Rudergerät Kalorienverbrauch: die Zahlen und ihre Herkunft
Kalorienverbrauch beim Rudern: MET-Werte nach Wattband, warum das Display mit 79,5 kg rechnet und wie sich die Anzeige mit der Herstellerformel korrigieren lässt.
Eine 70 Kilogramm schwere Person verbrennt beim Rudern mit 100 bis 149 Watt rund 525 Kalorien pro Stunde — abgeleitet aus dem MET-Wert 7,5 des Compendium of Physical Activities. Bei unter 100 Watt sind es etwa 350, ab 200 Watt rund 980. Und die Zahl auf dem Display Ihres Geräts weicht davon systematisch ab: Concept2 rechnet mit einem 79,5 Kilogramm schweren Menschen, unabhängig davon, wer auf dem Sitz sitzt. Diese Seite erklärt beide Zahlen und woher sie kommen.
Die Tabelle, um die es geht
Das Compendium of Physical Activities ordnet körperlichen Tätigkeiten einen MET-Wert zu — das Vielfache des Ruheumsatzes. Für Rudern am Ergometer unterscheidet es nach Leistung in Watt:
| Leistung | MET | 60 kg | 80 kg | 100 kg |
|---|---|---|---|---|
| unter 100 Watt (moderat) | 5,0 | 300 kcal/h | 400 kcal/h | 500 kcal/h |
| 100–149 Watt (anstrengend) | 7,5 | 450 kcal/h | 600 kcal/h | 750 kcal/h |
| 150–199 Watt (anstrengend) | 11,0 | 660 kcal/h | 880 kcal/h | 1.100 kcal/h |
| ab 200 Watt (sehr anstrengend) | 14,0 | 840 kcal/h | 1.120 kcal/h | 1.400 kcal/h |
Gerechnet ist mit der üblichen Näherung: ein MET entspricht ungefähr einer Kilokalorie je Kilogramm Körpergewicht und Stunde. 7,5 MET bei 70 Kilogramm ergeben also 7,5 × 70 = 525 Kilokalorien pro Stunde.
Das Compendium führt daneben einen fünften Eintrag ohne Wattangabe: Rudern am stationären Ergometer, allgemein, anstrengend, mit 7,3 MET. Dieser Sammelwert liegt fast genau auf dem zweiten Band — er ist der Wert, den Rechner im Netz meist stillschweigend verwenden, wenn man keine Leistung angibt. Wer deutlich härter oder lockerer rudert als der Durchschnitt, bekommt von diesen Rechnern deshalb systematisch die falsche Zahl.
Diese Zahlen enthalten den Ruheumsatz
Ein MET ist der Energieumsatz in Ruhe. Wer eine Stunde ruhig sitzt, verbraucht per Definition 1 MET, also rund 70 Kilokalorien bei 70 Kilogramm. Von den 525 Kilokalorien einer Ruderstunde sind demnach etwa 70 ohnehin angefallen — der zusätzliche Verbrauch liegt bei rund 455. Für die Frage „habe ich heute mehr verbraucht" ist das ein Unterschied von gut 13 Prozent, und er ist der häufigste Grund, warum Rechnungen zum Abnehmen nicht aufgehen.
Warum das Display etwas anderes zeigt
Der Monitor Ihres Rudergeräts kennt Ihr Körpergewicht nicht. Er misst, welche Leistung Sie in das Schwungrad einbringen, und rechnet daraus einen Energiebedarf — für einen angenommenen Standardmenschen.
Concept2, der Hersteller der im Sport verbreitetsten Ergometer, schreibt das offen: Um den Kalorienverbrauch pro Stunde zu bestimmen, nutzen die Performance Monitors „a formula based on a 175 pound/79.5 kg individual". Wer leichter ist, bekommt zu viel angezeigt; wer schwerer ist, zu wenig.
Der Hersteller liefert die Korrektur gleich mit. Sie lautet:
Tatsächliche kcal/h = Anzeige − 300 + (1,714 × Gewicht in Pfund)
Eingesetzt für gängige Körpergewichte ergibt das folgende Abweichung gegenüber der Displayanzeige:
| Körpergewicht | Abweichung zur Anzeige | Bei 45 Minuten Training |
|---|---|---|
| 50 kg | −111 kcal/h | rund 83 kcal weniger als angezeigt |
| 60 kg | −73 kcal/h | rund 55 kcal weniger |
| 70 kg | −36 kcal/h | rund 27 kcal weniger |
| 79,5 kg | ±0 | Anzeige stimmt |
| 90 kg | +40 kcal/h | rund 30 kcal mehr |
| 100 kg | +78 kcal/h | rund 58 kcal mehr |
| 110 kg | +116 kcal/h | rund 87 kcal mehr |
Bei 79,5 Kilogramm geht die Rechnung exakt auf — das bestätigt, dass die Formel genau diesen Bezugspunkt beschreibt. Für die Praxis heißt das: Eine 60 Kilogramm schwere Person, die täglich 45 Minuten rudert, bekommt über einen Monat rund 1.650 Kilokalorien zu viel angezeigt. Das entspricht etwa einem halben Tag Nahrungsaufnahme.
