dem Gefrierpunkt. Gerade deshalb ist er für die Winterfrage wichtig: Wind bei kühlen Temperaturen reicht, um einen Teil der leichten Kocher aus dem Spiel zu nehmen, bevor die Luft überhaupt unter den Gefrierpunkt fällt. Wie Wind, Kälte und Topf in die Gasplanung eingehen und welche Spanne Messungen und Herstellerangaben ergeben, zeigt die Seite zum Gasverbrauch je Liter und zur Laufzeit einer Kartusche mit einem Rechner.

Kältemessungen an Wintergas und an fast leeren Kartuschen

Für die Frage nach dem Füllstand gibt es zwei ältere Messungen aus dem OUTDOOR-Magazin und eine Herstellerangabe. Im Testbericht von 2015 schrieb die Redaktion, eine auf −18 °C gekühlte Kartusche Primus Winter Gas bringe einen Liter Wasser in acht Minuten zum Sieden, eine Allround-Kartusche brauche über zehn. Fast leer habe das Wintergas neun Minuten gebraucht, während die Allround-Kartusche „gar nicht mehr brennt“. Die Bedingungen der Labormessung sind nicht beschrieben, die Allround-Kartusche ist nicht benannt.

Derselbe Bericht nennt als zweiten Grund „ein auf Kälte abgestimmtes Gasgemisch mit viel Isobutan“. Primus selbst schreibt heute, die Mischung sei dieselbe wie beim Power Gas, rund 20 Prozent Propan und 80 Prozent Isobutan. Entweder hat sich die Zusammensetzung seit 2015 geändert, oder die Redaktion hat sie falsch beschrieben; keine Quelle klärt das. Der eigene Vergleich von Primus lief in einem Kühlraum bei konstant −20 °C mit zwei vollen Kartuschen, die 48 Stunden vorgekühlt waren, an zwei Spider-Kochern. Nach 60 Minuten Kochzeit sei das Wintergas etwa 9 Prozent stärker gewesen, nach 120 Minuten etwa 15 Prozent. Am Ende des Versuchs kochte Primus mit dem Wintergas einen halben Liter Wasser, nach eigener Angabe ohne merklichen Unterschied zu normalen Temperaturen.

Noch älter ist der Test von 2009 in derselben Zeitschrift. MSR Reactor und Primus Eta Express brauchten rund drei Minuten für 800 Milliliter, mit einer fast leeren, auf −18 °C gekühlten Kartusche rund fünf. Ein Jetboil-System kam bei Wind und Eiswasser auf 15 Minuten für einen knappen Liter. Aus den USA kommt eine Feldbeobachtung: CleverHiker berichtet, dass ein Butan-Kocher von Snow Peak an einem Morgen bei 24 °F, nach eigener Umrechnung etwa −4 °C, stark an Leistung verlor.

Zusammengenommen zeigen diese Befunde dieselbe Richtung, ohne eine Zahl für eine Tour herzugeben. Kartuschen liefen nach Kältelagerung an, bei ALPIN wie bei Primus, dort voll; mit der Dauer und dem sinkenden Füllstand fiel die Leistung, bei Primus wie bei OUTDOOR; ein Butan-Kocher verlor schon bei etwa −4 °C stark. OutdoorGearLab beschreibt das bei den Einzelmodellen nur in Worten: Die Jetboil Zip habe bei Kälte und in der Höhe mehr Gas verbraucht, der BRS-3000T bei Wind, Kälte und Höhe einen „much more dramatic drop“ gezeigt und sei mehrfach ausgegangen, der WindBurner habe seine Zeit ungefähr gehalten.

Wind kostet im Winter mehr als Zeit

Wer im Winter kocht, kann dem Wind schlechter ausweichen als im Sommer: Das Zelt scheidet wegen des Kohlenmonoxids aus, und einen Windschutz um die Brennstoffflasche verbietet MSR in der WhisperLite-Anleitung. Wie viel Wind kostet, zeigen mehrere Messungen. ALPIN hat für jeden Kocher einen Liter mit und ohne Wind gemessen, ohne die Windgeschwindigkeit zu nennen. Beim Soto WindMaster stieg der Verbrauch von 13 auf 19 Gramm, beim Primus Essential Trail von 15 auf 22, beim Jetboil MightyMo von 16 auf 30 Gramm, nach eigener Rechnung fast das Doppelte. Das Primus PrimeTech kam mit seinem Wärmetauschertopf von 11 auf 13 Gramm, mit einem normalen Topf von 14 auf 21.

Bergzeit hat in seiner FAQ einen eigenen Versuch beschrieben: ein Liter Wasser von 21 °C in einem 1,5-Liter-Topf mit Deckel, windgeschützt in 4:40 Minuten mit etwa 18 Gramm Gas, bei leichtem Wind von 1 bis 4 Metern pro Sekunde in 6:09 Minuten mit etwa 31 Gramm. Im Text derselben FAQ heißt es, Wind ändere den Gasausstrom nicht, verlängere aber die Siedezeit und erhöhe so den Gasverbrauch; die Messung beziffert das. Das OUTDOOR-Magazin maß 2015 an Systemkochern mit einer Brise von 15 km/h bei fünf Geräten rund ein Viertel mehr Zeit und Gas, beim MSR Reactor kaum eine Wirkung.

