TheraBand: Farben, zwei Krafttabellen, Rezept und Pflege
TheraBand-Farben von Beige bis Gold, die Krafttabellen von 2003 und 2012, Loop, CLX, Medizinprodukt Klasse I, Rezept und Pflege laut Hersteller.
Gold zieht bei doppelter Länge 9,8 Kilogramm. Gold zieht bei doppelter Länge 6,5 Kilogramm. Beide Sätze stammen aus dem Umfeld desselben Herstellers und meinen dasselbe Band. Der erste Wert steht in einer Referenztabelle der TheraBand Academy aus dem Jahr 2003, die eine Forschergruppe um Uchida 2016 als Herstellerangabe zitierte und die eine Online-Apotheke bis heute abdruckt. Der zweite steht im englischen Instruction Manual von 2012 und auf der aktuellen Farbseite des deutschen Vertriebs Ludwig Artzt. Bei Gelb liegen die beiden Reihen kaum auseinander, bei Gold rund die Hälfte (eigene Rechnung). Welche Tabelle gilt und warum es zwei gibt, erklärt keine der gelesenen Herstellerunterlagen. Diese Seite beschreibt das Bandsystem, das unter dem Namen TheraBand verkauft wird: Farbfolge und Stufenzahl, beide Krafttabellen, die Produktlinien von Flachband über Loop bis CLX, den Status als Medizinprodukt, die Frage nach dem Rezept, das ÖKO-TEST-Urteil und die Pflege laut Hersteller. Die Marke wird als Herkunft des Systems benannt, nicht als Empfehlung; Bänder anderer Hersteller sind damit weder besser noch schlechter. Grundlage sind Datenblätter, Anleitungen und eine Konformitätserklärung, zwei Messstudien, ein Verbrauchertest aus zweiter Hand, das Hilfsmittelverzeichnis und die Suchvorschläge zum Begriff, alle abgerufen am 25. Oktober 2026. Ein eigener Test liegt nicht zugrunde.
Marke, Gattungsname, Suchbegriff: was mit „Theraband“ gemeint ist
Unter allen 68 Suchbegriffen, die für den Cluster ausgewertet wurden, lieferte „theraband“ die meisten eindeutigen Vorschläge, nämlich 282. „theraband übungen“ kam auf 246, „theraband farben“ auf 125 und „theraband rezept“ auf 105. Über alle Läufe zusammen enthalten 757 eindeutige Vorschläge das Wort theraband (eigene Zählung aus den Rohdaten). Zum Vergleich: Der allgemeine Begriff „widerstandsband“ brachte es auf 231. Vorschlagszahlen sind kein Suchvolumen, sie zeigen nur, welche Formulierungen eine Suchmaschine für typisch hält. Dass ein Markenname mehr Varianten erzeugt als die Gattung, ist trotzdem ein Befund.
Wofür der Name steht, zeigen die Ergänzungen. Zu den ersten Vorschlägen auf „theraband“ gehören „theraband dm“, „theraband rossmann“ und „theraband decathlon“; insgesamt nennen 22 Vorschläge eine Handelskette, darunter Aldi, Lidl, Action und Tchibo (eigene Zählung). Acht Vorschläge verbinden den Namen mit Farben, die im Originalsystem gar nicht vorkommen, etwa „theraband lila stärke“, „theraband orange“ oder „theraband farben weiß“. Wer so sucht, meint offenbar ein Gymnastikband irgendeiner Marke und benutzt den Markennamen als Gattungswort. Der deutsche Vertrieb schreibt das auf seiner Produktseite selbst: Viele kennten THERABAND „nur als Sammelbegriff für Fitnessbänder“.