Bemerkenswert an der Formel ist, dass sie nicht mit einem Faktor arbeitet, sondern mit einem festen Betrag pro Stunde. Die Abweichung hängt also nur vom Körpergewicht ab, nicht davon, wie hart trainiert wird. Wer 20 Minuten bei niedriger Leistung rudert, hat denselben Fehler pro Stunde wie jemand im Intervalltraining — nur über eine kürzere Zeit.
Und ein Detail, das die Größenordnung einordnet: Der Fehler ist bei leichten Menschen relativ am größten. Bei 50 Kilogramm und einer Anzeige von 500 Kilokalorien pro Stunde liegt die Korrektur bei 111 Kilokalorien — mehr als ein Fünftel des angezeigten Werts.
Zwei Kalorienwerte auf demselben Monitor
Concept2 weist ausdrücklich darauf hin, für die Korrektur den Durchschnittswert aus der Trainingszusammenfassung zu verwenden — nicht den Wert, der während des letzten Zugs angezeigt wird. Der Momentanwert schwankt mit jedem Schlag und ist als Rechengrundlage unbrauchbar. Wer die Formel auf die falsche Zahl anwendet, macht die Abweichung größer statt kleiner.
Warum Watt die ehrlichere Größe ist
Kalorien sind eine abgeleitete Zahl mit mehreren Annahmen dazwischen: Wirkungsgrad des Körpers, Körpergewicht, Ruheumsatz. Watt ist eine Messung. Das Schwungrad nimmt eine bestimmte Leistung auf, und die lässt sich physikalisch bestimmen.
Deshalb ist Watt die Größe, in der sich Trainingseinheiten wirklich vergleichen lassen — über Geräte, über Personen und über Monate hinweg. Wer seinen Fortschritt messen will, verfolgt die durchschnittliche Leistung über eine feste Distanz, nicht die Kalorienanzeige.
Der Zusammenhang zur Zugarbeit steht im Technik-Leitfaden: Leistung entsteht aus Kraft pro Zug mal Schlagfrequenz. Wer die Schlagzahl erhöht, ohne die Kraft zu halten, ruht sich rechnerisch aus.
Ohne Wattanzeige: die 500-Meter-Zeit umrechnen
Viele Geräte im Heimbereich zeigen keine Leistung an, fast alle aber die durchschnittliche Zeit für 500 Meter — den sogenannten Split. Zwischen beiden Größen besteht ein fester Zusammenhang, den Concept2 veröffentlicht:
Watt = 2,80 / Pace³, wobei Pace die Zeit in Sekunden geteilt durch die Distanz in Metern ist.
Der Hersteller rechnet das Beispiel selbst vor: Ein Split von 2:05 pro 500 Meter sind 125 Sekunden auf 500 Meter, also eine Pace von 0,25. Eingesetzt ergibt 2,80 geteilt durch 0,25 hoch drei den Wert 179,2 Watt.
Umgerechnet auf die Bänder des Compendium ergibt das folgende Zuordnung:
| Split je 500 m | Leistung | Band | MET |
|---|---|---|---|
| 3:00 | rund 60 W | unter 100 W | 5,0 |
| 2:30 | rund 104 W | 100–149 W | 7,5 |
| 2:20 | rund 128 W | 100–149 W | 7,5 |
| 2:10 | rund 159 W | 150–199 W | 11,0 |
| 2:00 | rund 203 W | ab 200 W | 14,0 |
| 1:50 | rund 263 W | ab 200 W | 14,0 |
An dieser Tabelle wird sichtbar, was die dritte Potenz bedeutet: Von 2:30 auf 2:00 verkürzt sich die Zeit um ein Fünftel — die Leistung verdoppelt sich fast. Zehn Sekunden schneller sind im unteren Bereich ein kleiner Schritt und im oberen ein sehr großer.