Die einzige Herstellerangabe mit Windgeschwindigkeit stammt von Coleman: Der FyreLite Start soll einen Liter bei Windstille in 3:25 Minuten kochen, bei 3 Metern pro Sekunde in 6:15. Für den Winter bedeutet das zweierlei. Wind und Kälte addieren sich bei der Gasmenge, und eine Messung bei Kälte ohne Windangabe sagt wenig über den Morgen am windigen Zeltplatz. Wo beides zusammenkommt, liegen bei ALPIN die Systeme mit Wärmetauscher vorn, während bei Adventure Alan Flash und Stash im Wind nicht kochten; der Topf entscheidet mit, wie das PrimeTech mit und ohne seinen eigenen Topf zeigt.

Was ein Druckregler bei Kälte leistet

Ein Druckregler im Brenner hält die Leistung gleichmäßig, wenn der Druck in der Kartusche nachlässt. So beschreibt ihn der Alpenverein, ausdrücklich auch für fast leere Kartuschen und sehr niedrige Temperaturen. MSR schreibt für den WindBurner, der eingebaute Regler solle eine ähnliche Leistung bringen wie eine kopfüber betriebene Kartusche, und zwar bei Kälte und wenig Brennstoff. Laut Hersteller haben unter anderem die MSR PocketRocket Deluxe, der MSR WindBurner, die Jetboil MiniMo und der Fire-Maple Polaris einen Druckregler; bei der Jetboil Flash und der Stash verneint Jetboil ihn.

Was ein Regler nicht kann, steht ebenfalls bei MSR: Seine Zusage gilt laut MSR bis zu einer Kartuschentemperatur von null Grad. Unterhalb dieser Grenze verweist MSR nicht auf den Regler, sondern auf Wärme von außen, die Schale mit Wasser. Für Touren mit Kartuschentemperaturen deutlich unter null bleibt er deshalb eine Hilfe in der Übergangszone, nicht die Lösung. Für die Zone dazwischen sprechen die beiden Tests oben: Bei Adventure Alan kochten bei Wind von den Gaskochern nur die geregelten, bei ALPIN lag unter den Aufschraubkochern der mit Regler vorn.

Ein Regler ändert auch die Bauart des Geräts nicht. Ein Aufschraubkocher sitzt auf der Kartusche, ihr Schwerpunkt liegt hoch, wie der Alpenverein schreibt. Bei Kochsystemen mit Regler kommt hinzu, dass der Topf zum Brenner gehört: Für den WindBurner passen laut MSR nur die WindBurner-Töpfe. Wer im Winter ohnehin einen großen Topf für Schnee braucht, sollte die Topfgrenzen des Systems vor dem Kauf prüfen.

Die Bauarten haben nach dem Alpenverein je eigene Schwächen, die im Winter nicht verschwinden. Aufschraubkocher sind robust und klein, drohen aber zu kippen; ein Kartuschenstandfuß soll das abfangen. Kocher mit externer Leitung stehen tief und stabil, die Leitung ist ein zusätzliches Bauteil, das beschädigt werden kann, und sie kostet Packmaß und Gewicht. Mit einem Adapter lässt sich ein Aufschraubkocher im Notfall in einen Kocher mit Leitung verwandeln, schreibt der Verein; ob er sich dann auch kopfüber betreiben lässt, sagt er nicht. Für den Wirkungsgrad rät der Alpenverein zu einer ebenen, hitzeresistenten Standfläche, einem Windschutz aus reflektierendem Material und bei Kochern mit Leitung zu einem Hitzereflektor unter dem Brenner.

Kartusche kopfüber: Flüssigentnahme und Vorheizschlaufe

Die zweite Lösung umgeht den Dampfdruck ganz. Steht die Kartusche auf dem Kopf, fließt flüssiges Gas in die Leitung, nicht Dampf. Der Alpenverein beschreibt das für Kocher mit externer Leitung und Vorheizschlaufe: Das Flüssiggas werde an der Flamme vorbeigeführt, erhitze sich dort und werde wieder gasförmig. Der Brenner werde so „gleichmäßig und unabhängig vom Druck“ versorgt. Der Alpenverein knüpft den Tipp ausdrücklich an die Vorheizschlaufe und an das Umdrehen der Kartusche.

Ein Beispiel mit Herstelleranleitung ist der MSR WhisperLite Universal. Er hat neben dem Betrieb mit stehender Kartusche einen „Liquid Feed Mode“, den MSR für sehr kalte Bedingungen und für höhere Leistung vorsieht; ein Ständer für die umgedrehte Kartusche gehört zum Lieferumfang. Beim Ausschalten soll die Kartusche laut Anleitung zuerst wieder aufrecht stehen, bevor das Ventil geschlossen wird. Auch dieser Kocher hat eine Grenze: Mit Kartusche soll er laut Anleitung nicht unter −18 °C betrieben oder gelagert werden.

