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Kettlebell Kalorien: was Studien messen, was Ratgeber sagen

Kalorien und Puls beim Kettlebell-Training: elf Laborstudien zu Swing, Snatch und Komplexen neben den Angaben von AOK, Men’s Health und Fitness First.

86,8 Prozent der maximalen Herzfrequenz, aber nur 65,3 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme: Diese zwei Zahlen maßen Farrar, Mayhew und Koch 2010 bei zehn jungen Männern, die zwölf Minuten lang so viele beidhändige Swings mit einer 16-Kilogramm-Kettlebell machten, wie sie schafften. Der Puls stand also deutlich höher, als es der tatsächliche Sauerstoffverbrauch erwarten ließ. Für die Frage, wie viele Kalorien das Training mit der Kugelhantel verbraucht, ist das ein zentraler Befund, denn der Energieverbrauch hängt am Sauerstoff, nicht am Puls. Die AOK Sachsen-Anhalt schreibt „bis zu 300 Kalorien“ in 20 Minuten, Men’s Health nennt 107 bis 120 Kilokalorien in zehn Minuten, Fitness First rund 700 in einer Stunde Intervalltraining. Keine der drei Seiten sagt, woher die Zahl kommt. Diese Datenseite stellt daneben, was in Studien tatsächlich gemessen wurde: wer mitgemacht hat, mit welchem Gewicht, in welchem Rhythmus, gegen welchen Vergleich und mit welcher Methode. kaufebesser hat selbst nichts gemessen; alle Studien und Seiten wurden am 21. Oktober 2026 abgerufen.

Was hier steht und was auf den Nachbarseiten

Diese Seite behandelt Energieverbrauch, Sauerstoffaufnahme, Herzfrequenz und das Thema Abnehmen. Welche Kugel zu welchem Einsatz passt, ordnet die Übersicht über Kettlebell-Bauarten und Gewichte ein. Startgewichte, Swing-Technik, Rückenstudien und Trainingsprotokolle haben eigene Seiten, die an den passenden Stellen verlinkt sind.

Drei Kalorienangaben aus deutschen Ratgebern im Wortlaut

Wer „kettlebell kalorien“ sucht, bekommt in den Vorschlägen der Suchmaschine Varianten wie „kettlebell kalorienrechner“, „kettlebell kalorienverbrauch berechnen“ und „kalorienverbrauch kettlebell swing“. Am 21. Oktober 2026 lieferten die Vorschläge 217 Formulierungen mit Kalorienbezug, darunter neun, die schon im Kopf der Liste stehen. Gefragt ist also eine Zahl, am besten eine, die man für die eigene Einheit ausrechnen kann. Die drei Seiten, die bei dieser Suche weit oben auftauchen, liefern genau so eine Zahl, und zwar jede eine andere.

Die Seite „Training mit der Kettlebell“ des Gesundheitsportals der AOK Sachsen-Anhalt, veröffentlicht im November 2023 und zuletzt im Juli 2026 geändert, schreibt im Abschnitt über Ausdauer und Fettverbrennung: „In nur 20 Minuten Training verbrennen wir bis zu 300 Kalorien.“ Eine Studie, eine Übung, ein Gewicht oder eine Personengruppe nennt der Absatz nicht. Men’s Health führt im Artikel über den Swing einen eigenen Abschnitt „MET-Wert und Kalorienverbrauch“, nennt dort einen MET-Wert von 8 bis 9 und „107–120 kcal in 10 Minuten, je nach Intensität und Gewicht“. Auch hier fehlt die Herkunft. Fitness First schließlich schreibt im Magazinbeitrag zur Kettlebell, eine Stunde Intervalltraining habe einen Verbrauch von „ca. 700 kcal“, und spricht zusätzlich von einem „hohen Afterburn-Effekt“.

SeiteAngabe im WortlautPro Minute (eigene Rechnung)Genannte Grundlage
AOK Sachsen-Anhalt„bis zu 300 Kalorien“ in 20 Minutenhöchstens 15 kcalkeine
Men’s Health„107–120 kcal in 10 Minuten“, MET 8 bis 910,7 bis 12,0 kcalkeine
Fitness First„ca. 700 kcal“ in einer Stunde Intervalltrainingrund 11,7 kcalkeine

Auf die Minute umgerechnet liegen die drei Angaben gar nicht so weit auseinander: zwischen knapp 11 und 15 Kilokalorien. Das klingt nach Übereinstimmung, ist aber keine. Erstens ist die AOK-Zahl eine Obergrenze, die anderen beiden sind Spannen oder Ungefährwerte. Zweitens beziehen sie sich auf verschiedene Dinge: die AOK auf Kettlebell-Training allgemein, Men’s Health auf den Swing allein, Fitness First auf eine Stunde Intervalltraining, bei der unklar bleibt, wie viel davon Arbeit und wie viel Pause ist. Drittens fehlt bei allen dreien die Person, für die die Zahl gelten soll. Ein Verbrauch in Kilokalorien hängt am Körpergewicht, an der Kugel und am Rhythmus, und keine der drei Seiten nennt auch nur eines davon.

Bemerkenswert ist, wie gut sich die drei Ratgeberzahlen mit den wenigen Messwerten vertragen, die es gibt. Die Spanne von Men’s Health deckt sich größenordnungsmäßig mit den 12,5 Kilokalorien pro Minute, die Hulsey und Kollegen 2012 im Labor für Swings gemessen haben, und die AOK-Obergrenze liegt nahe an den 13,6 Kilokalorien pro Minute aus einem Bericht des American Council on Exercise. Ob eine der Seiten sich auf diese Quellen stützt, ist nicht belegt. Die Nähe zeigt nur, dass die Zahlen nicht aus der Luft gegriffen sein müssen. Sie zeigt nicht, dass sie für jemanden gelten, der zu Hause mit einer 8-Kilogramm-Kugel zwanzig Minuten lang verschiedene Übungen macht.

Eine Einzelheit lässt sich sogar gegenprüfen. Men’s Health nennt für den Swing einen MET-Wert von 8 bis 9. Ein MET beschreibt, wie viel mal mehr Energie eine Tätigkeit verbraucht als ruhiges Sitzen. Hulsey und Kollegen haben für ihre Swing-Einheit einen MET-Wert von 9,7 gemessen, bei jungen Männern mit 16 Kilogramm und Frauen mit 8 Kilogramm im Rhythmus 35 Sekunden Arbeit, 25 Sekunden Pause. Das Magazin liegt also etwas darunter, aber in derselben Größenordnung. Woher seine Spanne stammt, bleibt offen; ein MET-Wert aus einer anderen Quelle als Hulsey liegt in den gelesenen Unterlagen nicht vor. Und auch 9,7 gilt nur für dieses Protokoll, nicht für Swings mit einer leichteren Kugel oder langsamerem Rhythmus.

Bis zu 300 Kalorien: wie aus einer Obergrenze ein Richtwert wurde

Das kleine Wort „bis“ hat auf kaufebesser selbst eine Geschichte. In der früheren Fassung dieses Clusters stand an zwei Stellen, laut AOK seien rund 300 Kalorien in 20 Minuten „realistisch“: auf der Übersichtsseite und in einer Antwort der häufigen Fragen. Die Übungsseite ging noch weiter und schrieb, laut AOK verbrenne eine solche Einheit rund 300 Kalorien. Beides steht so nicht in der Quelle. Die AOK nennt eine Höchstzahl ohne Beleg, keine typische Zahl und keine, die für eine bestimmte Einheit gilt. Aus „bis zu“ war „rund“ geworden und aus einem ungeprüften Wert ein „realistischer“.

Dieser Fehler ist korrigiert, aber er ist lehrreich, weil er im Netz ständig passiert. Eine Obergrenze klingt wie ein Versprechen, sobald man das „bis“ weglässt, und eine Zahl ohne Quelle klingt wie eine Messung, sobald man eine Institution davorschreibt. Für Leserinnen und Leser heißt das: Wer bei einer Kalorienangabe zur Kettlebell nicht erkennen kann, wer gemessen hat, wie viele Personen dabei waren und welche Übung lief, hat eine Schätzung vor sich, keine Messung. Das gilt auch dann, wenn eine Krankenkasse oder ein großes Magazin sie veröffentlicht.

Eine zweite Lehre steckt in der Formulierung „realistisch“. Realistisch für wen? Die einzige Studie, die den Swing bei gleicher gefühlter Anstrengung mit Laufen verglichen hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Laufen bei gleicher gefühlter Anstrengung 25 bis 39 Prozent mehr Energie verbraucht als der Swing. Wer Kettlebell-Training wegen eines besonders hohen Kalorienverbrauchs beginnt, setzt also auf einen Vorteil, den die Messung nicht zeigt. Was die Kugel tatsächlich leistet, steht in den folgenden Abschnitten Studie für Studie.

Wie Energieverbrauch im Labor bestimmt wird

Fast alle Studien auf dieser Seite messen nicht direkt Kalorien, sondern die Atemgase. Die Teilnehmenden tragen eine Maske, ein Gerät analysiert Minute für Minute, wie viel Sauerstoff sie aufnehmen und wie viel Kohlendioxid sie abgeben. Hulsey und Kollegen beschreiben das als „automated cart“, Farrar und Kollegen sammelten die ausgeatmeten Gase während der zwölf Minuten Swings. Aus der Sauerstoffaufnahme und dem Verhältnis der beiden Gase, dem respiratorischen Quotienten, rechnen die Forschenden den Energieverbrauch in Kilokalorien pro Minute aus. Diese Rechnung ist Teil der Studienmethodik und wird in den Abstracts nicht im Einzelnen dargestellt.

Die Sauerstoffaufnahme erscheint in zwei Formen. Absolut als Liter pro Minute, relativ als Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht und Minute. Hinzu kommt der Anteil an der maximalen Sauerstoffaufnahme, der VO2max, die vorher in einem Stufentest bis zur Erschöpfung bestimmt wird, bei Farrar laut Meigh und im ACE-Bericht auf dem Laufband, bei Chan 2020 auf dem Rudergerät. Ein Wert von 65 Prozent der VO2max heißt: Die Person arbeitet bei rund zwei Dritteln ihrer aeroben Höchstleistung. Für den Kalorienverbrauch zählt am Ende die absolute Menge Sauerstoff, und die hängt am Körpergewicht. Ein schwerer Mann verbraucht bei gleichem Prozentwert mehr Energie als eine leichte Frau.

Parallel messen die Studien die Herzfrequenz, oft als Anteil der maximalen Herzfrequenz. Diese stammt entweder aus demselben Stufentest oder aus einer Schätzung nach dem Alter; Hulsey 2012 arbeitete mit der altersgeschätzten Variante. Dazu kommen die gefühlte Anstrengung auf der Borg-Skala, das Blutlaktat aus dem Finger oder Ohrläppchen und bei manchen Studien der Blutdruck. Wichtig für das Verständnis aller folgenden Abschnitte: Beim Kettlebell-Training liegen die beiden Prozentwerte nach den vorliegenden Messungen deutlich auseinander, Farrar nennt den Puls „substantially higher“ als die Sauerstoffaufnahme.