Zwei Einschränkungen: Die Formel ist von Concept2 für die eigenen Geräte veröffentlicht. Andere Hersteller rechnen Distanzen teils anders um, sodass derselbe Split nicht dieselbe Leistung bedeuten muss. Und der Split schwankt innerhalb einer Einheit stark — für die Umrechnung zählt der Durchschnitt, nicht der beste Abschnitt.
Die Bänder in Trainingssprache übersetzt
Die Wattbänder des Compendium klingen abstrakt. In der Praxis lassen sie sich an der Atmung festmachen.
Unter 100 Watt ist das Tempo, bei dem ein Gespräch in ganzen Sätzen möglich bleibt. Das Compendium führt es als moderate Belastung mit 5,0 MET. Für lange Einheiten und für den Einstieg ist das der richtige Bereich.
100 bis 149 Watt gilt bereits als anstrengend (7,5 MET). Sprechen geht noch, aber in kurzen Sätzen. In diesem Band liegen die meisten Heimtrainings von Freizeitsportlern.
150 bis 199 Watt steht mit 11,0 MET deutlich höher. Der Sprung von 7,5 auf 11,0 ist der größte in der Tabelle — hier trennt sich regelmäßiges Training von gelegentlichem.
Ab 200 Watt führt das Compendium 14,0 MET als sehr anstrengend. Dieses Band ist für die allermeisten Freizeitsportler kein Dauerbereich, sondern Intervallsache.
Vom Wattwert zur eigenen Zahl — in vier Schritten
Wer die Tabelle auf sich selbst anwenden will, braucht keinen Rechner im Netz. Vier Schritte reichen, und jeder davon lässt sich nachvollziehen.
- Durchschnittsleistung ablesen. Nicht den Momentanwert, sondern den Schnitt über die Einheit. Auf Geräten ohne Wattanzeige hilft die 500-Meter-Zeit: Sie steht in festem Zusammenhang zur Leistung, weil beide dieselbe Arbeit beschreiben.
- Band zuordnen. Unter 100, 100–149, 150–199 oder ab 200 Watt.
- MET mal Körpergewicht rechnen. Das ergibt den Bruttoverbrauch in Kilokalorien pro Stunde.
- Ruheumsatz abziehen und auf die Dauer umrechnen. Ein MET mal Körpergewicht ist der Anteil, der ohnehin angefallen wäre. Der Rest, multipliziert mit der Trainingsdauer in Stunden, ist die Zahl, die zählt.
Ein Rechenbeispiel: 80 Kilogramm, 40 Minuten bei durchschnittlich 130 Watt. Das ist Band zwei mit 7,5 MET, also 600 Kilokalorien pro Stunde brutto. Abzüglich Ruheumsatz von 80 bleiben 520 netto pro Stunde. Auf 40 Minuten sind das rund 347 Kilokalorien zusätzlich verbrauchte Energie.
Wer stattdessen der Displayanzeige folgt und 80 Kilogramm wiegt, liegt bei dieser Einheit übrigens nur wenige Kilokalorien daneben — die Anzeige ist für Menschen um 79,5 Kilogramm gebaut. Genau deshalb fällt der Fehler den meisten nie auf.
Warum zwei Geräte verschiedene Zahlen anzeigen
Wer dieselbe Einheit auf zwei Rudergeräten fährt, bekommt regelmäßig unterschiedliche Kalorienwerte. Das hat drei Gründe, und keiner davon ist ein Defekt.
Unterschiedliche Bezugsgewichte. Jeder Hersteller legt einen Standardmenschen zugrunde. Concept2 nennt seinen offen mit 79,5 Kilogramm. Andere Anbieter nennen ihren gar nicht — was bedeutet, dass die Anzeige nicht überprüfbar ist. Wo keine Rechengrundlage veröffentlicht ist, lässt sich der Wert weder korrigieren noch mit einem anderen Gerät vergleichen.
Unterschiedliche Leistungsmessung. Ein Luftwiderstandsgerät misst die Beschleunigung des Schwungrads und leitet daraus die eingebrachte Leistung ab. Ein einfaches Magnetgerät hat oft gar keine Leistungsmessung, sondern rechnet aus Stufe und Schlagfrequenz einen Schätzwert. Das ist keine Messung, sondern eine Annahme über die Bauart des Geräts.
Unterschiedliche Wirkungsgrad-Annahmen. Der Mensch setzt nur einen Teil der aufgewendeten Energie in mechanische Arbeit um; der Rest wird Wärme. Welcher Wirkungsgrad in die Umrechnung eingeht, bestimmt der Hersteller. Schon kleine Unterschiede in dieser Annahme verschieben die Anzeige spürbar.