Bei Kochern ohne diese Bauart kann Umdrehen gefährlich sein. MSR schreibt für den WindBurner ausdrücklich, er sei dafür nicht gebaut; es könne zu „extremely dangerous flare-ups“ und zu flüssigem Brennstoff im Gerät kommen, die Leitung sei absichtlich ohne Drehgelenk konstruiert. Normativ ist das Feld offen: Die Produktnorm für tragbare Flüssiggasgeräte mit Dampfdruck, DIN EN 521, schließt die Entnahme aus der Flüssigphase aus ihrem Anwendungsbereich aus. Für die übrigen Pflichten eines Gasgeräts beim Kauf, etwa Kennzeichnung und deutsche Anleitung, gilt die Kaufberatung mit Prüfliste zur Kennzeichnung.

Kopfüber nur, wenn die Anleitung es vorsieht

Eine Kartusche darf nur an einem Kocher umgedreht werden, dessen Anleitung den Flüssigbetrieb ausdrücklich beschreibt. MSR warnt für den WindBurner vor gefährlichen Stichflammen beim Umdrehen. Ein Windschutz gehört laut MSR-Anleitung nie um die Brennstoffflasche, und Kartuschen dürfen beim Anwärmen nicht in die Nähe offener Flammen.

Die Kartusche warm halten, ohne sie zu überhitzen

Was die Hersteller zum Anwärmen sagen, ist knapp und unterschiedlich konkret. MSR empfiehlt im Support-Artikel zur Lagerung, Kartuschen bei Kälte im Rucksack oder im Schlafsack aufzubewahren, solange sie nicht benutzt werden, aber nie nahe an offenen Flammen. Für den WindBurner nennt MSR eine Schale mit Wasser: Solange die Kartusche darin über dem Gefrierpunkt bleibe, arbeite der Kocher mit voller Leistung. Der Alpenverein rät, die Kartusche vor allem bei kalten Temperaturen anzuwärmen, ohne zu sagen, wie.

Die Obergrenze kommt aus den Sicherheitsangaben. MSR nennt für die Lagerung „below 120°F (49°C)“, das Sicherheitsdatenblatt einer Handelskartusche und das gemeinsame Datenblatt der Primus-Gase verbieten Temperaturen über 50 °C. Eine Angabe, wie warm das Wasser in der Schale sein darf oder wie lange eine Kartusche am Körper liegen soll, findet sich in keiner Quelle. Ebenso fehlt eine Messung, ob eine Unterlage unter der Kartusche auf Schnee etwas ändert. Belegt ist nur, was nicht geht: MSR verbietet einen Windschutz um die Brennstoffflasche und warnt, zu große Töpfe könnten Flasche oder Kartusche überhitzen, und bei flachen Kofferkochern hat die hessische Marktüberwachung über 90 °C an der Kartusche gemessen.

Rucksack und Schlafsack sind die beiden Orte, die MSR für kalte Nächte nennt, und beide kommen ohne Zusatzgerät aus. Wie warm es darin bleibt, hängt am Schlafsack und an der Nacht; wie die Temperaturangaben auf dem Etikett zu lesen sind, erklärt der Ratgeber zur Schlafsack-Temperatur und den Komfortwerten nach Norm. Für den Morgen folgt daraus eine einfache Reihenfolge: den Kocher windgeschützt aufbauen und erst dann die Kartusche aus dem Schlafsack holen.

Höhe, Luftdruck und Siedetemperatur

In der Höhe sinkt der Luftdruck, und damit ändert sich die Rechnung von oben. Das OUTDOOR-Magazin nannte große Höhen schon 2015 als Ausnahme von der Regel, dass bei starkem Frost nichts mehr gehe. Optimus bewirbt sein 4-Season-Gas für Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und große Höhen, Primus sein Wintergas für die kältesten Monate und für Höhen, in denen es kälter ist. Eine Zahl, ab welcher Höhe welche Kartusche wie viel tiefer gehen kann, nennt keiner der Hersteller.

Eine eigene Rechnung aus zwei Quellen gibt die Richtung. Den Luftdruck liefert das Atmosphärenmodell der NASA für die Standardatmosphäre, den Dampfdruck der reinen Gase die NIST-Tabelle in Zehn-Grad-Schritten. Die Tabelle nennt je Höhe die kälteste dieser Stufen, bei der das reine Gas noch über dem Luftdruck liegt, dazu den Siedepunkt von Wasser aus denselben Daten.

Luftdruck, Siedepunkt von Wasser und Überdruck reiner Gase nach Höhe (eigene Rechnung aus NASA und NIST)
HöheLuftdruckWasser siedet bein-Butan noch über Luftdruck beiIsobutan noch über Luftdruck bei
0 m1,014 baretwa 100 °C0 °C−10 °C
1.000 m0,900 baretwa 96,7 °C0 °C−10 °C
2.000 m0,796 baretwa 93,4 °C0 °C−10 °C
3.000 m0,702 baretwa 90,0 °C0 °C−20 °C
4.000 m0,617 baretwa 86,6 °C−10 °C−20 °C
5.000 m0,541 baretwa 83,3 °C−10 °C−20 °C

Auf 3.000 Metern liegt reines Isobutan bei −20 °C mit 0,725 bar knapp über dem Luftdruck von 0,702 bar, reines n-Butan bei −10 °C mit 0,696 bar gerade darunter. Ab etwa 4.000 Metern hätte auch n-Butan bei −10 °C noch einen kleinen Überdruck. Die Tabelle gilt für die Standardatmosphäre; Wetterlagen verschieben den Druck, und die Verdampfungskälte senkt die Kartuschentemperatur unter die der Luft. Sie erklärt, warum eine Kartusche in der Höhe bei gleicher Temperatur mehr Überdruck gegenüber der Umgebung hat als im Tal, nicht, wie eine bestimmte Mischung sich verhält.