Umgekehrt reicht das Farbsystem über Bänder hinaus. Unter den Kopf-Vorschlägen zu „theraband farben“ steht „theraband flexbar farben“, und die Startseite von theraband.com führt neben Bändern, Loops, Schläuchen und dem CLX auch den Flexbar, einen biegsamen Übungsstab, den der Hersteller unter anderem beim Tennisellbogen empfiehlt, sowie ein Tape mit Dehnmarkierung. Die Herstellerseite fasst das in den Satz, TheraBand sei „far more than eight colors“: ein farbkodiertes System von Widerstandsstufen, die in den eigenen Werken auf Zugkraft geprüft würden. Diese Seite behandelt nur die Bänder; für Flexbar und Tape wurden keine Kraftwerte gelesen.
Auch Redaktionen und Händler verwenden das Wort so. Ein Affiliate-Ratgeber von t-online über den ÖKO-TEST von 2020 spricht durchgehend von „Therabändern“ und nennt das Deuser Band, ein ringförmiges Kautschukband einer anderen Marke, den „Theraband-Testsieger“. In der Amazon-Auszählung für diesen Cluster führen fremde Anbieter „Theraband“ und „Terrabänder“ als Gattungsbegriff im Titel, unter anderem bei einem Stoff-Schlaufenband aus Polyester. Ein Thread in r/FitnessDE vom 3. Januar 2021 trägt den vollständigen Angebotstitel eines Latex-Sets, in dem „Theraband“ zwischen „Gymnastikband“ und „100% Naturlatex“ steht.
Für diese Seite folgt daraus eine Abgrenzung. Was hier zu Farben, Kraftwerten, Längen und Recht steht, gilt für die Bänder der Marke TheraBand und ihre Unterlagen. Für die Frage, welche Bauart und welches Material allgemein passt, ist die Übersicht über Widerstandsbänder, Bauarten und Material der richtige Einstieg. Ein Teil der Rezept-Vorschläge ist übrigens Rauschen: Unter den 105 Ergänzungen zu „theraband rezept“ stehen maschinell kombinierte Formulierungen wie „theraband rezept chefkoch“ oder „theraband rezept gabelstapler“. Die Frage nach der Verordnung bleibt trotzdem eine echte Frage, sie wird weiter unten anhand des Hilfsmittelverzeichnisses beantwortet.
Von Akron nach Dornburg: wer hinter dem System steht
Laut der aktuellen Übungsanleitung des deutschen Vertriebs begann das System 1978 in Akron im US-Bundesstaat Ohio mit „einigen bunten Latexbändern“. Das englische Handbuch von 2012 nennt als Rechteinhaberin The Hygenic Corporation in Akron und spricht vom „original system of progressive resistance“, das es seit mehr als 25 Jahren gebe. Uchida und Kollegen bezeichnen Hygenic 2016 als ersten großen Hersteller und Vertreiber elastischer Trainingsbänder und halten im selben Satz fest, dass inzwischen viele andere Firmen solche Bänder herstellen. Heute tritt Performance Health mit derselben Adresse in Akron als Hersteller auf; die Startseite von theraband.com spricht von „Over our 40 years“.
In Deutschland vertreibt die Ludwig Artzt GmbH aus Dornburg im Westerwald die Bänder. Sie zeichnet auch die Konformitätserklärung, um die es weiter unten geht, und betreibt die deutschsprachigen Farb- und Produktseiten. Die TheraBand Academy wurde laut Artzt 1999 als Plattform für Forschung, Ausbildung und Austausch gegründet. Aus ihrem Umfeld stammt die Referenztabelle von 2003, und auch eine Bewertungsskala für das Anstrengungsempfinden, die der Spanier Juan Carlos Colado für Thera-Band-Produkte validiert hat, wird in den Herstellerunterlagen beworben.
Ein Detail aus den Herstellerunterlagen betrifft die Farben selbst. Im Handbuch von 2012 und in einem Desinfektionsmerkblatt von 2022 stehen „the Color Pyramid“ und die „Associated Colors“ ausdrücklich als Marken des Herstellers. Geschützt ist also nicht nur der Name, sondern nach eigener Angabe auch die Farbzuordnung. Welche Reichweite dieser Schutz in Deutschland hat, lässt sich aus den gelesenen Unterlagen nicht ableiten. Für Käuferinnen und Käufer zählt eine einfachere Folge: Ein grünes Band einer anderen Marke ist kein grünes TheraBand, und seine Zugkraft lässt sich aus der TheraBand-Tabelle nicht ablesen.
Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Vergleich, der auf der Datenseite zur Zugkraft im Cluster ausführlich steht: Bei 100 Prozent Dehnung gibt TheraBand für Grün 2,1 Kilogramm an, BLACKROLL für sein grünes Super Band 6,3 Kilogramm. Farbe ist eine Konvention des jeweiligen Herstellers, keine Einheit.
Beige bis Gold: Reihenfolge und Bezeichnungen der acht Farben
Im Handbuch von 2012 steht die Reihe vollständig: Tan, Yellow, Red, Green, Blue, Black, Silver, Gold. Auf Deutsch heißen die Farben beim Vertrieb Beige, Gelb, Rot, Grün, Blau, Schwarz, Silber und Gold, und die Reihenfolge ist zugleich die Reihenfolge der Zugkraft. Artzt ordnet jeder Farbe eine Stärkebezeichnung und einen typischen Einsatz zu. Die folgende Tabelle gibt diese Herstellerangaben wieder; die Kraftwerte stehen erst im nächsten Abschnitt, weil es davon zwei Fassungen gibt.
| Farbe | Stärke laut Artzt | Einsatz laut Artzt-Farbseite | Hinweis aus der Artzt-Anleitung |
|---|---|---|---|
| Beige | Sehr leicht | Rehabilitation und Wiederaufbau | überwiegend Reha und Senioren |
| Gelb | Leicht | Therapie, Pflege, Reha nach Verletzungen | überwiegend Reha und Senioren |
| Rot | Medium | Therapie, Reha, Kindertraining, Prävention | präventiv für Untrainierte |
| Grün | Schwer | Allrounder Freizeit und Sport, fortgeschrittene Reha | Untrainierte und Trainierte |
| Blau | Sehr schwer | Freizeit und Sport | Trainierte |
| Schwarz | Extra schwer | Krafttraining | erst im gut trainierten Zustand |
| Silber | Spezial schwer | Kraft- und Athletiktraining | vorwiegend Leistungssport |
| Gold | Max. schwer | Kraft- und Athletiktraining für Profis | vorwiegend Leistungssport |
Ob die Abstufung im Alltag hält, hat die Studie von Uchida und Kollegen aus dem Jahr 2016 indirekt geprüft. Acht Farben wurden im Labor gedehnt, die Kraft stieg von Beige bis Gold durchgehend an. Nur Beige und Gelb ließen sich nicht unterscheiden, und Grün und Blau hatten dieselbe Steigung. Die Autoren halten die Einstufung nach Farbe ausdrücklich für gültig, die angegebenen Kraftwerte dagegen nicht. Wer also nur wissen will, ob Blau schwerer ist als Grün, kann sich auf die Farbfolge verlassen; wer wissen will, um wie viel, braucht eine der beiden Tabellen und muss deren Grenzen kennen.
Der Abstand zwischen Beige und Gelb ist auch in der Herstellertabelle klein: 2,4 gegen 3,0 Pfund bei 100 Prozent Dehnung. Uchida maß bei diesen beiden Farben 1,08 und 1,17 Kilogramm Kraft, also einen Unterschied von 0,09. In einem Teil des Sortiments fehlt Beige zudem. Das 2,50-Meter-Band in der Türanker-Tasche gibt es laut Produktseite in fünf Farben von Gelb bis Schwarz; Beige, Silber und Gold gehören dort nicht dazu.
Gegen die Reihenfolge des Originals stehen die Farbfolgen anderer Marken. In mehreren Latex- und Klimmzug-Sets des bisherigen Cluster-Bestands ist Grün die stärkste Stufe, bei TheraBand liegt es in der Mitte. Die Formulierung, wonach Gelb, Rot, Grün, Blau, Schwarz die „typische“ Folge sei, die früher auch in diesem Cluster stand, trifft deshalb nur auf dieses eine System zu. Eine herstellerübergreifende Farbnorm wurde in keiner gelesenen Quelle gefunden.