Eine Besonderheit hat der Bericht des American Council on Exercise. Er addiert zu seinem ersten Wert einen Betrag, der aus dem Blutlaktat nach der Einheit umgerechnet wurde. So entsteht aus 13,6 eine Zahl von 20,2 Kilokalorien pro Minute. Wie diese Umrechnung genau aussieht, steht im frei abrufbaren Bericht nicht, und für die Einheit selbst nennt er nur die minütliche Herzfrequenz und das Laktat danach, keine Atemgasmessung. Andere Studien auf dieser Seite verwenden die Laktat-Umrechnung nicht; mit ihren Werten ist allenfalls der erste der beiden ACE-Werte vergleichbar.

Elf Akutstudien im Überblick: wer, womit, wogegen

Bevor die Studien einzeln vorgestellt werden, lohnt ein Blick auf das ganze Feld. Elf Untersuchungen auf dieser Seite messen, was in einer einzelnen Kettlebell-Einheit im Körper passiert. Zusammen kommen sie auf 174 Teilnehmende, eine eigene Zählung aus den Angaben der Abstracts und des ACE-Berichts. Die größte Gruppe stellte Bullert 2026 mit 35 Personen, die kleinste Williams 2015 mit acht.

StudieTeilnehmendeÜbung und RhythmusKugelVerglichen mit
Farrar 201010 Männer, Ø 20,8 J.Swing, 12 min so viele wie möglich16 kgLaufband-Stufentest
Hulsey 201211 Männer, 2 FrauenSwing, 35 s / 25 s, 10 min16 / 8 kgLaufen bei gleicher Anstrengung
Thomas 20145 Männer, 5 Frauen, AnfängerSwing und Sumo-Kreuzheben, 3 × 10 minkeine Angabe im AbstractGehen mit 4 % Steigung
Fortner 201414, 18–25 J.Swing, Tabata gegen vier Sätze8 / 4,5 kgdieselben Swings in Sätzen
Williams 20158 MännerZirkel aus vier Übungen, Tabata, 12 minkeine Angabe im AbstractSprintintervalle auf dem Rad
ACE-Bericht10 Erfahrene, 29–46 J.Snatch, 15 s / 15 s, 20 minkeine Angabe im BerichtLaufband-Maximaltest
Chan 202010 Männer, Ø 28,4 J.Snatch-Stufentest16 kgRudergerät-Stufentest
Wong 202110 Männer, 7 Fraueneine Kettlebell-Einheitkeine Angabe im AbstractRuhephase
László 202426 mit Kettlebell-ErfahrungLanger Zyklus, 10 minkeine Angabe im Abstractruhiges Sitzen
Sturdy 202411 Männer, 10 FrauenKomplexe, 6 Sätzekeine Angabe im AbstractKörpergewichtsübungen
Bullert 202617 Männer, 18 FrauenKomplexekeine Angabe im AbstractKörpergewichtsübungen

Männer stellen die Mehrheit. Wo die Abstracts das Geschlecht nennen, kommen 82 Männer auf 42 Frauen, ebenfalls eine eigene Zählung; Fortner, der ACE-Bericht und László nennen keine Aufteilung. Drei Studien, Farrar, Chan und Williams, hatten überhaupt keine Teilnehmerinnen. Wo ein Durchschnittsalter genannt ist, liegt es zwischen 20,8 Jahren (Farrar) und 28,4 Jahren (Chan), Fortner nennt 18 bis 25 Jahre, nur der ACE-Bericht reicht bis 46 Jahre. Ältere Menschen, Übergewichtige oder Einsteiger jenseits des Studentenalters kommen in den Energiemessungen praktisch nicht vor.

Ebenso uneinheitlich sind Übung und Rhythmus. Swing, Snatch, Kreuzheben, Komplexe aus fünf Übungen und der Lange Zyklus des Kettlebell-Sports belasten den Körper verschieden, und mal wird gleichmäßig gearbeitet, mal im Tabata-Schema, mal so schnell wie möglich. Auch die Vergleichsbedingung wechselt: Laufband, Rudergerät, Rad, Gehen, Körpergewichtsübungen oder gar keine Bewegung. Eine Studie, die Kettlebell-Training „im Allgemeinen“ misst, gibt es nicht. Jede Zahl auf dieser Seite gehört deshalb zu genau einer Zeile dieser Tabelle.

Bei sieben der elf Studien steht das Kugelgewicht nicht im Abstract oder Bericht. Das ist mehr als eine Formalie, denn das Review von Meigh zeigt, dass ein schwereres Gewicht Puls, Anstrengung und Laktat erhöht. Wer die Studien liest, sollte darauf achten, ob ein Wert mit 16, 8 oder 4,5 Kilogramm entstanden ist, und bei fehlender Angabe keinen Vergleich mit der eigenen Kugel ziehen.

Farrar 2010: zwölf Minuten Swings mit 16 Kilogramm

Die älteste Messung zum Sauerstoffbedarf des Swings stammt von Farrar, Mayhew und Koch und erschien 2010 im Journal of Strength and Conditioning Research. Zehn Studenten im Alter von durchschnittlich 20,8 Jahren, im Mittel 77,3 Kilogramm schwer und mit einer hohen VO2max von 52,78 Millilitern pro Kilogramm und Minute, absolvierten zuerst einen Stufentest bis zur Erschöpfung. Zwei bis sieben Tage später folgte die eigentliche Einheit: so viele beidhändige Swings mit einer 16-Kilogramm-Kettlebell wie möglich in zwölf Minuten. Die Autoren wollten ein populär empfohlenes Kettlebell-Workout vermessen, nicht ein eigenes Protokoll erfinden.

Im Schnitt schafften die Männer 265 Swings, mit einer Standardabweichung von 68. Das Review von Meigh und Kollegen nennt die Spanne genauer: zwischen 197 und 333 Wiederholungen. Auf die Minute gerechnet sind das im Mittel rund 22 Swings, eine eigene Rechnung aus den Studienwerten. Die durchschnittliche Sauerstoffaufnahme lag bei 34,31 Millilitern pro Kilogramm und Minute, die durchschnittliche Herzfrequenz bei 165 Schlägen. Das entspricht 65,3 Prozent der VO2max und 86,8 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Der Unterschied zwischen den beiden Prozentwerten war statistisch signifikant, mit p unter 0,001.

Zwei Schlüsse ziehen die Autoren. Der erste ist positiv: Dauerhafte Swings können eine Stoffwechselbelastung erzeugen, die hoch genug ist, um die VO2max zu steigern; laut Meigh fällt die Einheit nach den Maßstäben des American College of Sports Medicine in die Kategorie „hard“. Der zweite ist eine Warnung: Die Herzfrequenz lag „substantially higher“ als die Sauerstoffaufnahme. Wer die Belastung am Puls abliest, schätzt sie zu hoch ein. Einen Kalorienwert nennt das Abstract nicht, und er lässt sich aus den veröffentlichten Daten nicht seriös ableiten; warum, steht im Abschnitt über das Ausrechnen.

Was diese Studie nicht sagt, ist ebenso wichtig. Sie gilt für junge Männer im Studentenalter mit einer VO2max von 52,78 und einer 16-Kilogramm-Kugel. Für Frauen, für Ältere, für Einsteiger mit 8 Kilogramm oder für Menschen mit deutlich höherem Körpergewicht liefert sie keinen Wert. Und sie misst ein Protokoll, das kaum jemand zu Hause so durchzieht: zwölf Minuten ohne festgelegte Pausen, so schnell es geht. Wie der Swing selbst sauber ausgeführt wird und woran man Technikfehler erkennt, beschreibt die Anleitung zum Kettlebell-Swing mit Prüfliste; hier geht es nur um das, was er im Körper an Energie kostet.

Warum der Puls beim Swing höher steht als der Verbrauch

Farrar ist kein Einzelfall. Chan und Kollegen ließen 2020 zehn Männer, im Mittel 28,4 Jahre alt und 95,1 Kilogramm schwer, einen Stufentest mit 16-Kilogramm-Snatches unter Bedingungen des Kettlebell-Sports machen und verglichen ihn mit einem Stufentest auf dem Rudergerät. Auf dem Rudergerät erreichten sie eine VO2max von 45,7 Millilitern pro Kilogramm und Minute und eine Höchstfrequenz von 177 Schlägen. Im Snatch-Test kamen sie auf eine Spitzen-Sauerstoffaufnahme von 37,6, das sind 82,7 Prozent der Rudergerät-VO2max, und auf eine Spitzenfrequenz von 174 Schlägen, also 98,0 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Wieder lag der Puls fast am Anschlag, während der Sauerstoff deutlich darunter blieb.

Chan und Kollegen ordnen das Ergebnis vorsichtig positiv ein: Nach den Empfehlungen des American College of Sports Medicine reichten 16-Kilogramm-Snatches als Ausdauerreiz für Menschen mit einer VO2max bis 51 Millilitern pro Kilogramm und Minute. Für sehr ausdauerstarke Sportler wäre der Reiz demnach zu schwach. Für den Kalorienverbrauch ist der Spitzenwert ohnehin nur begrenzt aussagekräftig, weil ein Stufentest bis zur Erschöpfung keine Trainingseinheit ist, die jemand eine halbe Stunde lang durchhält.

Auch der ACE-Bericht passt ins Bild. Die Herzfrequenz lag während der zwanzig Minuten Snatch-Intervalle zwischen 86 und 99 Prozent der im Kettlebell-Test ermittelten Höchstfrequenz, gleichzeitig war die VO2max auf dem Laufband um 23 Prozent höher als im Kettlebell-Test, 38,9 gegen 31,6 Milliliter pro Kilogramm und Minute. Das Review von Meigh und Kollegen fasst 2019 zusammen, dass Kettlebell-Training in mehreren Studien eine niedrigere Spitzen-Sauerstoffaufnahme erzeugt, wenn andere Messgrößen gleich gehalten werden, und dass die Daten zur Annahme passen, Hardstyle-Kettlebell-Training sei nicht die wirksamste Form, die Ausdauer zu verbessern.