Die zweite Spalte betrifft das Wasser. Auf 3.000 Metern siedet es nach derselben Rechnung bei etwa 90 °C. Nach eigener Rechnung aus den NIST-Daten und den Heizwerten der Unfallversicherung sinkt die physikalische Untergrenze für einen Liter von etwa 7,2 Gramm Gas auf Meereshöhe auf etwa 6,5 Gramm auf 2.380 Metern, jeweils ab 20 °C Wassertemperatur. Wie sich der niedrigere Siedepunkt auf Garzeiten auswirkt, beziffert keine der Quellen. Die Testreihe von OutdoorGearLab wurde übrigens auf etwa 2.380 Metern gemessen, die von Adventure Alan auf Meereshöhe; schon deshalb sind ihre Zeiten nicht direkt vergleichbar.

Spiritus bei Frost: Vorwärmer und körperwarmer Brenner

Spiritus hat keinen Kartuschendruck, der zusammenbrechen könnte, aber auch er zündet bei Kälte schlechter. Esbit schreibt in seiner FAQ, Brennspiritus lasse sich bei niedrigen Temperaturen schwerer entzünden, und empfiehlt, den gefüllten Brenner unterwegs körpernah zu tragen, damit er nicht auskühlt. Den Spiritusbrenner AB300BR beschreibt Esbit als auslaufsicher. Trangia sieht im Handbuch von 2021 für Temperaturen unter 0 °C einen Vorwärmer vor: Ein paar Tropfen Brennstoff auf das saugfähige Polster, den Vorwärmer unter den Brenner, dann den Brenner füllen und zünden. Das bringe mehr Wirkung und kürzere Kochzeiten.

Gemessen ist Spiritus in der Kälte nur einmal, im Test von Adventure Alan bei 1,5 °C. Dort brauchte das Spiritussystem TD Caldera windstill 8,3 und bei Wind 10,0 Minuten für einen halben Liter, bei 14,4 und 17,6 Gramm Brennstoff. Es kochte damit unter Bedingungen, unter denen mehrere Gaskocher gar nicht ans Ziel kamen. Die Gaskocher, die es schafften, brauchten weniger als die Hälfte an Brennstoffgewicht. Die Heizwerte zeigen dieselbe Richtung: Ethanol hat laut EU-Richtlinie 27 Megajoule je Kilogramm, Butan und Propan nach der Unfallversicherung rund 46.

Für die Lagerung von Brennspiritus nennt das Sicherheitsdatenblatt eines Herstellers „Vor Hitze und Frost schützen“. Für Gaskartuschen fand sich keine solche Untergrenze. Nachgefüllt wird Spiritus auch im Winter nur in einen erloschenen und abgekühlten Brenner, so steht es im Trangia-Handbuch. Wie sich Spiritus, Esbit und Holz sonst im Gewicht, im Verbrauch und bei Feuerverboten unterscheiden, zeigt der Vergleich von Spirituskocher, Esbit und Hobo-Kocher. Für Trockenbrennstoff bei Kälte gibt es in den ausgewerteten Quellen keine Angabe.

Benzin und Multifuel: wann der Wechsel ansteht

Primus nennt die Grenze, ab der das Unternehmen selbst von Gas abrät: Unter −22 °C empfiehlt der Gasratgeber einen Multifuel-Kocher. Solche Geräte verbrennen flüssigen Brennstoff aus einer Pumpflasche. Der Primus OmniFuel nimmt laut Hersteller Gas, Benzin, Diesel, Kerosin und Flugbenzin, der Optimus Polaris Optifuel Gas nach EN 417, Reinbenzin, bleifreies Benzin, Petroleum, Diesel und Kerosin. Der MSR WhisperLite International läuft mit Reinbenzin, Kerosin und bleifreiem Benzin; die Universal-Version zusätzlich mit Kartusche.

Auch Flüssigbrennstoff hat Grenzen. MSR gibt für den WhisperLite Universal mit Flüssigbrennstoff und der Arctic-Pumpe −40 °C als Untergrenze an, SOTO für seinen Benzinkocher Muka −20 °C, mit Hinweis auf die O-Ringe. MSR warnt in der Anleitung, O-Ringe könnten bei Frost steif werden und Brennstoff verlieren; vor und nach dem Pumpen, beim Vorheizen und beim Zünden sei auf Lecks zu prüfen. Vorgeheizt wird der WhisperLite mit einer kleinen Menge Brennstoff in der Vorheizschale, laut Anleitung etwa zwei Minuten, bis die Flamme kleiner wird.