Sieben oder acht Stufen? Wie viele Farben jede Linie hat
Wie viele Stärken es gibt, beantworten die Quellen verschieden, und keine davon ist einfach falsch. Das Handbuch von 2012 und die Artzt-Seite zum 2,50-Meter-Band sprechen von acht Stufen von Beige bis Gold. Die latexfreien Bänder haben laut theraband.com „seven engineered progression levels“, und die Artzt-Seite zum CLX listet ebenfalls sieben Farben, beginnend mit Gelb. Die US-Shopseite von Performance Health beschreibt die Latex-Rollen von 6, 50 und 100 Yards mit „seven resistance levels“, und die Loops gibt es nach britischer Herstellerseite in „seven different levels“ von Gelb bis Gold. Das Handbuch von 2012 schreibt unter seine Krafttabelle: „All products not available in all colors.“
Vor diesem Hintergrund lesen sich die Widersprüche in Sekundärquellen anders. Das Merkblatt „Praxis Plus“ des Schweizer Behindertensportverbands PluSport nennt im selben Dokument erst acht Bandstärken des Originalherstellers und einen Absatz später sieben, beginnend mit Gelb. t-online schreibt beim ÖKO-TEST-Bericht, das Band sei „in sieben verschiedenen Farben erhältlich“. Eigene Einordnung: Vermutlich ist jeweils das betrachtete Produkt gemeint, nicht das System. Beige fehlt bei mehreren Linien, warum, steht in keiner abgerufenen Unterlage.
| Linie | Stufen laut Quelle |
|---|---|
| Flachband Latex, Gesamtsystem (Handbuch 2012, Artzt) | 8: Beige bis Gold |
| Flachband 2,50 m in Türanker-Tasche (Artzt) | 5: Gelb bis Schwarz |
| Flachband latexfrei (theraband.com) | 7 |
| CLX mit Schlaufen (Artzt) | 7: Gelb bis Gold |
| Loops (Performance Health UK) | 7: Gelb bis Gold |
| Latex-Rollen 6, 50, 100 Yards (Performance Health US) | 7 |
Für den Kauf ist die Zahl wichtiger, als sie aussieht. Wer ein Übungsblatt mit der Angabe „Silber“ bekommt, findet diese Farbe beim 2,50-Meter-Band des Vertriebs nicht und muss auf Rolle, Set oder CLX ausweichen. Wer umgekehrt mit Beige anfangen soll, wird bei den latexfreien Linien nicht fündig. Bei den Amazon-Angeboten kommt eine dritte Schwierigkeit hinzu: Ein Händler führt ein TheraBand als „Farbe 874“, also mit Artikelnummer statt Farbname.
Wer nach „theraband lila stärke“ sucht, sucht eine Farbe, die das System nicht hat. Lila gibt es bei anderen Marken, und dort steht es an ganz verschiedenen Stellen. In den Sets, die der Cluster bisher führte, ist Lila bei Fokky und POWER GUIDANCE die vierte von fünf Stufen zwischen Schwarz und Grün, bei bemaxx ebenfalls zwischen Schwarz und Grün, gefolgt von Blau. Bodylastics ordnet Lila mit 23 Pfund Grundwert zwischen Schwarz und Orange ein. Eine lila Stufe lässt sich deshalb keiner TheraBand-Farbe zuordnen; maßgeblich ist die Kraftangabe des jeweiligen Herstellers, sofern sie eine Dehnung nennt.