Messwerte

Herzfrequenz beim Kettlebell-Training je Studie

Angaben in Prozent der maximalen Herzfrequenz

Farrar 2010 · Swing86.8Hulsey 2012 · Swing90Hulsey 2012 · Laufband89Chan 2020 · Snatch, Spitze98Bullert 2026 · Frauen84Bullert 2026 · Männer76ACE-Bericht · Snatchkeine Angabe
  • Farrar 2010 · Swing: n = 10 Studenten, 16 kg, so viele beidhändige Swings wie möglich in 12 min; Mittelwert, HFmax aus Stufentest bis zur Erschöpfung (PubMed-Abstract; Laufband laut Meigh 2019)
  • Hulsey 2012 · Swing: n = 13 (11 Männer, 2 Frauen), 10 min Swings 35 s / 25 s, Männer 16 kg, Frauen 8 kg; Mittelwert, bezogen auf die nach Alter geschätzte HFmax (PubMed-Abstract)
  • Hulsey 2012 · Laufband: dieselben 13 Personen, 10 min Laufen bei gleicher gefühlter Anstrengung; Mittelwert, nach Alter geschätzte HFmax (PubMed-Abstract)
  • Chan 2020 · Snatch, Spitze: n = 10 Männer, Stufentest mit 16-kg-Snatches unter Wettkampfbedingungen; Spitzenwert, HFmax aus Rudergerät-Stufentest (PubMed-Abstract)
  • Bullert 2026 · Frauen: n = 18 Frauen, Kettlebell-Komplexe und Körpergewichts-Intervalle zusammen; Mittelwert (PubMed-Abstract, online vorab 03.10.2026)
  • Bullert 2026 · Männer: n = 17 Männer, dieselben Protokolle; Mittelwert (PubMed-Abstract)
  • ACE-Bericht · Snatch: n = 10 Erfahrene, 20 min Snatch 15 s / 15 s; nur Spanne von 86 bis 99 Prozent der im Kettlebell-Test ermittelten HFmax, kein Mittelwert; nicht peer-reviewt

Grundlage: PubMed-Abstracts von Farrar 2010, Hulsey 2012, Chan 2020 und Bullert 2026; ACE-Bericht zur Untersuchung der University of Wisconsin-La Crosse; alle abgerufen am 21.10.2026. Mittelwerte und Spitzenwerte sind gekennzeichnet und nicht direkt vergleichbar; die Bezugsgröße HFmax stammt je Studie aus einem anderen Test. Keine Rangliste.

Messwerte

Sauerstoffaufnahme beim Kettlebell-Training je Studie

Angaben in Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme

Farrar 2010 · Swing65.3Fortner 2014 · Tabata71Fortner 2014 · vier Sätze58.4Williams 2015 · KB-HIIT55.7Bullert 2026 · Komplexe58Chan 2020 · Snatch, Spitze82.7Hulsey 2012 · Swingkeine Angabe
  • Farrar 2010 · Swing: n = 10, 16 kg, 12 min Swings; Mittelwert in Prozent der VO2max (PubMed-Abstract; Laufband-Test laut Meigh 2019)
  • Fortner 2014 · Tabata: n = 14, 18 bis 25 Jahre, 8 × 20 s Swings / 10 s Pause, Männer 8 kg, Frauen 4,5 kg; Prozent der VO2peak (PubMed-Abstract)
  • Fortner 2014 · vier Sätze: dieselben 14 Personen, gleiche Swing-Zahl in vier Sätzen mit 90 s Pause; Prozent der VO2peak (PubMed-Abstract)
  • Williams 2015 · KB-HIIT: n = 8 Männer, 12 min Tabata-Zirkel mit vier Kettlebell-Übungen; mittlere Spitzen-VO2 in Prozent der VO2max, Wert laut Meigh 2019 (Volltext)
  • Bullert 2026 · Komplexe: n = 35 (17 Männer, 18 Frauen), Kettlebell-Komplexe; Mittelwert in Prozent der VO2max (PubMed-Abstract)
  • Chan 2020 · Snatch, Spitze: n = 10 Männer, 16-kg-Snatch-Stufentest; Spitzenwert in Prozent der VO2max vom Rudergerät (PubMed-Abstract)
  • Hulsey 2012 · Swing: n = 13; die Studie nennt die Sauerstoffaufnahme absolut (34,1 ml/kg/min laut Meigh 2019), keinen Prozentwert der VO2max

Grundlage: PubMed-Abstracts von Farrar 2010, Fortner 2014, Chan 2020 und Bullert 2026; Williams 2015 über den Volltext des Reviews Meigh 2019; abgerufen am 21.10.2026. Fortner bezieht auf die VO2peak, die übrigen auf die VO2max; Chan nennt einen Spitzenwert, die übrigen Mittelwerte.

Woran das liegt, ist nicht geklärt. Meigh und Kollegen erwähnen, dass für diese sogenannte Pressorreaktion, also einen im Verhältnis zur Sauerstoffaufnahme überhöhten Puls beim Krafttraining, physiologische Mechanismen vorgeschlagen, aber in der Praxis nicht bestätigt wurden. Festhalten lässt sich nur das Muster: In allen Studien dieser Seite, die beides nennen, liegt der Prozentwert der Herzfrequenz über dem der Sauerstoffaufnahme. Für die Kalorienfrage ist das entscheidend, weil der Energieverbrauch am Sauerstoff hängt, nicht am Puls.

Ein Vergleich der beiden Grafiken zeigt auch, wie unterschiedlich die Bezugsgrößen sind. Farrar bezieht auf den Laufband-Test, Chan auf das Rudergerät, Hulsey auf eine Schätzung aus dem Alter, der ACE-Bericht auf einen Kettlebell-Test. Ein Prozentwert von 90 heißt deshalb nicht in jeder Studie dasselbe. Die Balken zeigen, was jede Studie für ihre Gruppe gemessen hat; eine Rangfolge der Übungen oder Protokolle ergeben sie nicht.

Hulsey 2012: Swing gegen Laufband bei gleicher Anstrengung

Die Studie, die der Kalorienfrage am nächsten kommt, stammt von Hulsey, Soto, Koch und Mayhew und erschien 2012. Dreizehn Personen nahmen teil, elf Männer und zwei Frauen, im Mittel 21,4 Jahre alt und 73,0 Kilogramm schwer. Sie machten zuerst zehn Minuten Swings im Wechsel aus 35 Sekunden Arbeit und 25 Sekunden Pause, die Männer mit 16, die Frauen mit 8 Kilogramm. Nach 48 Stunden Ruhe liefen sie zehn Minuten auf dem Laufband, und zwar so schnell, dass die gefühlte Anstrengung auf der Borg-Skala genau der beim Swing entsprach. Die Atemgase wurden jede Minute erfasst, ausgewertet wurden die letzten sieben Minuten. Wie viele Swings in dieser Zeit zustande kamen, nennt das Abstract nicht.

Über die zehn Minuten stiegen beide Größen in beiden Einheiten an. Zu den Messzeitpunkten in Minute 5, 7, 9 und 10 nahm die gefühlte Anstrengung jeweils um 2 bis 3 Prozent zu, die Herzfrequenz um 7 bis 9 Prozent. Dieses Muster war beim Swing und beim Laufen gleich, was zeigt, dass die Abstimmung über die Borg-Skala funktioniert hat. Wer also die eigene Kettlebell-Einheit mit einem Lauf vergleichen will, kann das über die gefühlte Anstrengung tun; nur der Verbrauch dahinter ist nicht derselbe.

Bei gleicher Anstrengung gab es keinen Unterschied in der Herzfrequenz: Sie lag im Mittel bei 90 beziehungsweise 89 Prozent der altersgeschätzten Höchstfrequenz. Auch die Atemfrequenz, 36 Züge pro Minute beim Swing und 38 beim Laufen, und der respiratorische Quotient, 0,95 gegen 0,94, unterschieden sich nicht. Deutlich anders waren dagegen Sauerstoffaufnahme, MET-Werte, Atemminutenvolumen und Kalorienverbrauch. Sie lagen beim Laufen um 25 bis 39 Prozent höher. Das Review von Meigh nennt die Zahlen hinter dieser Spanne: 34,1 gegen 46,7 Milliliter Sauerstoff pro Kilogramm und Minute und 12,5 gegen 17,1 Kilokalorien pro Minute, beim Swing ein MET-Wert von 9,7.

Die Autoren folgern: Wer bei gleicher gefühlter Anstrengung läuft, nimmt wahrscheinlich mehr Sauerstoff auf, arbeitet auf einem höheren MET-Niveau und verbrennt mehr Kilokalorien pro Minute als beim Swing. Gleichzeitig halten sie fest, dass das Swing-Programm nach den Standards des American College of Sports Medicine einen ausreichenden Reiz für einen Zuwachs der aeroben Kapazität liefern könnte. Beides gilt zusammen: Der Swing ist anstrengend genug, um die Ausdauer zu fordern, aber er kostet bei gleichem Gefühl weniger Energie als Laufen.

Eine Summe für die zehn Minuten nennt die Studie nicht, und ihr Mittelwert stammt aus den letzten sieben Minuten. Für eine einzelne Person sagt auch er wenig: Die Standardabweichung von 2,5 Kilokalorien pro Minute zeigt, wie weit die Teilnehmenden auseinanderlagen, und das bei einer Gruppe, die fast nur aus jungen Männern bestand.

Für Leser, die zwischen Laufen und Kettlebell abwägen, ist Hulsey die einzige Vergleichsmessung mit Laufen; Thomas verglich mit Gehen. Wie sich der Verbrauch beim Laufen aus Geschwindigkeit und Steigung berechnen lässt, erklärt der Beitrag über Kalorien und Steigung beim Laufband-Training. Für die Kettlebell gibt es eine solche Rechnung nicht, aus Gründen, die im Abschnitt über das Ausrechnen stehen.

Thomas 2014: Swings und Kreuzheben wie zügiges Gehen bergauf

Thomas und Kollegen wählten 2014 einen anderen Ansatz. Zehn Anfänger, fünf Männer und fünf Frauen, lernten in einer Vorsitzung die Technik, außerdem wurden Körperzusammensetzung und VO2max bestimmt. Die Kettlebell-Einheit dauerte dreißig Minuten: drei Blöcke zu je zehn Minuten, in denen sie fortlaufend zehn beidhändige Swings und zehn Sumo-Kreuzheben im Wechsel machten, dazwischen jeweils drei Minuten Pause. In einer dritten Sitzung gingen dieselben Personen dreißig Minuten auf dem Laufband, mit vier Prozent Steigung und einer Geschwindigkeit, die so gewählt war, dass die Sauerstoffaufnahme der aus der Kettlebell-Einheit entsprach.

Das Ergebnis: Sauerstoffaufnahme, respiratorischer Quotient, Kilokalorien pro Minute und Blutdruck waren beim Kettlebell-Training und beim mäßig intensiven Gehen ähnlich. Herzfrequenz und gefühlte Anstrengung lagen beim Kettlebell-Training höher. Die Autoren schließen, dass diese Routine aus Swings und Sumo-Kreuzheben ähnliche Stoffwechselreaktionen erzeugt wie ein Gehprogramm, das zur Verbesserung der Ausdauer gedacht ist. Absolute Kalorienwerte nennt das Abstract nicht. Bemerkenswert ist die Gruppe: Thomas ist die einzige Energiemessung auf dieser Seite, deren Teilnehmende ausdrücklich als Anfänger beschrieben werden, und eine der wenigen mit gleich vielen Frauen wie Männern.