Der Preis für diese Kältereserve ist Gewicht und Aufwand. Der WhisperLite wiegt laut MSR 318 Gramm, verpackt 423, der PocketRocket 2 mit 73 Gramm weniger als ein Viertel davon. Hinzu kommen Pumpe, Flasche und Wartung: MSR bietet ein jährliches Wartungsset mit O-Ringen und ein Expeditions-Set mit Pumpenteilen an, Optimus und Primus eigene Ersatzteilsets. Mit Normalbenzin maß eine Studie im Zelt höhere CO-Spitzen als mit Reinbenzin; die Einordnung der CO-Studien steht auf der Seite zu Kohlenmonoxid, Brand und Waldbrandrecht.

Für Kocherbenzin nennt das Sicherheitsdatenblatt eines Waschbenzins einen Siedebereich von 103 bis 137 °C und Gefahrenhinweise unter anderem zur Aspiration. Eine eigene Produktnorm für Benzin- und Multifuel-Kocher wurde nicht gefunden, reine Benzinkocher fallen nach der Definition der EU-Gasgeräteverordnung nicht darunter; eine ausdrückliche Behördenaussage dazu fand sich nicht. Bei ALPIN und in den übrigen Kältemessungen kommt kein Benzinkocher vor; die Kältegrenzen oben sind reine Herstellerangaben.

Schneeschmelzen, Zelt und Kohlenmonoxid

Im Winter liegt die Versuchung nahe, im Vorzelt oder bei geschlossener Apsis zu kochen. Eine der wenigen Messungen mit Eis in einem fast geschlossenen Raum stammt von Leigh-Smith und Kollegen aus dem Jahr 2004. In einer teilweise belüfteten 200-Liter-Box bei −6 °C stieg das Kohlenmonoxid beim Erhitzen von Eis und von Wasser auf ein Plateau von etwa 400 ppm, ohne signifikanten Unterschied zwischen beiden. Eine gelbe Flamme trat nur beim Eis auf und brachte höhere Werte. Gemessen wurde mit einem Coleman-Kocher, nicht mit einem Kartuschen-Gaskocher.

Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC nennt in einer Warnung von 2014 die Höhenlage als Faktor, der das CO-Risiko erhöht. Die Hersteller widersprechen sich beim Innenraum: MSR schließt Zelt, Camper, Auto und Wohnung aus, Esbit Zelte und enge Räume, Trangia beschreibt dagegen das Kochen in der Wohnung bei gekipptem Fenster. Was das für Zelt und Vorzelt heißt, welche Studien es gibt und warum keine davon Kartuschenkocher gemessen hat, ordnet die Sicherheitsseite ein. Für diese Seite bleibt die Folge: Ein Kälteproblem am Kocher wird nicht dadurch gelöst, dass der Kocher in den geschlossenen Raum wandert.

Wie viel zusätzliches Gas das Schmelzen von Schnee kostet, beziffert keine der ausgewerteten Quellen. MSR nennt Schneeschmelzen nur als einen von mehreren Gründen, mehr Brennstoff einzuplanen, neben Temperatur, Wind, Überkochen und Höhe. Für die Planung bleibt deshalb nur die allgemeine Spanne der Verbrauchsseite und ein Sicherheitszuschlag, dessen Höhe sich aus den Quellen nicht ableiten lässt.

Gasflasche und Wohnmobil im Winter

Für das Wohnmobil ist die Frage eine andere, weil dort Gasflaschen hängen. Der ADAC Berlin-Brandenburg rät in seinen Tipps zum Wintercamping, nur Wintergas zu verwenden, und schreibt, es bleibe „auch bei Minustemperaturen gasförmig“. Genau genommen ist Flüssiggas im Behälter flüssig, wie Primus für Kartuschen beschreibt, und verdampft bei Kälte schlechter; die Formulierung des ADAC ist unscharf. Als Richtwert nennt der ADAC, 11 Kilogramm reichten etwa zwei bis drei Tage, abhängig von Außentemperatur und Nutzung; gemeint ist der Betrieb mit Gasheizung.

Ob ein Campingkocher an der Gasanlage des Fahrzeugs hängen darf, mit welchem Druck und welchem Regler, ist eine Anschlussfrage, keine Kältefrage. Sie gehört auf die Seite zum Campingkocher im Wohnmobil mit 30 und 50 mbar. Für zweiflammige Kocher und Kartuschen-Tischkocher auf dem Campingplatz gilt die Kartuschenlogik dieser Seite: Die Bajonettkartusche CP 250 trägt laut Campingaz den Hinweis „moderate Außentemperaturen“, die Stechkartusche C 206 GLS „auch bei kühleren Temperaturen“, beide ohne Zahl. Welche Tischkocher es gibt, zeigt der Vergleich zweiflammiger Kocher und Kartuschen-Tischkocher.

Sieben Wintersituationen und die Antwort aus den Quellen

Tagestour mit Tee an der Rast

Wer im Winter einen Liter Wasser für Tee oder eine Fertigmahlzeit kocht, braucht den Kocher wenige Minuten. In dieser Situation reicht nach den Befunden eine volle Kartusche mit Isobutan und Propan, die bis zur Rast am Körper oder im Rucksackinneren lag, auf einem windgeschützten Kocher, besser mit Regler. Der Primus-Vergleich zeigt bei vollen Kartuschen anfangs kaum Unterschiede zwischen Winter- und Standardgas.