Praktisch folgt daraus eine einfache Regel: Kalorienwerte verschiedener Geräte lassen sich nicht vergleichen. Wattwerte grundsätzlich schon, sofern beide Geräte tatsächlich messen statt zu schätzen.
Uhren und Apps rechnen wieder anders
Eine Pulsuhr kennt Ihr Körpergewicht — das ist der Vorteil gegenüber dem Gerätedisplay. Sie kennt aber nicht die eingebrachte Leistung, sondern schließt aus der Herzfrequenz auf den Energieumsatz. Dieser Umweg bringt eigene Fehlerquellen mit.
Beim Rudern kommt eine Besonderheit hinzu: Die Bewegung belastet große Muskelgruppen gleichzeitig, und die Herzfrequenz steigt bei gleicher Leistung anders als beim Laufen. Modelle, die auf Laufdaten kalibriert sind, überschätzen den Verbrauch beim Rudern deshalb tendenziell.
Wer beide Zahlen nebeneinander hat — Display und Uhr — sollte sich für eine entscheiden und dabei bleiben. Der absolute Wert ist ohnehin unsicher; der Verlauf über Wochen ist die brauchbare Information, und der ist nur innerhalb derselben Messmethode aussagekräftig.
Eine Ausnahme gibt es: Uhren, die eine gemessene Leistung vom Gerät übernehmen, statt sie aus dem Puls zu schätzen. Übertragen Rudergerät und Uhr die Wattwerte, rechnet die Uhr mit derselben Grundlage wie die Tabelle oben — nur eben mit dem richtigen Körpergewicht. Das ist die genaueste im Alltag verfügbare Variante, und sie setzt voraus, dass das Gerät überhaupt misst.
Der Dämpfer ist kein Widerstandsregler
Ein hartnäckiges Missverständnis betrifft den Hebel am Windrad von Luftwiderstandsgeräten. Er wird regelmäßig für einen Widerstandsregler gehalten, nach dem Motto: höhere Stufe, mehr Kalorien.
Tatsächlich verändert er, wie viel Luft in das Gehäuse strömt, und damit das Gefühl des Zugs — vergleichbar mit der Übersetzung am Fahrrad. Die Leistung entsteht dadurch nicht von allein. Wer die Stufe hochdreht und langsamer zieht, bringt womöglich weniger Watt auf als vorher, und der Verbrauch sinkt trotz härterem Anfühlen.
Für die Kalorienfrage heißt das: Die Dämpfereinstellung taucht in keiner der Rechnungen dieser Seite auf, und das ist korrekt so. Was zählt, ist die Leistung. Mehr zur richtigen Einstellung steht im Technik-Leitfaden, die Unterschiede zwischen den Bremsarten im Widerstandsvergleich.
Was die Zahlen nicht leisten
Drei Einschränkungen gehören zu jeder Kalorienangabe, und sie werden in Ratgebern selten genannt.
MET-Werte sind Durchschnitte. Sie stammen aus Messungen an Gruppen und beschreiben keinen einzelnen Menschen. Trainingszustand, Technik und Wirkungsgrad verschieben den tatsächlichen Verbrauch individuell.
Die Näherung „1 MET = 1 kcal/kg/h" ist eine Näherung. Sie funktioniert für die meisten Erwachsenen gut genug, überschätzt den Verbrauch aber tendenziell bei Menschen mit hohem Körperfettanteil, weil Fettgewebe in Ruhe weniger Energie umsetzt als Muskulatur.
Der Nachbrenneffekt ist real, aber klein. Nach intensiven Einheiten bleibt der Umsatz erhöht. Die Größenordnung liegt im niedrigen zweistelligen Kalorienbereich und rechtfertigt keine Aufschläge auf die Tabellenwerte.
Und die Wattmessung selbst hat Toleranzen. Selbst Geräte mit echter Leistungsmessung sind nicht auf das Watt genau kalibriert. Für den Vergleich der eigenen Einheiten untereinander spielt das keine Rolle, weil der Fehler konstant bleibt. Für den Vergleich zwischen zwei Geräten schon.