Beim Lesen dieser Studie hilft ein genauer Blick auf das Design. Das Laufband wurde so eingestellt, dass der Sauerstoffverbrauch zur Kettlebell-Einheit passte. Dass dann auch der Kalorienverbrauch ähnlich ausfällt, folgt zu einem guten Teil aus dieser Einstellung und ist keine Überraschung. Der eigentliche Befund steckt in den anderen beiden Größen: Bei gleichem Energieumsatz fühlte sich das Kettlebell-Training schwerer an und trieb den Puls höher. Das ist dasselbe Muster wie bei Farrar und Hulsey, diesmal mit Anfängern beiderlei Geschlechts.

Für die Praxis heißt das: Eine halbe Stunde Swings und Kreuzheben in diesem ruhigen Rhythmus kostet etwa so viel Energie wie eine halbe Stunde zügiges Gehen leicht bergauf, fühlt sich aber härter an. Wer abends lieber eine Kugel schwingt als spazieren zu gehen, bekommt nach dieser Messung einen vergleichbaren Umsatz. Wer glaubt, das härtere Gefühl bedeute einen höheren Verbrauch, irrt sich nach diesen Daten.

Williams und Kraemer 2015: mehr als Sprintintervalle auf dem Rad

Einen Vergleich, bei dem die Kettlebell vorne liegt, lieferten Williams und Kraemer 2015. Acht Männer, beschrieben als sehr aktiv, absolvierten in zwei Vorsitzungen die Vorbereitung und dann in wechselnder Reihenfolge zwei Einheiten von je zwölf Minuten. Beim Kettlebell-Intervalltraining liefen drei Durchgänge eines Zirkels aus vier Übungen im Tabata-Rhythmus. Beim Sprint-Intervall-Radfahren gab es drei Sprints zu je 30 Sekunden, mit vier Minuten Erholung zwischen den ersten beiden und zweieinhalb Minuten nach dem letzten.

Die Sauerstoffaufnahme war beim Kettlebell-Zirkel höher, und auch der Gesamtenergieverbrauch über die zwölf Minuten lag signifikant höher als beim Radfahren. Beim Verbrauch pro Minute, bei Atemfrequenz, Atemminutenvolumen und Herzfrequenz fanden die Autoren nur Zeit- und Wechselwirkungseffekte, keinen Gruppenunterschied. Laut Meigh lag die mittlere Spitzen-Sauerstoffaufnahme beim Kettlebell-Zirkel bei 29,1 Millilitern pro Kilogramm und Minute, das entspricht 55,7 Prozent der VO2max. Die Autoren halten das Kettlebell-Protokoll für möglicherweise attraktiver und leichter durchzuhalten als die Sprints.

Zwei weitere Werte unterschieden sich. Der respiratorische Quotient und das Atemzugvolumen lagen beim Kettlebell-Zirkel niedriger als beim Radfahren; das Abstract meldet dafür Gruppen-, Zeit- und Wechselwirkungseffekt. Die Autoren ziehen daraus im Abstract keinen Schluss zur Art der Energiebereitstellung, und eine Aussage über Fettverbrennung lässt sich aus diesen beiden Werten allein nicht ableiten.

Auch hier lohnt der Blick auf die Arbeitszeit. Beim Radfahren wurde in zwölf Minuten nur drei mal 30 Sekunden gesprintet, also 90 Sekunden lang, der Rest war Erholung; das ist eine eigene Rechnung aus der Protokollbeschreibung. Laut Meigh stand beim Kettlebell-Zirkel Arbeit zu Pause im Verhältnis 2 zu 1, beim Radfahren 1 zu 8. Dass dabei insgesamt mehr Energie verbraucht wird, ist plausibel. Die Studie zeigt also nicht, dass Kettlebells mehr Kalorien verbrennen als Radfahren, sondern dass ein dichter Kettlebell-Zirkel mehr verbraucht als ein Sprintprotokoll mit langen Pausen.

Mit acht Teilnehmenden ist die Gruppe klein, und es waren nur Männer. Ein absoluter Kalorienwert steht im Abstract nicht. Für die Frage, ob eine bestimmte Heimeinheit viel oder wenig verbraucht, taugt die Studie deshalb nur als Hinweis auf das Prinzip: Entscheidend ist, wie viel Zeit der Einheit tatsächlich aus Arbeit besteht.

Tabata oder Sätze: was der Rhythmus bei Fortner 2014 ändert

Fortner und Kollegen haben 2014 genau diese Frage isoliert. Vierzehn junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren, im Mittel mit einem Body-Mass-Index von 25,7, machten zuerst Swings im Tabata-Schema: acht Intervalle mit je 20 Sekunden so vielen Wiederholungen wie möglich und 10 Sekunden Pause. Die Männer nahmen 8 Kilogramm, die Frauen 4,5 Kilogramm. Bei einem späteren Termin verteilten sie dieselbe Gesamtzahl an Swings gleichmäßig auf vier Sätze mit jeweils 90 Sekunden Pause.

Die Tabata-Variante war nach 240 Sekunden vorbei, die Satz-Variante dauerte im Mittel 521,5 Sekunden. Bei Tabata lag die gefühlte Anstrengung bei 15,1 statt 11,7 auf der Borg-Skala, die mittlere Sauerstoffaufnahme bei 33,1 statt 27,2 Millilitern pro Kilogramm und Minute, der Anteil an der VO2peak bei 71,0 statt 58,4 Prozent, die höchste Herzfrequenz bei 162,4 statt 145,6 Schlägen und das Blutlaktat nach der Einheit bei 6,4 statt 3,7 Millimol pro Liter. Alle Unterschiede waren signifikant. Die Autoren empfehlen eine angemessene Voruntersuchung und Risikoeinstufung, bevor Swings ins Training aufgenommen werden.

Bemerkenswert sind die Gewichte. Mit 8 und 4,5 Kilogramm arbeitete Fortner mit deutlich leichteren Kugeln als Farrar und Hulsey, und trotzdem kam die Tabata-Gruppe auf über 70 Prozent ihrer Spitzen-Sauerstoffaufnahme. Der Rhythmus kann also viel von dem ausgleichen, was eine leichte Kugel an Last fehlen lässt. Welches Startgewicht die verschiedenen Quellen überhaupt empfehlen, steht auf der Seite Kettlebell-Gewicht: sieben Quellen, sieben Startwerte; die Studienprotokolle hier sind Versuchsbedingungen, keine Empfehlungen.

Einen Kalorienwert nennt Fortner nicht, und eine Gesamtrechnung lässt sich aus dem Abstract nicht seriös ableiten. Zwar ist die Tabata-Einheit pro Minute intensiver, dafür aber nicht einmal halb so lang. Ob die mittlere Sauerstoffaufnahme der Satz-Variante die Pausen einschließt, sagt das Abstract nicht. Wer beide Werte mit der Dauer multipliziert, rechnet deshalb mit einer unbekannten Größe. Sicher ist nur: Gleich viele Swings ergeben je nach Rhythmus eine sehr unterschiedliche Belastung für Herz, Lunge und Muskulatur.

Snatch statt Swing: der ACE-Bericht und seine Grenzen

Die meistzitierte Kalorienzahl zum Kettlebell-Training stammt nicht aus einer Fachzeitschrift. Das American Council on Exercise, eine US-Organisation, die Fitnesstrainer zertifiziert, beauftragte ein Team der University of Wisconsin-La Crosse unter John Porcari und Chad Schnettler mit einer Untersuchung. Der Bericht auf der ACE-Website trägt das Datum 1. Januar 2000, das als Platzhalter wirkt; das dort verlinkte PDF trägt im Dateinamen die Kennung 012010, was auf Januar 2010 deutet. Ein anderes Erscheinungsdatum nennt die Seite nicht, und eine peer-reviewte Veröffentlichung dazu wurde nicht gefunden.

Zehn Freiwillige, Männer und Frauen zwischen 29 und 46 Jahren, alle erfahren im Kettlebell-Training, machten zunächst einen Maximaltest auf dem Laufband und an einem anderen Tag einen fünfminütigen Snatch-Test mit der Kettlebell. Am Testtag folgte eine zwanzigminütige Snatch-Einheit: kurzes Aufwärmen, dann im Wechsel 15 Sekunden Snatches und 15 Sekunden Pause, am Ende fünf Minuten Auslaufen. Die Herzfrequenz wurde jede Minute notiert, das Blutlaktat direkt nach der Einheit bestimmt.

Das Ergebnis laut Bericht: im Mittel 272 Kilokalorien in zwanzig Minuten, also 13,6 pro Minute. Unter Berücksichtigung des Laktats kämen weitere 6,6 Kilokalorien pro Minute hinzu, zusammen rund 20,2. ACE vergleicht das mit Laufen in einem Tempo von sechs Minuten pro Meile, ein Vergleich, den der Bericht nicht weiter belegt. Die Herzfrequenz lag zwischen 86 und 99 Prozent der Kettlebell-Höchstfrequenz; die VO2max war auf dem Laufband um 23 Prozent höher als im Kettlebell-Test.

Das Fazit des Berichts fällt deutlich werblicher aus als das jeder Studie auf dieser Seite. Die Ergebnisse bestätigten den „hype“ um Kettlebell-Workouts, schreibt ACE, sie erfüllten leicht die Empfehlungen der Branche zur Verbesserung der aeroben Kapazität. Gleichzeitig mahnt der Bericht, die richtige Technik sei entscheidend, um Verletzungen zu vermeiden. Eine Angabe zum Kugelgewicht der Teilnehmenden, zur Zahl der Wiederholungen und zur Streuung der Werte enthält die frei abrufbare Fassung nicht.

Messwerte

Gemessener Energieverbrauch pro Minute je Untersuchung

Angaben in Kilokalorien pro Minute

Hulsey 2012 · Swing12.5Hulsey 2012 · Laufband17.1ACE-Bericht · Snatch13.6ACE-Bericht · mit Laktat20.2Farrar 2010 · Swingkeine AngabeThomas 2014 · Swing + Kreuzh.keine AngabeWilliams 2015 · KB-HIITkeine Angabe
  • Hulsey 2012 · Swing: n = 13, 10 min Swings 35 s / 25 s, 16 bzw. 8 kg; Mittelwert der letzten 7 Minuten, Atemgasmessung; Zahl laut Meigh 2019 (Volltext), ± 2,5
  • Hulsey 2012 · Laufband: dieselben 13 Personen, Laufen bei gleicher gefühlter Anstrengung; Zahl laut Meigh 2019, ± 3,7
  • ACE-Bericht · Snatch: n = 10 Erfahrene, 29 bis 46 Jahre, 20 min Snatch 15 s / 15 s; „272 calories“ in 20 min; Messmethode der Einheit nicht beschrieben; Auftragsuntersuchung, nicht peer-reviewt
  • ACE-Bericht · mit Laktat: dieselbe Untersuchung, 13,6 plus 6,6 kcal/min aus einer Umrechnung des Blutlaktats; nicht peer-reviewt
  • Farrar 2010 · Swing: n = 10, 12 min Swings mit 16 kg; das Abstract nennt keinen Kalorienwert
  • Thomas 2014 · Swing + Kreuzh.: n = 10 Anfänger, 30 min Swings und Sumo-Kreuzheben; kcal/min „ähnlich“ wie Gehen bergauf, Zahl im Abstract nicht genannt
  • Williams 2015 · KB-HIIT: n = 8 Männer, 12 min Tabata-Zirkel; Gesamtverbrauch „signifikant höher“ als Sprintintervalle, Zahl im Abstract nicht genannt

Grundlage: Hulsey 2012 (PubMed-Abstract, Mittelwerte laut Volltext des Reviews Meigh 2019), ACE-Bericht zur Untersuchung der University of Wisconsin-La Crosse, PubMed-Abstracts von Farrar 2010, Thomas 2014 und Williams 2015; abgerufen am 21.10.2026. Nur zwei Quellen nennen überhaupt eine Zahl; der ACE-Bericht ist nicht peer-reviewt, und sein zweiter Wert enthält eine Laktat-Umrechnung.