Zeltnacht im Mittelgebirge um den Gefrierpunkt

Um null Grad liegt reines n-Butan an der Druckgrenze, eine Isobutan-Propan-Mischung noch nicht. Hier entscheidet die Kartusche mehr als der Kocher. Butanlastige Kartuschen wie die Campingaz CV 300 Plus mit 80 Prozent Butan scheiden für diese Nacht eher aus, wenn morgens gekocht werden soll; die Kartusche gehört nachts in den Schlafsack.

Mehrtägige Wintertour mit Schneeschmelzen

Lange Brennzeiten, sinkende Füllstände und Kartuschentemperaturen unter null treffen hier zusammen. Nach Primus wächst der Abstand zwischen den Gasen genau in dieser Lage, nach MSR reicht die Reglerzusage des WindBurner bis null Grad Kartuschentemperatur. Antwort aus den Quellen: ein Kocher mit Leitung, Vorheizschlaufe und zugelassenem Flüssigbetrieb oder ein Multifuel-Kocher.

Ein Kocher für minus zehn bis plus zehn Grad

So lautet ein Forenwunsch von 2021. Nach NIST hat reines Isobutan bei −10 °C noch 1,08 bar, liegt also knapp über dem Luftdruck auf Meereshöhe. Eine Kartusche mit Isobutan und Propan, ein Kocher mit Druckregler und ein warmer Aufbewahrungsort decken diese Spanne nach den Befunden ab; jetboil.de nennt für die MiniMo „bis −6 °C“, MSR für den WindBurner null Grad an der Kartusche. Ein Benzinkocher ist für diese Spanne nach den Herstellergrenzen nicht nötig.

Wintercamping auf dem Platz mit Tischkocher

Kartuschen-Tischkocher wie der Camp'Bistro 3 laufen mit der Bajonettkartusche CP 250, für die Campingaz keine Gradzahl nennt. CleverHiker beschreibt den starken Leistungsabfall eines Butan-Kochers bei etwa −4 °C, und OutdoorGearLab maß bei einem Kartuschen-Tischkocher vom Typ MS schon bei leichtem Wind 14 statt gut 5 Minuten für einen Liter. Wer im Winter auf dem Platz kocht, stellt den Kocher deshalb windgeschützt und hält die Kartusche bis zum Kochen im Warmen. Das Auto nennt MSR wegen möglicher Hitzespitzen ausdrücklich nicht als Lagerort.

Hochtour über 3.000 Metern

Der niedrigere Luftdruck arbeitet für die Kartusche, die Kälte gegen sie. Nach der eigenen Rechnung oben gewinnt Isobutan auf 3.000 Metern etwa eine Zehn-Grad-Stufe. Für Expeditionen jenseits der Gasgrenzen nennt Primus Multifuel-Kocher, MSR für den WhisperLite mit Arctic-Pumpe −40 °C.

Stromausfall im Winter, Kochen auf dem Balkon

Auch auf dem Balkon gilt die Kartuschenphysik aus der NIST-Grafik, nur mit dem Unterschied, dass die Kartusche in der Wohnung warm gelagert werden kann. Was Behörden zum Kochen ohne Strom sagen, wo die Hersteller sich widersprechen und wie man Kartuschen zu Hause lagert, steht auf der Seite zum Campingkocher bei Stromausfall und in der Krisenvorsorge.

Die Frage, an der die Wahl kippt: Brenndauer und Füllstand

Aus allen Befunden lässt sich eine einzige Frage ableiten, bei der die Empfehlung umschlägt: Wie lange läuft der Kocher am Stück, und mit welchem Füllstand, wenn die Kartusche unter null Grad hat? Kurze Kochvorgänge liefen in den Tests an, bei ALPIN auch nach Lagerung bei −18 °C mit Leistungsverlust, bei Primus und OUTDOOR mit vollen Kartuschen. Mit fast leerer Kartusche in der Kälte fielen die Leistungen in den Tests deutlich ab, bis zum Ausfall einer Allround-Kartusche im OUTDOOR-Labor.

Die Temperatur der Luft ist dabei die schlechtere Leitgröße, weil sie nichts über die Kartusche sagt. Wer die Frage nach Brenndauer und Füllstand mit „kurz und voll“ beantwortet, braucht keinen Spezialkocher, sondern die passende Kartusche und einen warmen Aufbewahrungsort. Wer „lang und angebrochen“ antwortet, ist bei der Flüssigentnahme oder beim Benzin. Die Antwort „lang, aber immer eine frische Kartusche“ ist ein Zwischenweg, kostet aber mehr Dosen und damit Gewicht.