Zwei Krafttabellen unter einem Namen: die Reihen von 2003 und 2012
Die Kraftangaben hängen bei TheraBand an der prozentualen Dehnung. 100 Prozent heißt: Das Band ist auf die doppelte Ruhelänge gezogen, 200 Prozent auf die dreifache. Für diese beiden Punkte gibt es zwei Herstellerreihen. Die ältere stammt aus einem Dokument der TheraBand Academy von 2003 mit dem Titel „10 myths of elastic resistance“, verfasst von Phil Page. Uchida und Kollegen übernahmen daraus 2016 ihre Referenzwerte und druckten sie als Tabelle 2 ab. Die jüngere steht im Instruction Manual von 2012 mit dem Zusatz „Represents typical values“.
| Farbe | Reihe 2003, 100 % | Handbuch 2012, 100 % | Reihe 2003, 200 % | Handbuch 2012, 200 % |
|---|---|---|---|---|
| Beige | keine Angabe | 1,1 kg | keine Angabe | 1,5 kg |
| Gelb | 1,32 kg | 1,3 kg | 2,18 kg | 2,0 kg |
| Rot | 1,77 kg | 1,7 kg | 2,68 kg | 2,5 kg |
| Grün | 2,27 kg | 2,1 kg | 3,58 kg | 3,0 kg |
| Blau | 3,22 kg | 2,6 kg | 5,03 kg | 3,9 kg |
| Schwarz | 4,40 kg | 3,3 kg | 6,71 kg | 4,6 kg |
| Silber | 5,99 kg | 4,6 kg | 9,53 kg | 6,9 kg |
| Gold | 9,80 kg | 6,5 kg | 15,15 kg | 9,5 kg |
Beide Reihen sind Herstellerangaben, gemessen wurde für diese Seite nichts. Die Werte der Reihe 2003 sind Kilogramm-Kraft nach Uchida, Tabelle 2; für Beige nennt diese Quelle keinen Wert. Die Werte von 2012 stehen im Handbuch in Pfund und Kilogramm, die Tabelle übernimmt die Kilogramm-Spalte. Bei 100 Prozent Dehnung liegt die Reihe 2003 bei Gelb rund 2 Prozent über der von 2012, bei Rot 4, bei Grün 8, bei Blau 24, bei Schwarz 33, bei Silber 30 und bei Gold 51 Prozent (eigene Rechnung). Bei 200 Prozent wird der Abstand größer, bei Gold sind es knapp 60 Prozent.
Beide Reihen sind heute gleichzeitig im Umlauf. Die Farbseite von Artzt und die CLX-Seite desselben Händlers geben die Werte von 2012 an, also Grün 2,1 und Gold 6,5 Kilogramm; die Werbegrafik eines TheraBand-Sets bei Amazon nennt für Grün ebenfalls 2,1 Kilogramm, allerdings ohne zu sagen, bei welcher Dehnung. Die Online-Apotheke Shop Apotheke druckt unter „Dehnung bei 100 %, Widerstand in kg“ die höhere Reihe: Beige 1,1, Gelb 1,3, Rot 1,8, Grün 2,3, Blau 3,2, Schwarz 4,4, Silber 6,0 und Gold 9,8. Eine Fassung der Artzt-Anleitung ohne Datum, die ein Fachhändler als PDF bereitstellt, rechnet für ein rotes Band, das von 50 auf 100 Zentimeter gedehnt wird, mit 1,8 Kilogramm. Die aktuelle Fassung von 2024 nennt im Text keine Zahl, die Farbseite 1,7.
Was die Leserin daraus mitnimmt, hängt von der Farbe ab. Bei Gelb, Rot und Grün macht es bei 100 Prozent Dehnung kaum einen Unterschied, welche Tabelle sie sieht; der Abstand liegt dort unter einem Viertelkilogramm. Ab Blau beginnt die Unschärfe, und bei Silber und Gold beschreibt die ältere Tabelle ein Band, das um ein Drittel bis die Hälfte schwerer wäre als nach dem Handbuch. Wer ein Trainingsprogramm in Kilogramm plant oder Bänder mit Hanteln vergleicht, sollte deshalb nachsehen, aus welcher Reihe eine Zahl stammt. Woher der Unterschied kommt, ob die Rezeptur geändert, anders gemessen oder anders gerundet wurde, beantwortet keine der gelesenen Unterlagen.