Drei Dinge trennen diese Zahl von dem, was die meisten Menschen zu Hause tun. Erstens war die Übung der Snatch, das Reißen der Kugel über Kopf, nicht der Swing. Zweitens waren alle Teilnehmenden erfahren; Anfänger schaffen kaum zwanzig Minuten Snatches. Drittens enthält der höhere Wert eine Umrechnung aus dem Laktat, die keine andere Studie dieser Seite verwendet. Wer die 20 Kilokalorien pro Minute ohne diese Zusätze weitergibt, überdehnt die Quelle ähnlich, wie es früher mit der AOK-Zahl geschah.

Hinzu kommt die Rechnung mit den Pausen. Im Wechsel von 15 Sekunden Arbeit und 15 Sekunden Pause wird in zwanzig Minuten zehn Minuten lang gearbeitet, eine eigene Rechnung aus dem Protokoll. Die 272 Kilokalorien verteilen sich also auf zehn Minuten Arbeit und zehn Minuten Erholung. Das ist kein Fehler, aber es zeigt, wie stark der Rhythmus die Zahl bestimmt. Eine weitere Snatch-Studie, Falatic 2015, nutzte dasselbe 15-zu-15-Schema; sie wird im Abschnitt über Trainingsstudien beschrieben.

Nachbrenneffekt: 55 Kilokalorien laut Sturdy 2024

Fitness First wirbt mit einem „hohen Afterburn-Effekt“, also einem erhöhten Verbrauch nach der Einheit. Dazu gibt es eine Messung. Sturdy und Astorino verglichen 2024 bei 21 aktiven Erwachsenen, elf Männern und zehn Frauen, im Mittel 25 Jahre alt, zwei Einheiten an verschiedenen Tagen mit mindestens 48 Stunden Abstand. Vorher wurden Ruheumsatz und VO2max bestimmt. Die Kettlebell-Komplexe bestanden aus sechs Sätzen mit Liegestützen, Kreuzheben, Goblet Squats, Rudern und Swings, das Vergleichsprogramm aus sechs Sätzen Körpergewichtsübungen mit Mountain Climbers, Sprungkniebeugen, Liegestützen und Kniebeugen. Zwischen den Sätzen lagen jeweils 60 Sekunden Erholung.

Nach beiden Einheiten wurde 60 Minuten lang der zusätzliche Sauerstoffverbrauch gemessen. Er lag nach den Kettlebell-Komplexen bei 10,7 Litern, nach dem Körpergewichtsprogramm bei 11,6 Litern; der Unterschied war nicht signifikant. Sauerstoffaufnahme und Atmung blieben 30 bis 60 Minuten erhöht. Die Autoren beziffern den Effekt im Abstract auf „55 extra calories“. Einen Zusammenhang mit der aeroben Fitness fanden sie nicht, wohl aber mit der mittleren Herzfrequenz, dem Laktat und dem Atemminutenvolumen nach der Einheit.

Wie stark diese Zusammenhänge sind, geben die Autoren an. Mittlere Herzfrequenz und Laktat nach der Einheit erklärten gemeinsam 37 Prozent der Unterschiede im Nachbrenneffekt, Laktat und Atemminutenvolumen 52 Prozent. Anders gesagt: Wer sich in der Einheit stärker verausgabte, verbrauchte danach etwas mehr, unabhängig davon, ob er mit Kettlebells oder mit dem eigenen Körpergewicht trainiert hatte. Der Nachbrenneffekt folgt der Intensität, nach diesen Zusammenhängen eher als dem Gerät.

Damit ist der Nachbrenneffekt messbar, aber er ist keine Besonderheit der Kettlebell. Das Körpergewichtsprogramm erzeugte einen ebenso großen Effekt. Wie viel die Einheit selbst verbrauchte, nennt das Abstract nicht. Wer den Nachbrenneffekt als Grund für die Kettlebell anführt, hat nach dieser Studie kein Argument, das nicht auch für Liegestütze und Kniebeugen gälte.

Eine zweite Arbeit zum Stoffwechsel nach dem Training ist nur bedingt übertragbar. Pearson und Kollegen ließen 2020 elf gesunde Männer ein Tabata-Programm aus vier Übungen machen, Rudern, Kurzhantel-Thrusters, Kettlebell-Swings und Burpees, und gaben ihnen rund 13 Stunden später eine fettreiche Mahlzeit. Die Fettverbrennung war danach nüchtern und nach dem Essen höher als ohne Training, Blutzucker und Blutfette änderten sich nicht. Der Swing war nur eine von vier Übungen; für die Kettlebell allein sagt die Studie nichts. Die Aussage der AOK, das Training „kurbelt die Fettverbrennung an“, ist damit weder bestätigt noch widerlegt, sondern schlicht nicht für die Kettlebell untersucht.

Frauen und Männer im selben Protokoll: Bullert 2026

Die jüngste Studie in dieser Sammlung erschien am 3. Oktober 2026 online vorab, ebenfalls aus der Gruppe um Astorino. Bullert und Kollegen ließen 17 Männer, im Mittel 26,9 Jahre, und 18 Frauen, im Mittel 22,2 Jahre, sowohl Kettlebell-Komplexe als auch ein hochintensives Körpergewichtsprogramm absolvieren. Gemessen wurden Sauerstoffaufnahme, Herzfrequenz, Atmung, Laktat, gefühlte Anstrengung und Wohlbefinden.

Die Frauen hatten eine deutlich höhere mittlere Herzfrequenz, 156 gegen 134 Schläge, einen höheren Anteil der Höchstfrequenz, 84 gegen 76 Prozent, und eine höhere Spitzenfrequenz, 183 gegen 167. Beim relativen Sauerstoffverbrauch, 62 gegen 59 Prozent der VO2max, gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Männer nahmen absolut mehr Sauerstoff auf, 1,87 gegen 1,37 Liter pro Minute. Laktat, gefühlte Anstrengung und Wohlbefinden unterschieden sich nicht. Das Körpergewichtsprogramm erzeugte insgesamt eine höhere Sauerstoffaufnahme als die Kettlebell-Komplexe: im Mittel 63 gegen 58 Prozent der VO2max und 81 gegen 73 Prozent der Spitzenaufnahme.

Für die Kalorienfrage hat diese Studie zwei Folgen. Die absolute Sauerstoffaufnahme der Männer lag um gut ein Drittel über der der Frauen, eine eigene Rechnung aus 1,87 und 1,37 Litern. Da der Energieverbrauch an der absoluten Sauerstoffmenge hängt, kann eine einzige Kalorienzahl nicht für beide Gruppen stimmen. Und bei den Frauen lag der Puls bei gleichem relativem Sauerstoffverbrauch höher. Eine Uhr, die aus dem Puls auf den Verbrauch schließt, dürfte deshalb bei Frauen im Kettlebell-Training zu anderen Fehlern kommen als bei Männern; das ist eine eigene Einordnung, die Studie hat keine Uhren geprüft.

Wettkampfroutine bei erfahrenen Athleten: László 2024

Eine ungarische Arbeit von László und Kollegen untersuchte 2024 Sportler, die Kettlebell als Wettkampfsport betreiben. Dreizehn erfahrene Athleten absolvierten eine zehnminütige Routine im Langen Zyklus, also Umsetzen und Stoßen im Wechsel, wie im Kettlebell-Sport üblich. Dreizehn weitere Personen mit Freizeiterfahrung an der Kugel saßen in dieser Zeit ruhig. Die Studie war nicht randomisiert und maß vor, während und bis 15 Minuten nach der Belastung.

Alle gemessenen Kreislaufwerte stiegen an, darunter Herzfrequenz, Blutdruck und Laktat. Herzfrequenz, diastolischer Blutdruck, das Produkt aus Puls und Blutdruck und das Laktat blieben mindestens 15 Minuten nach der Routine erhöht. Die maximale Kniebeugekraft änderte sich nicht. Laut Abstract korrelierten Erfahrung und Masse mit den Veränderungen von Sauerstoffaufnahme und Atemvolumen; es nennt vier Koeffizienten zwischen −0,87 und 0,73. Welcher Wert zu welchem Paar gehört und ob mit „mass“ die Körper- oder die Kugelmasse gemeint ist, geht aus dem Satz nicht eindeutig hervor.

Einen Kalorienwert nennt die Studie nicht. Sie zeigt aber, dass Erfahrung eine Rolle spielt, und das passt zu einem Befund aus dem Review von Meigh: Geübte Teilnehmende empfanden einen sehr langsamen Swing-Rhythmus als unnatürlich. Wer die Technik beherrscht, bewegt die Kugel anders als ein Anfänger, und damit verändert sich auch der Aufwand. Wie Wettkampf-Kettlebells gebaut sind und welche Gewichte im Kettlebell-Sport gelten, steht im Vergleich der Wettkampf-Kettlebells.

Was das Review über alle Akutstudien sagt

Meigh, Keogh, Schram und Hing haben 2019 die bis dahin erschienene Literatur zum Kettlebell-Training in einem Scoping Review gesichtet: zehn Datenbanken, 829 Treffer, 99 eingeschlossene Publikationen. Sechzehn Arbeiten berichteten akute Reaktionen von Herz, Kreislauf und Stoffwechsel. Über alle Themen hinweg fanden die Autoren meist sehr kleine bis kleine Effekte und stuften das Vertrauen in die Ergebnisse als gering bis sehr gering ein. Grenzen ihres Reviews nennen sie selbst: Ein einzelner Gutachter hat ausgewählt, berücksichtigt wurden nur englische Texte, ein vorab veröffentlichtes Protokoll gab es nicht.