Woran ein Kocher für den Winter ausscheidet

  • Die Kartusche enthält überwiegend n-Butan oder nennt keine Mischung. Für Touren mit Frost ist sie ungeeignet, wenn nicht vorher gewärmt werden kann; reines Butan steht nach NIST um 0 °C an der Grenze.
  • Der Kocher hat keinen Druckregler und soll bei Wind arbeiten. In der Messung bei 1,5 °C und leichtem Wind kamen Flash und Stash, für die Jetboil keinen Regler angibt, nicht zum Sieden.
  • Die Anleitung sieht keinen Flüssigbetrieb vor, geplant ist aber, die Kartusche umzudrehen. Dann scheidet das Gerät für diesen Zweck aus, beim WindBurner verbietet MSR es ausdrücklich.
  • Die erwartete Temperatur liegt unter der Herstellergrenze, etwa unter −18 °C für den WhisperLite Universal mit Kartusche oder unter −22 °C, ab denen Primus selbst Multifuel empfiehlt.
  • Ein Spirituskocher soll unter null schnell kochen. Trangia sieht dafür unter 0 °C einen Vorwärmer vor, Esbit einen körpernah getragenen Brenner, und schon bei Plusgraden nennt Trangia rund zehn Minuten je Liter.

Eine Absage an das ganze Gerät ist dagegen oft unnötig. Wer nur bei Plusgraden auf dem Platz kocht, braucht kein Wintergas; Primus selbst empfiehlt Summer Gas für 15 bis 40 °C und hält Power Gas auch unter null für ausreichend. Einen neuen Kocher erübrigt manchmal schon die Kartusche: Für kurze Winterkochzeiten kann ein vorhandener Aufschraubkocher mit Isobutan-Gas aus dem Schlafsack genügen; bei ALPIN lief jeder Kocher nach der Kältelagerung an. Ein gesonderter Winterkocher lohnt sich erst für lange Brennzeiten und Temperaturen, bei denen die Kartusche selbst unter null fällt.

Wenn der Kocher in der Kälte schwächelt oder nicht zündet

Die Fehlersuche der MSR-Anleitung nennt für eine schwache Flamme im Kartuschenbetrieb drei Ursachen: kalte Kartusche, Wind und leere Kartusche. Ob die Kartusche leer ist, lässt sich laut MSR prüfen, indem man sie nach dem Abschrauben sanft schüttelt; ist ein Plätschern zu hören, ist noch Brennstoff drin. Eine kalte, nicht leere Kartusche braucht Wärme, nicht einen neuen Kocher. Die Reihenfolge lautet also: Wind abschirmen, Kartusche tauschen oder wärmen, erst dann am Gerät suchen.

Bei Frost kommt die Dichtung hinzu. MSR schreibt, dass O-Ringe in der Kälte steif werden und Brennstoff verlieren können, und verlangt eine Leckprüfung vor und nach dem Zünden. Trangia beschreibt in seiner FAQ ein kurzes Zischen beim Anschließen der Kartusche als normal; was bei Frost darüber hinausgeht, ist nach MSR ein Anlass für die Leckprüfung. Für Piezozünder in der Kälte nennt keine der Quellen eine eigene Grenze; der Alpenverein empfiehlt allgemein ein Feuerzeug im Gepäck, weil Piezozünder anfällig für Verschleiß seien.

Lagern bei Frost und Pflege nach der Wintertour

Für Gaskartuschen nennen die ausgewerteten Hersteller nur eine Obergrenze, keine Untergrenze. MSR hält eine Garage oder einen Ausrüstungsschrank für geeignet, solange es dort kühl und belüftet bleibt, und warnt vor Dachböden, Autos und Heizungsnähe. Der Suchvorschlag „gaskartusche bei minusgraden lagern“ findet also in den Quellen keine Frostgrenze für die volle Kartusche. Anders beim Kocher: Den WhisperLite Universal soll man im Kartuschenbetrieb laut MSR nicht unter −18 °C lagern. Für Brennspiritus verlangt das Sicherheitsdatenblatt Schutz vor Frost.

Nach der Tour zählen Dichtungen und Leitungen. MSR rät, O-Ringe vor jeder Tour zu prüfen und alle O-Ringe einmal im Jahr zu tauschen, unabhängig vom Aussehen; die Teile sind im jährlichen Wartungsset enthalten. SOTO verweist beim Benzinkocher ebenfalls auf die O-Ringe. Weil angebrochene Kartuschen in den Kältemessungen schwächer liefen, gehört für die nächste Wintertour eine volle Dose ins Gepäck. Wie sich der Reststand durch Wiegen bestimmen lässt, steht auf der Verbrauchsseite.

Was Hersteller und Tests für den Winter schuldig bleiben

Den einen Wert, den Wintercamper am dringendsten bräuchten, liefert der Markt nicht: eine Grenze je Kartusche, bei der unter festgelegten Bedingungen gemessen wurde, wie stark die Leistung fällt. Primus nennt −22 °C und einen eigenen Kühlraumtest, Campingaz eine theoretische Rechnung, Coleman zwei Zahlen für dieselbe Mischung, die meisten anderen gar keine. Ein unabhängiger Test, der aktuelle Kocher bei definierter Minustemperatur mit Siedezeit und Verbrauch misst, existiert in den ausgewerteten Quellen nicht; ALPIN berichtet nur in Worten.

Ebenso fehlt eine Kartusche für Aufschraubkocher mit mehr als 30 Prozent Propan, und der Grund dafür ist laut MSR das Gewicht der Dose, die den Druck aushalten müsste. Für Kochsysteme mit Regler gibt nur MSR eine Kartuschentemperatur an. Eine Kombination aus Wärmetauscher-Topf, Regler und zugelassenem Flüssigbetrieb nennt im ausgewerteten Feld kein Hersteller: Der WindBurner hat Regler und System, darf aber nicht umgedreht werden, der WhisperLite darf es, ist aber kein System. Wer beides will, kombiniert zwei Geräte oder nimmt Flüssigbrennstoff.