Was 30, 20 und 15 Minuten konkret bringen
Die meistgestellten Fragen zu diesem Thema nennen eine Dauer, keine Leistung. Deshalb hier die Umrechnung für ein realistisches Mittelmaß — 100 bis 149 Watt, also 7,5 MET, brutto gerechnet.
| Dauer | 60 kg | 70 kg | 80 kg | 90 kg |
|---|---|---|---|---|
| 15 Minuten | 113 kcal | 131 kcal | 150 kcal | 169 kcal |
| 20 Minuten | 150 kcal | 175 kcal | 200 kcal | 225 kcal |
| 30 Minuten | 225 kcal | 263 kcal | 300 kcal | 338 kcal |
| 45 Minuten | 338 kcal | 394 kcal | 450 kcal | 506 kcal |
Wer stattdessen im untersten Band bei 5,0 MET rudert, kommt auf zwei Drittel dieser Werte; wer 150 bis 199 Watt hält, auf knapp das Anderthalbfache. Die Dauer ist also der kleinere Hebel — die Leistung ist der größere.
Für die häufig gesuchte Marke von 500 Kilokalorien heißt das: Bei 70 Kilogramm und mittlerer Intensität sind das etwa 57 Minuten. Bei 150 bis 199 Watt reichen 39 Minuten. Beides brutto, also einschließlich des Ruheumsatzes.
Wer stattdessen wissen will, was eine bestimmte Distanz kostet, rechnet über die Zeit: 5.000 Meter bei einem Split von 2:20 dauern rund 23 Minuten und liegen im zweiten Band. Für 80 Kilogramm sind das etwa 230 Kilokalorien brutto. Dieselben 5.000 Meter bei 2:00 dauern nur 20 Minuten, liegen aber im vierten Band — und kosten rund 373 Kilokalorien. Kürzer und trotzdem mehr: Genau das meint die dritte Potenz in der Leistungsformel.
Rudern im Vergleich zu anderen Ausdauerformen
Der oft gehörte Satz, Rudern verbrenne mehr als Laufen, hält so nicht stand — er vergleicht unterschiedliche Intensitäten miteinander. Sinnvoll ist der Vergleich nur bei gleichem MET-Wert.
Was Rudern tatsächlich auszeichnet, ist die Muskelbeteiligung: Beine, Rumpf und Arme arbeiten in einer Bewegung, und der Bewegungsablauf ist gelenkschonend, weil kein Aufprall stattfindet. Für Menschen, die wegen der Knie nicht laufen können, ist das der praktisch entscheidende Punkt — nicht eine höhere Kalorienzahl.
Welche Muskeln konkret beteiligt sind — und welche Prozentangaben aus dem Handel sich nicht belegen lassen —, steht im Beitrag zur Muskelbeteiligung.
Was sich daraus fürs Abnehmen ergibt
Wenig direkt und mehr indirekt. Die Tabellenwerte oben sind die Obergrenze dessen, was eine Einheit an Energie kostet — und diese Größenordnung ist gegenüber der Ernährung klein. Eine Stunde bei 7,5 MET und 70 Kilogramm entspricht rund 525 Kilokalorien brutto, netto etwa 455. Das ist ungefähr eine mittelgroße Mahlzeit.
Was daraus folgt und welche verbreiteten Annahmen sich nicht belegen lassen — Stichwort gezielter Bauchfettabbau und „Fettverbrennungszone" —, steht im Leitfaden zum Abnehmen mit dem Rudergerät.
Was die MET-Tabelle über den Trainingsaufbau verrät
Die vier Bänder sind mehr als eine Umrechnungshilfe. Ihre Abstände zeigen, wo Training tatsächlich anstrengender wird — und der Verlauf ist ungleichmäßig.
Von Band eins auf Band zwei steigt der MET-Wert um 2,5 Punkte, von Band zwei auf Band drei um 3,5, von Band drei auf Band vier um 3,0. Der größte Sprung liegt also im Übergang von 149 auf 150 Watt. Das ist kein Zufall der Einteilung, sondern spiegelt, dass der Luftwiderstand am Schwungrad überproportional zunimmt: Doppelte Geschwindigkeit bedeutet grob das Achtfache an Leistung.
Für den Trainingsaufbau folgt daraus etwas Praktisches. Wer im untersten Band trainiert und die Dauer verlängert, gewinnt linear. Wer stattdessen die Leistung erhöht, gewinnt überproportional — und ermüdet entsprechend schneller. Beides ist sinnvoll, aber für unterschiedliche Ziele.
Die WHO-Bewegungsempfehlung setzt an derselben Stelle an: Sie unterscheidet moderate und anstrengende Aktivität, weil anstrengende Einheiten bei kürzerer Dauer denselben Nutzen bringen. Wer die 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche als Zielgröße nimmt, kommt mit Einheiten im zweiten Band deutlich schneller hin als mit langem lockerem Rudern.