Zur Ausdauer schreiben sie, Kettlebell-Training scheine eine ausreichende Belastung für eine Verbesserung der kardiovaskulären Fitness zu erzeugen, sofern Gewicht, Volumen und Verhältnis von Arbeit zu Pause zur Person passen. Effekte seien aber oft überzeichnet worden, und verlässliche, klinisch bedeutsame Wirkungen müssten erst in einer hochwertigen randomisierten Studie gezeigt werden. Ein einfaches Swing-Protokoll erzeuge eine ähnliche Belastung wie Gehen oder Radfahren. Eine Untersuchung im Review verglich 20 Swings und 10 Sumo-Kreuzheben zu Beginn jeder Minute mit gleichmäßigem Radfahren und fand keinen Unterschied in Puls, Sauerstoffaufnahme, Anstrengung oder MET-Wert. Zu dieser Radfahr-Studie und zu Thomas 2014 merken die Reviewer an, dass beide Männer und Frauen mit sehr unterschiedlichen Körpermaßen einschlossen.

Drei Stellschrauben benennt das Review ausdrücklich. Ein schwereres Gewicht, 8, 12 und 16 Kilogramm, und ein schnellerer Rhythmus, 32, 40 und 48 Swings pro Minute, erhöhten Puls, Anstrengung und Laktat. Kürzere Pausen steigerten bei gleichem Volumen die Stoffwechselreaktion. Geübte Hardstyle-Praktiker schwingen bis Brusthöhe typischerweise mit etwa 40 Swings pro Minute; 32 empfanden erfahrene Teilnehmende als unnatürlich langsam, weil dann die Hüfte kaum noch arbeitet und die Schultern die Last übernehmen.

Eine weitere im Review beschriebene Arbeit ließ Teilnehmende einen Stufentest mit immer schwereren Kugeln machen und verglich ihn mit einem Laufband-Stufentest. Die Spitzen-Sauerstoffaufnahme korrelierte stark, mit r = 0,92, lag aber im Kettlebell-Test niedriger, 3,27 gegen 3,99 Liter pro Minute. Bei den meisten Teilnehmenden war Muskelermüdung der Grund für den Abbruch, nicht Herz oder Lunge. Für die Kalorienfrage ist das ein wichtiger Hinweis: Beim Kettlebell-Training endet die Einheit oft, weil Griff, Schultern oder Beine nicht mehr können, bevor das Herz-Kreislauf-System an seine Grenze kommt.

Wo das Review einen praktischen Nutzen sieht, formuliert es zurückhaltend. Für Menschen, die das Haus kaum verlassen und wegen einer Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankung einen spürbaren Trainingsreiz brauchen, könne eine einzelne Kettlebell-Übung eine Alternative zu Gehen und Radfahren sein. Die langfristigen Wirkungen auf Herz, Kreislauf und Stoffwechsel nennen die Autoren ausdrücklich ungeklärt. Eine Empfehlung für Einzelne ist das nicht, und für den Kalorienverbrauch ergibt sich daraus keine Zahl.

Aus dem Review stammt auch eine Beobachtung zur Qualität der Daten. Bei einer Studie mit 17 Personen wurde ein Ruhepuls von 67 Schlägen mit einer Standardabweichung von null berichtet, was die Autoren als Hinweis auf Probleme mit der Verlässlichkeit lesen. In einer anderen Arbeit reichte die Herzfrequenz von 128 bis 180 Schlägen. Solche Spannen sind ein weiterer Grund, warum aus den Akutstudien keine Durchschnittszahl für alle gebildet werden sollte.

Kalorien ausrechnen: was mit den Studienwerten geht und was nicht

Unter den Suchvorschlägen stehen „kettlebell kalorienrechner“ und „kettlebell kalorienverbrauch berechnen“. Ein Rechner auf dieser Seite wäre leicht zu bauen und würde präzise wirken. Er wäre aber eine gut aussehende Falschaussage, denn keine der gelesenen Quellen liefert eine Formel, die aus Körpergewicht, Kugelgewicht, Übung und Dauer einen Kalorienverbrauch herleitet. Es gibt nur einzelne Messungen unter Laborbedingungen. Deshalb steht hier kein Rechner, sondern eine Übersicht, welche Studie welche Größe nennt, und eine Begründung, warum sich daraus keine Zahl für andere Protokolle ableiten lässt.

Nur zwei Quellen nennen überhaupt einen Verbrauch in Kilokalorien: Hulsey 2012 mit 12,5 pro Minute für Swings und der ACE-Bericht mit 13,6 für Snatches. Die übrigen geben, wenn überhaupt, die Sauerstoffaufnahme an, mal bezogen auf das Körpergewicht, mal als Anteil der VO2max, mal absolut in Litern pro Minute. Die Tabelle stellt zusammen, was jede Quelle für die Kettlebell-Einheit nennt.

StudieSauerstoffaufnahmeKilokalorien pro Minute
Farrar 201034,31 ml/kg/min, Mittelwert über 12 minkeine Angabe
Hulsey 201234,1 ml/kg/min, Mittelwert (laut Meigh)12,5 (laut Meigh)
Fortner 201433,1 ml/kg/min Tabata, 27,2 in Sätzenkeine Angabe
Williams 201529,1 ml/kg/min, Spitzenwert (laut Meigh)keine Angabe, nur Gesamtverbrauch im Vergleich
Chan 202037,6 ml/kg/min, Spitzenwert im Stufentestkeine Angabe
ACE-Bericht31,6 ml/kg/min, Höchstwert im Kettlebell-Test, nicht in der Einheit13,6, mit Laktat-Umrechnung 20,2
Bullert 20261,87 l/min Männer, 1,37 l/min Frauen, beide Programmekeine Angabe

Auffällig ist die Nähe von Farrar und Hulsey: 34,31 gegen 34,1 Milliliter pro Kilogramm und Minute, beide mit Swings und einer 16-Kilogramm-Kugel bei den Männern, beide aus demselben Labor der Truman State University. Es liegt nahe, Hulseys Kalorienwert einfach auf Farrar zu übertragen. Diese Seite tut das nicht. Eine solche Übertragung müsste unterstellen, dass beide Gruppen ihre Energie im selben Verhältnis aus Fett und Kohlenhydraten gewannen, doch Farrar nennt im Abstract keinen respiratorischen Quotienten. Auch das Protokoll war ein anderes: zwölf Minuten Swings ohne festgelegte Pausen gegen zehn Minuten im Wechsel aus 35 Sekunden Arbeit und 25 Sekunden Pause, ausgewertet über die letzten sieben Minuten. Farrar selbst nennt keinen Kalorienwert, und eine aus einer anderen Studie geliehene Zahl wäre schärfer als die Quelle.

Aus demselben Grund fehlt hier ein Wert für das eigene Körpergewicht. Dass der Verbrauch an der absoluten Sauerstoffmenge hängt und damit auch am Körpergewicht, zeigt Bullert: Die Männer nahmen bei ähnlichem Prozentwert der VO2max absolut gut ein Drittel mehr Sauerstoff auf als die Frauen. Wie viele Kilokalorien das für eine bestimmte Person bedeutet, rechnet keine der Studien vor. Und die relative Sauerstoffaufnahme ist genau die Größe, die man zu Hause nicht kennt. Sie hängt laut Review an Gewicht, Rhythmus und Pausen, und laut László hängt die Erfahrung mit den Änderungen der Sauerstoffaufnahme zusammen.

Eine Bemessung für die eigene Einheit bleibt deshalb offen. Gemessen ist für Swings genau ein Kalorienwert: 12,5 Kilokalorien pro Minute bei Hulsey, mit elf Männern und zwei Frauen um 21 Jahre, 16 beziehungsweise 8 Kilogramm und dem Rhythmus 35 zu 25 Sekunden; Laufen bei gleicher Anstrengung lag darüber. Für Ältere, Übergewichtige oder andere Übungen fehlt eine Messung. Wer den Rechenweg für das Laufband oder den Crosstrainer kennt, sieht dort einen anderen Ansatz: Für Cardiogeräte gibt es Tabellenwerte, wie sie der Beitrag über den Kalorienverbrauch am Crosstrainer und die Rechnung dahinter beschreibt. Für die Kettlebell liegt in den gelesenen Quellen kein vergleichbarer Tabellenwert vor.

100 Swings am Tag: was die Messwerte für eine Challenge hergeben

Unter den Suchvorschlägen zur Kettlebell steht „kettlebell challenge 100 swings a day“, und zum Programm Simple & Sinister gibt es eigene Vorschläge. Das Programm beschreibt StrongFirst auf seiner Website: 100 einarmige Swings bis Brusthöhe in fünf Minuten, zehn Swings alle 30 Sekunden mit Handwechsel nach jedem Satz, dann eine Minute Pause und zehn Get-ups in zehn Minuten. Wer wissen will, wie viel Energie so eine tägliche Runde kostet, findet dazu keine Messung. Eine Einordnung ist nur über den Vergleich der Protokolle möglich.

Hundert Swings in fünf Minuten sind 20 pro Minute, eine eigene Rechnung aus der Programmbeschreibung. Das liegt nahe an den rund 22 Swings pro Minute, die Farrars Teilnehmer im Mittel über zwölf Minuten schafften, und auch der Wechsel aus kurzer Arbeit und kurzer Pause ähnelt dem Rhythmus bei Hulsey. Eine Kalorienzahl für die Challenge folgt daraus trotzdem nicht: Hulseys 12,5 Kilokalorien pro Minute gelten für sein Protokoll und seine Gruppe, nicht für einarmige Swings mit den Kugeln, die StrongFirst als Ziel nennt. Fest steht nur, dass fünf Minuten Swings halb so lang sind wie die zehnminütige Einheit, die Hulsey gemessen hat.

Drei Abweichungen trennen die Challenge von den Messungen. Simple & Sinister arbeitet mit einarmigen Swings, die Studien mit beidhändigen. Die Get-ups danach, eine langsame Übung vom Liegen zum Stehen, sind in keiner Energiemessung auf dieser Seite enthalten. Und wer die Challenge mit einer leichteren Kugel macht, liegt nach dem Befund des Reviews ohnehin niedriger. Für eine Frau mit 8 Kilogramm gibt es überhaupt keine Messung, die sich vergleichen ließe.

Was sich sagen lässt, betrifft die Dauer. Eine tägliche Runde von 100 Swings ist ein kurzer, intensiver Reiz von fünf Minuten. Wer die Challenge vor allem wegen der Kalorien macht, findet dafür in den Messungen keine Grundlage. Wer sie wegen der Regelmäßigkeit und der Technik macht, findet auf der Swing-Seite die Kriterien für eine saubere Ausführung; StrongFirst listet eigene Standards für den einarmigen Swing auf.