Auf eine Prüfung durch Verbraucherorganisationen zu warten, bringt für diesen Winter nichts. Die Stiftung Warentest antwortete Ende Dezember 2025 auf einen Leserwunsch, Gas-Campingkocher seien als Testthema registriert, einen Termin nannte sie nicht. Bei Öko-Test, ADAC und der österreichischen und schweizerischen Verbraucherpresse fand die Recherche zu diesem Cluster keinen Campingkocher-Test. Bis dahin bleiben die Fachmagazine und die Herstellerangaben die einzige Grundlage, mit allen Lücken, die diese Seite nennt.

Offene Punkte dieser Seite

  • Der Dampfdruck der handelsüblichen Mischungen, etwa 80 Prozent Isobutan und 20 Prozent Propan, bei Minustemperaturen; NIST liefert nur reine Gase.
  • Wie stark und wie schnell eine Kartusche beim Kochen abkühlt, je Größe und Gasfluss.
  • Siedezeiten und Verbrauch aktueller Kocher bei festgelegter Minustemperatur; ALPIN nennt nach der Kältelagerung nur Worturteile.
  • Herstellerangaben zur Zusammensetzung von Jetboil Jetpower und zu den Kältegrenzen der meisten Aufschraubkocher.
  • Eine Begründung, warum Coleman für dieselbe Mischung einmal −15 und einmal −27 °C nennt.
  • Ob Primus Winter Gas 2015 eine andere Mischung hatte als heute.
  • Eine sichere Wassertemperatur oder Dauer für das Anwärmen einer Kartusche, und ob eine Unterlage auf Schnee hilft.
  • Der Mehrbedarf an Gas beim Schmelzen von Schnee gegenüber flüssigem Wasser.
  • Eine Frostgrenze für die Lagerung voller Gaskartuschen.
  • Kältemessungen an Esbit-Trockenbrennstoff und an Benzinkochern.
  • CO-Messungen beim Kochen mit Kartuschenkochern im Winterzelt oder Vorzelt.

Quellen zu Dampfdruck, Kartuschen und Kältetests

Alle Quellen wurden am 14.10.2026 abgerufen. Referenzdaten stammen vom US-Institut NIST und von der NASA, Regelwerk und Normangaben von der Unfallversicherung und DIN Media, Testergebnisse aus Fachmagazinen und von unabhängigen Testern, Grenzen und Mischungen von den Seiten der Hersteller. Herstellerangaben sind als solche gekennzeichnet. Umrechnungen von Fahrenheit in Celsius und von Kilopascal in bar sind eigene Rechnungen. Die Seite entsteht ohne Eigentest und nennt keine Preise.

FAQ

Häufige Fragen

Welche Gaskartusche eignet sich für kalte Temperaturen?

Kartuschen mit Isobutan und Propan statt n-Butan; reines n-Butan hat nach NIST-Daten um 0 °C kaum noch Überdruck, Isobutan erst unter etwa −12 °C nicht mehr. Primus nennt für Winter Gas „down to -22 °C“, Campingaz für die CV 470 All Season −18 °C als theoretische Berechnung bei voller Kartusche. Beides sind Herstellerangaben ohne beschriebene unabhängige Prüfung.

Butan oder Propan bei Kälte?

Propan siedet nach NIST bei −42 °C und hat bei −20 °C noch 2,45 bar, n-Butan siedet schon bei −0,5 °C. Kartuschen für Aufschraubkocher enthalten nach den ausgewerteten Herstellerangaben aber höchstens 30 Prozent Propan, weil reines Propan laut MSR eine deutlich schwerere Dose bräuchte. Im Winter zählt deshalb vor allem, dass die Kartusche Isobutan statt n-Butan enthält.

Warum lässt der Gaskocher bei Kälte nach, obwohl noch Gas in der Kartusche ist?

Kälte senkt den Dampfdruck in der Kartusche, und das Verdampfen kühlt sie beim Kochen zusätzlich ab; Primus schreibt, der Kocher brenne dann schwächer oder gar nicht, obwohl noch Gas darin sei. Mit sinkendem Füllstand wird der Effekt stärker: Im OUTDOOR-Labor brannte eine fast leere, auf −18 °C gekühlte Allround-Kartusche nicht mehr. Hilfe bringen nach den Herstellern eine warm gelagerte Kartusche, ein Druckregler oder ein Kocher mit zugelassener Flüssigentnahme.

Funktioniert ein Spirituskocher im Winter?

Ja, aber er zündet schwerer: Esbit rät, den gefüllten Brenner bei Kälte körpernah zu tragen, Trangia sieht unter 0 °C einen Vorwärmer vor. In einer Messung von Adventure Alan bei 1,5 °C und leichtem Wind brachte ein Spirituskocher einen halben Liter in zehn Minuten zum Sieden, während mehrere Gaskocher es nicht schafften. Er brauchte dafür aber mehr als doppelt so viel Brennstoffgewicht wie die Gaskocher, die kochten.