Welche Reihe eine Quelle benutzt, lässt sich an zwei Zahlen erkennen. Steht bei Gold 9,8 Kilogramm oder bei Schwarz 4,4, stammt die Tabelle aus der älteren Reihe; stehen dort 6,5 und 3,3, ist es das Handbuch von 2012. Bei Rot ist der Unterschied mit 1,8 gegen 1,7 Kilogramm am kleinsten und deshalb als Erkennungszeichen ungeeignet. Eine Tabelle, die nur Gelb bis Grün zeigt, lässt sich keiner Reihe sicher zuordnen. Wer zwei Quellen vergleicht, etwa ein Übungsblatt und eine Händlerseite, sollte diese Probe machen, bevor er aus einem Kilogrammunterschied auf einen Unterschied im Band schließt.
25 und 40 Prozent: die Stufenregel nachgerechnet
Das Handbuch beschreibt das Prinzip mit einem Beispiel, das Performance Health bis heute auf seinen Shopseiten wiederholt. Ein grünes Band von 60 Zentimetern, gedehnt auf 120 Zentimeter, ist bei 100 Prozent und zieht 4,6 Pfund; gedehnt auf 180 Zentimeter, also 200 Prozent, sind es 6,7 Pfund. Entscheidend sei die prozentuale Dehnung, nicht die Ausgangslänge. Jeder Schritt zur nächsten Farbe bedeute im klinischen Bereich von Beige bis Schwarz eine Steigerung um 25 Prozent, bei Silber und Gold um 40 Prozent.
In Pfund lässt sich das nachprüfen. Von Beige zu Gelb steigt die Angabe von 2,4 auf 3,0 Pfund, das sind 25 Prozent. Danach folgen 23, 24, 26 und 26 Prozent bis Schwarz, dann 40 Prozent zu Silber und 39 Prozent zu Gold (eigene Rechnung aus der Pfund-Tabelle). Die Reihe von 2012 erfüllt die Regel also im Rahmen der Rundung. Für die Reihe von 2003 gilt das nicht: Von Gelb zu Rot sind es dort 34 Prozent, von Grün zu Blau 42, von Silber zu Gold 64 Prozent (eigene Rechnung aus Uchida, Tabelle 2). Die ältere Tabelle beschreibt damit eine Abstufung, die mit der heute beworbenen Stufenregel nicht zusammenpasst.
Der Grundsatz, dass nur die prozentuale Dehnung zählt, hat Grenzen, die in Studien auftauchen. Eine Instron-Messung von 2026 fand bei gleicher prozentualer Dehnung deutlich höhere Kräfte bei 10 als bei 40 Zentimeter langen Bändern; eine Leipziger Arbeit von 2005 beschreibt die Ausgangslänge ebenfalls als Stellgröße. Was das für kurze Loops oder Schlaufen bedeutet, ist auf der Datenseite zur Zugkraft mit allen Messreihen beschrieben. Für die Praxis mit einem langen Flachband bleibt die Herstellerregel eine brauchbare Näherung: Doppelte Länge entspricht der Angabe für 100 Prozent.
Wer die eigene Dehnung abschätzen will, braucht nur zwei Längen. Die Formel, die Uchida und das Handbuch gleichermaßen verwenden, lautet: Dehnung in Prozent gleich gedehnte Länge minus Ruhelänge, geteilt durch die Ruhelänge, mal 100. Gemessen wird das Stück Band, das tatsächlich arbeitet, also zwischen Hand und Fuß oder zwischen Hand und Anker, nicht das ganze Band mit den gewickelten Enden. Die ältere, undatierte Fassung der Artzt-Anleitung rechnet ein rotes Band von 50 Zentimetern, das auf 100 Zentimeter gezogen wird, als 100 Prozent Dehnung. Liegt ein Messwert zwischen 100 und 200 Prozent, lässt sich die Kraft aus den beiden Tabellenpunkten grob schätzen, weil die Kurve nach den Messstudien ab etwa 50 Prozent nahezu linear verläuft. Mehr als eine Schätzung ist das nicht, aus den oben genannten Gründen.