Was Fitnessuhr und Brustgurt beim Kettlebell-Training anzeigen

Viele Menschen lesen ihren Kalorienverbrauch nicht in einer Studie, sondern auf der Uhr am Handgelenk ab. Für das Kettlebell-Training gibt es in den gelesenen Quellen keine Untersuchung, die Uhren gegen eine Atemgasmessung geprüft hätte. Was es gibt, ist der Befund aus Farrar, Chan, Thomas und Bullert: Der Puls liegt beim Kettlebell-Training höher, als es der Sauerstoffverbrauch erwarten ließe. Ein Gerät, das den Verbrauch aus der Herzfrequenz schätzt, dürfte deshalb eher zu hohe Werte anzeigen. Das ist eine eigene Einordnung aus den Studien, keine Messung an Uhren.

Dazu kommt ein zweites Problem, das mit der Kugel selbst zu tun hat. Beim Swing, beim Snatch und beim Umsetzen arbeiten Unterarm und Handgelenk unter Last, der Griff wird fest umschlossen, das Handgelenk wird bei jeder Wiederholung bewegt. Wie sehr optische Pulsmessung am Handgelenk beim Krafttraining danebenliegen kann, beschreibt die Seite Wie genau sind Pulsuhren beim Krafttraining und im Intervall? anhand einer Metaanalyse und der Hinweise der Hersteller. Ein Brustgurt umgeht dieses Problem, nicht aber das erste: Auch ein exakt gemessener Puls überschätzt beim Kettlebell-Training den Sauerstoffverbrauch.

Praktisch folgt daraus: Die Kalorienzahl der Uhr ist beim Kettlebell-Training eine Schätzung auf zweifach unsicherer Grundlage. Als Vergleich zwischen zwei eigenen Einheiten mit gleicher Kugel, gleichem Protokoll und gleicher Uhr kann sie trotzdem nützlich sein, weil der Fehler dann ähnlich ausfällt. Als absolute Zahl für die Ernährungsplanung taugt sie nach dieser Beleglage nicht. Wer die Zahl der Uhr mit der Zahl aus einem Laufband-Training vergleicht, vergleicht zwei Schätzungen mit verschiedenen Fehlern.

Abnehmen mit der Kettlebell: was Trainingsstudien zeigen

Hinter der Kalorienfrage steht meist die Frage nach dem Abnehmen; „kettlebell abnehmen erfahrungen“ und „kettlebell 10 minuten bauch“ gehören zu den Kopfvorschlägen der Suchmaschine. Die Akutstudien beantworten sie nicht, denn sie messen nur, was in einer Einheit passiert. Dazu braucht es Trainingsstudien über mehrere Wochen, und unter den gelesenen Quellen gibt es zum Körperfett nur eine mit einer Kettlebell-Gruppe und einer Kontrollgruppe ohne Training.

Govindasamy und Kollegen teilten 2024 sechzig untrainierte, adipöse männliche Studenten zwischen 17 und 26 Jahren zufällig auf drei Gruppen auf: zwölf Wochen fortschreitendes Kettlebell-Training, zwölf Wochen Training mit dem eigenen Körpergewicht oder keine Übungen. Beide Trainingsgruppen verloren gegenüber der Kontrolle deutlich Körperfett, mit großen Effektstärken von 1,43 für die Kettlebell- und 1,53 für die Körpergewichtsgruppe. Auch die VO2max, gemessen über einen Zwölf-Minuten-Lauf, stieg in beiden Gruppen, und Gesamt- und LDL-Cholesterin sanken. Wie das Körperfett gemessen wurde und ob die Ernährung kontrolliert wurde, steht im Abstract nicht. In der Kettlebell-Gruppe sanken außerdem Ruhepuls und Atemfrequenz, und die Vitalkapazität der Lunge stieg.

Diese Studie zeigt, dass Kettlebell-Training bei jungen, adipösen Männern unter Studienbedingungen zusammen mit einem Rückgang des Körperfetts auftrat, und zwar in ähnlichem Maß wie Körpergewichtstraining. Sie zeigt nicht, dass die Kugel dem Körpergewicht überlegen ist, und sie sagt nichts über Frauen, Ältere oder Menschen, die zu Hause ohne Anleitung trainieren. Ein Versprechen, wie viel jemand mit der Kettlebell abnimmt, lässt sich daraus nicht ableiten, und diese Seite gibt keines.

Andere Studien setzen Gegengewichte. Otto und Kollegen fanden 2012 nach sechs Wochen Kettlebell- oder Gewichthebertraining bei dreißig jungen Männern in keiner Gruppe eine signifikante Veränderung der Körpermaße; die Einordnung dieser Studie gegen das Hanteltraining steht auf der Seite Kettlebell oder Kurzhantel im Direktvergleich. Jay und Kollegen maßen 2011 nach acht Wochen Kettlebell-Training am Arbeitsplatz keine Verbesserung der aeroben Fitness; die Schmerzbefunde dieser Studie behandelt die Seite Kettlebell bei Rückenbeschwerden.

Für die Ausdauer gibt es einen klaren Trainingsbefund. Falatic und Kollegen ließen 2015 neun Fußballspielerinnen einer US-Universitätsliga vier Wochen lang dreimal pro Woche zwanzig Minuten Snatches im 15-zu-15-Rhythmus machen, zusätzlich zu ihrem Saisontraining; acht weitere machten stattdessen ein Zirkeltraining. In der Kettlebell-Gruppe stieg die VO2max im Mittel um 2,3 Milliliter pro Kilogramm und Minute, rund 6 Prozent, in der Zirkelgruppe gab es keine signifikante Änderung. Die Spielerinnen waren im Mittel 19,7 Jahre alt und wogen 64,2 Kilogramm; die Zahl der Snatches je Intervall wurde vorab in einem eigenen Test für jede Spielerin festgelegt. Das ist ein Befund zur Ausdauer, nicht zum Gewicht. Weitere Trainingsprotokolle aus Studien, etwa für Ältere, stehen auf der Seite Kettlebell-Übungen und Trainingsprotokolle aus Studien.

Was beim Abnehmen über den Erfolg entscheidet, schreiben auch die Ratgeberseiten selbst: Fitness First rät, das Training mit einer ausgewogenen Ernährung zu verbinden, und die frühere Fassung dieses Clusters verwies auf die Kalorienbilanz über den Tag. Eine Studie, die Kettlebell-Training bei gleicher Ernährung mit einer anderen Trainingsform beim Gewichtsverlust vergleicht, liegt in den gelesenen Quellen nicht vor. Fitness First beantwortet die Frage, ob man mit Kettlebell-Training abnehmen kann, in seinem Fragenteil mit „Ja“ und begründet das mit vielen verbrannten Kalorien und einem gesteigerten Stoffwechsel. Eine Messung nennt die Seite auch dafür nicht.

Blutdruck und Puls nach der Einheit

Zum Herz-Kreislauf-Geschehen nach dem Training gibt es eine eigene kleine Studienlage. Wong und Kollegen ließen 17 gesunde Erwachsene, zehn Männer und sieben Frauen, in zufälliger Reihenfolge eine Kettlebell-Einheit oder eine Ruhephase absolvieren. Nach der Kettlebell-Einheit blieben Herzfrequenz und Marker des Sympathikus dreißig Minuten lang erhöht, Marker der Vagusaktivität erniedrigt. Systolischer und diastolischer Blutdruck lagen 10 und 30 Minuten danach niedriger als vorher. Nach der Ruhephase änderte sich nichts. Das Review von Meigh beschreibt eine Studie mit 17 Personen und zwölf Swing-Runden, bei der der Blutdruck zu diesen Zeitpunkten um etwa 4 und 3 mmHg sank; Teilnehmerzahl und Messzeitpunkte stimmen mit Wong überein.

Die Autoren halten weitere Forschung für nötig, bevor sich daraus etwas für Menschen mit Bluthochdruck ableiten lässt. Das Review von Meigh nennt zudem eine Studie, in der nach zwanzig Minuten Swings bei Menschen mit normalem Blutdruck kein Blutdruckabfall auftrat, und eine weitere mit Männern mit erhöhtem Blutdruck, bei denen er zwei Stunden nach zwölf Minuten Swings niedriger lag als nach einem Kettlebell-Zirkel. Die Befunde widersprechen sich teilweise und betreffen kleine Gruppen. Ein Behandlungseffekt ist nicht belegt.

Für die Kalorienfrage sind diese Daten vor allem ein weiterer Hinweis, wie stark Kettlebell-Training den Puls beeinflusst, auch nach der Einheit. Fortner und Kollegen empfehlen ausdrücklich eine Voruntersuchung und Risikoeinstufung vor dem Swing-Training. Wer Fragen zu Herz, Kreislauf oder Blutdruck hat, sollte sie mit ärztlichem Fachpersonal besprechen; die Studien auf dieser Seite ersetzen das nicht und waren mit gesunden jungen Menschen gemacht.

Die Kippfrage: Energie pro Minute oder Kraft pro Einheit

Ob eine Kettlebell für ein Kalorienziel die richtige Wahl ist, entscheidet die Frage, was neben dem Verbrauch noch passieren soll. Geht es nur um möglichst viele Kilokalorien in einer gegebenen Zeit bei einer Anstrengung, die man durchhält, spricht die einzige direkte Vergleichsmessung für das Laufen: Bei gleichem Gefühl lag der Verbrauch dort um 25 bis 39 Prozent höher. Soll die Einheit dagegen Kraft, Rumpf und Griff fordern und gleichzeitig Herz und Kreislauf, kippt die Abwägung. Dann ist der Swing ein Werkzeug, das beides in einer Bewegung verbindet, mit einem Verbrauch, der laut Thomas etwa dem von zügigem Gehen bergauf entspricht und laut Hulsey für einen Ausdauerreiz ausreicht.

Vier Situationen machen das konkret. Wer wenig Zeit hat und in zwanzig Minuten Kraft und Kondition verbinden will, findet in den Tabata- und Intervallprotokollen von Fortner und Williams einen Rahmen, in dem die Kettlebell hohe Belastungen erzeugt. Wer vor allem Ausdauer aufbauen will und gern läuft, bekommt nach Hulsey beim Laufen mehr Umsatz für dieselbe Mühe. Wer wegen Gelenken oder Wetter nicht laufen mag, bekommt mit Swings und Kreuzheben nach Thomas einen Umsatz wie beim Gehen bergauf. Und wer abnehmen will, braucht nach der Beleglage vor allem eine Trainingsform, die er über Wochen beibehält; Govindasamy fand bei Kettlebell und Körpergewicht ähnliche Effekte.

SituationWas die Studien dazu hergeben
Maximaler Verbrauch pro Minute bei gleicher MüheLaufen lag bei Hulsey 25 bis 39 Prozent über dem Swing
Kraft und Kondition in einer kurzen EinheitTabata-Swings erreichten bei Fortner 71 Prozent der VO2peak mit leichten Kugeln
Ersatz für einen Spaziergang bergaufSwings und Sumo-Kreuzheben glichen bei Thomas im Umsatz zügigem Gehen mit 4 Prozent Steigung
Ausdauer verbessernSnatch-Intervalle steigerten bei Falatic die VO2max um rund 6 Prozent in vier Wochen
Körperfett senkenKettlebell und Körpergewicht wirkten bei Govindasamy ähnlich, nur junge adipöse Männer

Die Kippfrage lautet also nicht „Wie viel verbrennt die Kettlebell?“, sondern „Will ich mit derselben Mühe auch Kraft trainieren?“. Wer sie verneint, braucht keine Kettlebell, um Kalorien zu verbrauchen. Wer sie bejaht, sollte den Verbrauch als Nebenwirkung betrachten, nicht als Hauptgrund. Keine Studie zeigt, dass die Kettlebell beim Kalorienverbrauch einer Ausdauerform bei gleicher Anstrengung überlegen ist.