Woher die Zahlen stammen
Die MET-Werte stammen aus dem Compendium of Physical Activities, das für Rudern am Ergometer vier Leistungsbänder führt (Codes 02071 bis 02074). Die Angaben zur Rechengrundlage der Monitore und die Korrekturformel stammen aus der Rechnerseite von Concept2 und sind dort im Wortlaut nachlesbar. Alle Tabellenwerte dieser Seite sind aus diesen beiden Quellen berechnet, nicht geschätzt; die Rechenwege stehen im Text. Diese Seite entsteht ohne Eigenmessung.
Nicht belegen ließ sich in der Recherche eine belastbare Angabe zur Größe des Nachbrenneffekts speziell beim Rudern sowie ein direkter Verbrauchsvergleich zwischen Rudern und Laufen bei gleicher subjektiver Anstrengung. Beides steht deshalb nicht als Zahl im Text.
- Compendium of Physical Activities — MET-Werte für Rudern am Ergometer, Codes 02070–02074
- Concept2 — Bezugsgewicht 175 lb/79,5 kg und Korrekturformel im Wortlaut
- Concept2 — Umrechnung Pace zu Watt, Formel und Rechenbeispiel
- Concept2 — technische Angaben zum RowErg
- WHO, Faktenblatt Bewegung (26.06.2024) — 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, 31 Prozent Inaktive
- Stiftung Warentest — Rudergeräte im Test
- AOK — Rudern in der Wohnung
FAQ
Häufige Fragen
Wie viele Kalorien verbrennt man beim Rudern pro Stunde?
Das hängt an Leistung und Körpergewicht. Nach dem Compendium of Physical Activities gelten 5,0 MET unter 100 Watt, 7,5 MET bei 100 bis 149 Watt, 11,0 MET bei 150 bis 199 Watt und 14,0 MET ab 200 Watt. Bei 70 Kilogramm und mittlerer Intensität sind das rund 525 Kilokalorien pro Stunde.
Wie viele Kalorien verbrennt man in 30 Minuten Rudern?
Bei 100 bis 149 Watt und 70 Kilogramm etwa 263 Kilokalorien brutto. Bei 60 Kilogramm sind es rund 225, bei 90 Kilogramm rund 338. Vom Bruttowert geht der Ruheumsatz ab, der ohnehin angefallen wäre.
Stimmt die Kalorienanzeige auf dem Rudergerät?
Nur für einen bestimmten Menschen. Concept2 gibt an, dass die Performance Monitors mit einer Formel für eine 175 Pfund beziehungsweise 79,5 Kilogramm schwere Person rechnen. Leichtere Menschen bekommen zu viel angezeigt, schwerere zu wenig.
Wie korrigiere ich die Kalorienanzeige?
Mit der Formel des Herstellers: tatsächliche Kilokalorien pro Stunde = Anzeige minus 300 plus 1,714 mal Gewicht in Pfund. Wichtig ist, den Durchschnittswert aus der Trainingszusammenfassung zu verwenden, nicht den Momentanwert des letzten Zugs.
Wie lange muss ich für 500 Kalorien rudern?
Bei 70 Kilogramm und 100 bis 149 Watt rund 57 Minuten. Bei 150 bis 199 Watt reichen etwa 39 Minuten. Beide Werte sind brutto gerechnet, also einschließlich des Ruheumsatzes von rund 70 Kilokalorien pro Stunde.
Warum zeigen zwei Rudergeräte verschiedene Werte an?
Weil sie mit unterschiedlichen Bezugsgewichten, unterschiedlicher Leistungsmessung und unterschiedlichen Wirkungsgrad-Annahmen rechnen. Einfache Magnetgeräte messen die Leistung oft gar nicht, sondern schätzen sie aus Stufe und Schlagfrequenz.
Wie rechne ich meine 500-Meter-Zeit in Watt um?
Concept2 veröffentlicht die Formel: Watt = 2,80 geteilt durch Pace hoch drei, wobei Pace die Zeit in Sekunden geteilt durch die Distanz in Metern ist. Ein Split von 2:05 pro 500 Meter ergibt so 179,2 Watt.
Ist der Nachbrenneffekt relevant für die Rechnung?
Nach intensiven Einheiten bleibt der Umsatz erhöht, die Größenordnung ist aber klein. Eine belastbare Zahl speziell für Rudern ließ sich in unserer Recherche nicht an einer Primärquelle prüfen, deshalb steht keine im Text.