Ein Rechenbeispiel zeigt, wie sich das anfühlt. Wer ein 2,50 Meter langes Band in der Mitte unter die Füße legt und je ein Ende in die Hand nimmt, hat zwei Hälften von je rund 1,25 Metern. Werden die Hände bei einer Übung 1,25 Meter weiter vom Boden weggeführt, ist jede Hälfte auf 100 Prozent gedehnt, und beide Hälften zusammen ziehen bei Rot nach dem Handbuch zweimal 1,7, also 3,4 Kilogramm (eigene Rechnung, ohne Wicklung um die Hand und ohne die Verkürzung durch den Stand). Mit der älteren Tabelle wären es 3,5 Kilogramm. Bei Gold läge die Summe bei 13,0 gegen 19,6 Kilogramm. Bei den schweren Farben trennt die Wahl der Tabelle in diesem Beispiel also mehr als sechs Kilogramm.
Was Messungen zur Herstellerangabe sagen
Die bekannteste unabhängige Messung ist die technische Notiz von Uchida und Kollegen im Journal of Physical Therapy Science von 2016. Acht TheraBand-Farben wurden in Proben von 50 Zentimetern bei 30 Zentimetern Ausgangslänge auf 25 bis 250 Prozent gedehnt, in Schritten von 25 Prozent, bei 22 bis 24 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte. Zwei Beobachter maßen an zwei Tagen je fünfmal, das ergab zehn Werte je Punkt. Alle Mittelwerte lagen unter der Referenz von 2003, mit einer Ausnahme: Gelb bei 50 Prozent lag 1 Prozent darüber. Im Mittel betrug die Abweichung bei Rot 13, bei Gold 44 Prozent. Der Schluss der Autoren: Die Herstellerwerte seien „overestimates“.
Legt man Uchidas Werte neben das Handbuch von 2012, sieht das Bild anders aus. Bei 100 Prozent maß Uchida für Schwarz 3,28 Kilogramm, das Handbuch nennt 3,3; bei Blau 2,51 gegen 2,6, bei Rot 1,60 gegen 1,7. Größer sind die Abstände bei Grün mit 13 und bei Silber mit 15 Prozent unter der Angabe von 2012 (eigene Rechnung). Die jüngere Tabelle liegt also deutlich näher an der Messung, ohne mit ihr übereinzustimmen. Die Studie selbst vergleicht nur mit der Reihe von 2003; der Abgleich mit 2012 ist eine eigene Einordnung.
Eine zweite Studie misst in die andere Richtung. Agustín und Kollegen prüften 2023 im Journal of Sport Rehabilitation je Farbe zehn CLX-Bänder an einer Smith-Maschine. Die gemessene Kraft lag bei allen Farben über der TheraBand-Referenz, um 2,3 bis 33,1 Prozent. Phase, Geschwindigkeit und Ausgangslänge hatten keinen Einfluss. Gelesen wurde nur die Zusammenfassung, welche Referenz genau verglichen wurde, steht darin nicht. Zusammen ergeben beide Arbeiten keine einfache Richtung: Herstellerwerte sind Richtwerte mit zweistelliger Unschärfe nach oben wie nach unten.
Auch die Schläuche des Systems wurden gemessen. Patterson und Kollegen zogen 2001 alle TheraBand-Tubes in einer Materialprüfmaschine; das Verhalten war anfangs nicht linear und ab etwa 50 Prozent Dehnung linear. Thomas, Müller und Busse aus Leipzig fanden 2005 für TheraBand- und Cando-Schläuche in sechs Farben ebenfalls einen linearen Verlauf oberhalb einer Anfangsschwelle. Uchida verglich die eigenen Steigungen mit diesen Arbeiten: Sie lagen im Mittel 31 Prozent unter denen von Thomas und 36 Prozent unter denen von Hughes. Eigene Einordnung: Schon die Studien untereinander weichen in dieser Größenordnung ab, weil Bauform, Ausgangslänge und Messaufbau verschieden sind.