Wann die Kugel für das Kalorienziel ausscheidet

Es gibt Fälle, in denen die Kettlebell für das Ziel „mehr verbrauchen“ schlicht nicht infrage kommt. Der deutlichste: Wer das Swingen erst lernen muss, verbraucht in den ersten Wochen wenig. Die Studien mit hohen Werten arbeiteten mit jungen Männern oder mit erfahrenen Kettlebell-Sportlern, der ACE-Bericht ausschließlich mit Erfahrenen. Bei Anfängern endet eine Einheit nach dem Befund des Reviews eher an der Muskelermüdung als an Herz und Lunge. In dieser Phase bestimmt die Technik, nicht der Kalorienzähler, wie lange und wie intensiv geschwungen werden kann.

Ungeeignet ist die Kettlebell als Kalorienwerkzeug außerdem, wenn eine Einheit nur über die Herzfrequenz gesteuert werden soll. Ein Pulsbereich, der beim Laufen einer bestimmten Belastung entspricht, steht beim Swing nach Farrar, Chan und Thomas für weniger Sauerstoffverbrauch. Wer nach Pulszonen trainiert, die für Ausdauersport gedacht sind, arbeitet beim Kettlebell-Training mit einer verschobenen Skala. Für diese Art der Steuerung erübrigt sich die Kugel, denn die Pulszonen passen nach diesen Messungen nicht zu ihr.

Schließlich scheidet die Kettlebell aus, wenn Beschwerden im Spiel sind, die gegen schnelle, schwungvolle Bewegungen unter Last sprechen. Was die Studien zu Rücken und Swing sagen und wo ihre Grenzen liegen, steht auf der Rückenseite des Clusters. Für Schwangerschaft und Rückbildung liegt in den gelesenen Quellen keine kettlebell-spezifische Aussage vor. In solchen Fällen gehört die Frage zu ärztlichem oder physiotherapeutischem Fachpersonal, nicht zu einem Kalorienwert.

Den eigenen Aufwand vergleichbar machen

Wer nach dem Kauf wissen will, ob die eigenen Einheiten mehr oder weniger fordern, braucht keine Kalorienzahl, sondern ein festes Protokoll. Die Studien zeigen, welche Größen den Aufwand verändern: das Gewicht der Kugel, der Rhythmus in Swings pro Minute, das Verhältnis von Arbeit zu Pause, die Gesamtzeit und die Übung selbst. Wer zwei Einheiten vergleichen will, hält vier davon fest und verändert nur eine. So lässt sich zum Beispiel prüfen, ob dieselbe Zahl Swings im Tabata-Schema härter ausfällt als in Sätzen, wie Fortner es gemessen hat.

Als Maß für die Anstrengung nutzen fast alle Studien neben dem Puls die Borg-Skala, die gefühlte Anstrengung in Zahlen. Fortner nennt Werte von 11,7 für die Satz-Variante und 15,1 für Tabata. Eine eigene Notiz nach jeder Einheit mit Kugel, Rhythmus, Dauer und gefühlter Anstrengung ist genauer als jede Kalorienschätzung, weil sie die Größen festhält, die tatsächlich etwas verändern. Die Zahl der Uhr kann dazukommen, solange sie nur zwischen gleichen Einheiten verglichen wird.

Ein sinnvoller Ausgangspunkt für den Rhythmus ist die Angabe aus dem Review: Geübte schwingen bis Brusthöhe mit etwa 40 Swings pro Minute. Bei Farrar lag der Mittelwert über zwölf Minuten rechnerisch bei rund 22 pro Minute, weil Pausen nicht festgelegt waren. Wer seine Swings zählt und die Zeit misst, sieht, wo die eigene Einheit liegt. Das ist kein Leistungsziel, sondern eine Einordnung: Ein Protokoll, das viel Arbeitszeit enthält, verbraucht nach allen Studien mehr als eines mit langen Pausen.

Wenn die Einheiten leichter werden, ist das ein Zeichen für Fortschritt, nicht für sinkenden Nutzen. Laut László hängt die Erfahrung mit den Änderungen von Atmung und Sauerstoffaufnahme zusammen. Wer mehr fordern will, hat nach dem Review drei Stellschrauben: schwerere Kugel, schnellerer Rhythmus, kürzere Pausen. Welche davon zuerst kommt, beantworten die Studien nicht einheitlich. Murphy und Riemann rieten 2025 bei Frauen, zuerst das Gewicht zu steigern und erst danach den Swing-Stil zu wechseln; die Gewichtsseite des Clusters stellt dazu die Startwerte der Quellen nebeneinander.

Was keine Quelle zum Kalorienverbrauch hergibt

Eine Zahl, die viele Suchende erwarten, gibt es nicht: einen Kalorienwert pro Stunde Kettlebell-Training, der für eine bestimmte Person gilt. Es gibt keinen Kalorienrechner, der auf Kettlebell-Messungen beruht, und in den gelesenen Quellen keine Formel, aus der man ihn bauen könnte. Auch eine Fitnessuhr, deren Kalorienangabe für Kettlebell-Training gegen eine Atemgasmessung geprüft wurde, ist in den Quellen nicht beschrieben. Was es gibt, sind Laborwerte aus kleinen Gruppen, überwiegend junge Männer.

  • Ein Kalorienwert pro Stunde Kettlebell-Training, der über ein Studienprotokoll hinaus gilt; nur protokollgebundene Werte aus Hulsey 2012, dem ACE-Bericht und Sturdy 2024 liegen vor.
  • Eine peer-reviewte Veröffentlichung der ACE-Untersuchung von Porcari und Schnettler und die Methode der Laktat-Umrechnung im Einzelnen.
  • Die Herkunft der Angaben der AOK Sachsen-Anhalt, von Men’s Health und von Fitness First; keine der drei Seiten nennt eine Messung.
  • Kalorienwerte aus Farrar 2010, Thomas 2014, Williams 2015 und Fortner 2014; die Abstracts nennen sie nicht, die Volltexte wurden nicht gelesen; eine Übertragung von Hulseys Werten ist nicht belegt.
  • Wie der ACE-Bericht die 272 Kilokalorien der Einheit bestimmt hat; er nennt für die Einheit nur Herzfrequenz und Laktat.
  • Messungen mit Frauen als Mehrheit der Gruppe, mit Älteren oder mit übergewichtigen Erwachsenen beim Energieverbrauch einzelner Kettlebell-Übungen.
  • Eine Prüfung von Fitnessuhren oder Brustgurten beim Kettlebell-Training gegen eine Atemgasmessung.
  • Eine Studie, die Kettlebell-Training bei kontrollierter Ernährung mit einer Ausdauerform beim Gewichtsverlust vergleicht.
  • Ein Eintrag für Kettlebell-Übungen in einer Referenztabelle für Energieumsätze in den gelesenen Quellen.
  • Eine Metaanalyse zu Kettlebell-Training; bis zum 21.10.2026 wurde in PubMed keine gefunden.
  • Kalorienwerte für den einarmigen Swing, die Get-ups aus Simple & Sinister, den Langen Zyklus und Kettlebell-Komplexe während der Einheit; keine Studie dieser Seite nennt sie.
  • Die Zahl der Swings, die die Teilnehmenden bei Hulsey 2012 in ihren zehn Minuten schafften, und die Kugelgewichte in sieben der elf Akutstudien.

Diese Lücken sind keine Kleinigkeit, und sie sind der Grund, warum auf dieser Seite kein Rechner steht. Ein Werkzeug, das aus einem Schieberegler für das Körpergewicht eine Kalorienzahl macht, würde eine Genauigkeit vortäuschen, die keine Quelle hergibt. Die Grafiken zeigen deshalb nur, was gemessen wurde, und lassen die Zeilen leer, in denen eine Studie keine Zahl nennt.

Studien, Berichte und Ratgeber dieser Seite

Alle Quellen wurden am 21.10.2026 abgerufen. Von den Studien wurden die PubMed-Zusammenfassungen gelesen, vom Review Meigh 2019 der Volltext. Eigene Rechnungen sind im Text als solche gekennzeichnet. kaufebesser hat keine Messung durchgeführt.

FAQ

Häufige Fragen

Wie viele Kalorien verbrennt man mit Kettlebell-Training?

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht. Gemessen wurden 12,5 Kilokalorien pro Minute für Swings bei 13 jungen, überwiegend männlichen Teilnehmenden mit 16 beziehungsweise 8 Kilogramm (Hulsey 2012) und 13,6 Kilokalorien pro Minute für Snatch-Intervalle Erfahrener in einem nicht peer-reviewten Bericht des American Council on Exercise. Für Frauen, Ältere und andere Übungen fehlen Messungen.

Verbrennt Kettlebell-Training mehr Kalorien als Joggen?

Nach der einzigen Vergleichsmessung mit Laufen nicht. Bei gleicher gefühlter Anstrengung lag der Verbrauch beim Laufen auf dem Laufband um 25 bis 39 Prozent höher als beim Swing, obwohl die Herzfrequenz gleich hoch war (Hulsey 2012, 13 Personen).

Gibt es einen Kettlebell-Kalorienrechner?

Keinen, der auf einer belegten Formel beruht. Die Quellen liefern nur einzelne Labormessungen kleiner Gruppen unter festen Protokollen; eine Formel für andere Kugeln, Übungen oder Personen lässt sich daraus nicht ableiten. Deshalb steht auf dieser Seite kein Rechner.

Zeigt die Fitnessuhr beim Kettlebell-Training den richtigen Kalorienverbrauch?

Eine Prüfung von Uhren beim Kettlebell-Training liegt nicht vor. Studien zeigen aber, dass der Puls beim Swing höher steht als der Sauerstoffverbrauch, etwa 86,8 Prozent der maximalen Herzfrequenz bei 65,3 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme (Farrar 2010). Eine Schätzung aus dem Puls dürfte deshalb eher zu hoch ausfallen.

Kann man mit der Kettlebell abnehmen?

In einer randomisierten Studie mit 60 jungen, adipösen Männern sank das Körperfett nach zwölf Wochen Kettlebell-Training gegenüber einer Gruppe ohne Training, ähnlich stark wie nach Training mit dem eigenen Körpergewicht (Govindasamy 2024). Für Frauen und Ältere fehlen solche Studien, und eine bestimmte Abnahme lässt sich daraus nicht versprechen.