Die vollständigen Messreihen, die AGUEDA-Gleichungen von 2025 und den Vergleich mit anderen Marken führt die Datenseite zu Zugkraft und Dehnung, die im Cluster für Messwerte zuständig ist. Hier genügt die Folge für das System: Die Farbfolge hält, die Kilogrammzahl ist eine Größenordnung. Uchida weist außerdem selbst auf eine Grenze hin. Temperatur könne die Kraft beeinflussen, eine optimale Nutzungstemperatur nenne der Hersteller weder im Handbuch noch auf der Website.
Was die Herstellerunterlagen an Wirkung versprechen
Neben Farben und Kraftwerten enthalten die Unterlagen Aussagen über Wirkungen. Die Artzt-Anleitung von 2024 schreibt, das Übungsband führe „nachweislich“ zu positiven Trainings- und Therapieerfolgen, und zählt als Studienergebnisse unter anderem Kraftzuwachs, Schmerzreduktion, Gleichgewichtsverbesserung, Sturzprophylaxe, Senkung des Blutdrucks und bessere Körperhaltung auf. Für die Belege verweist sie auf die Forschungsdatenbank der TheraBand Academy. Das englische Handbuch von 2012 enthält eine ähnliche Liste unter „Outcomes“ und gibt an, die Academy-Website führe mehr als 1.400 Forschungsreferenzen, 700 Übungen und 250 Übungsprogramme.
In der Einleitung des Handbuchs stehen drei Studien als Beleg: ein Programm für Ältere von 1999, ein Heimtraining mit elastischen Schläuchen für Ältere von 1994 und eine Arbeit zu Kniearthrose von 2002. Sie wurden für diese Seite nicht gelesen; hier stehen sie nur als das, was der Hersteller zitiert. Die Produktseite des Vertriebs ergänzt Sätze wie den, regelmäßiges Rückentraining helfe, Rückenschmerzen „aktiv vorbeugen und bekämpfen“ zu können. Solche Sätze sind Werbeaussagen. Diese Seite bewertet sie nicht, sie verzeichnet sie als Befund.
Für die Einordnung lohnt ein Blick auf die Herkunft. Mehrere Arbeiten zur Kraftkurve elastischer Bänder stammen aus dem Umfeld des Herstellers: Die Referenztabelle von 2003 erschien in einem Academy-Dokument von Phil Page, und die Anstrengungsskala von Colado wird im Herstellerhandbuch beworben. Interessenkonflikt-Erklärungen wurden für diese Seite nicht geprüft. Eigene Einordnung: Das macht die Arbeiten nicht falsch, aber es ist ein Grund, Herstellerwerte neben unabhängigen Messungen zu lesen, wie es die beiden Studien von Uchida und Agustín erlauben.
Auch die Kraftkurve gehört zu den Werbeargumenten. Das Handbuch schreibt, elastischer Widerstand biete über den Hebelwinkel eine glockenförmige Drehmomentkurve, ähnlich der menschlichen Kraftkurve und isotonischen Übungen, und beruft sich auf Hughes und Kollegen von 1999. Deren Zusammenfassung beschreibt bei 15 Personen eine lineare Beziehung zwischen Zug und Längenänderung und ein Drehmoment beim Seitheben, das isotonischem Training ähnelt. Wie Bänder im Training gegen Hanteln abschneiden, welche Studien es dazu gibt und wo die Kraftkurve ein Nachteil ist, steht im Direktvergleich von Band und Hantel; was die Studienlage für Ältere und die Reha hergibt, im Senioren-Ratgeber.
Flachband, Loop, CLX und High Resistance: gleiche Farben, andere Kräfte
Unter dem Namen laufen mehrere Bauformen, und die Farbskala bedeutet nicht in jeder dasselbe. Das klassische Flachband ist ein offenes Band ohne Schlaufen, das um Hände und Füße gewickelt wird. Die Kraftwerte der beiden Tabellen oben gelten für dieses Band. Die US-Shopseite von Performance Health nennt eine Breite von 6 Zoll, das sind gut 15 Zentimeter; eine Breitenangabe des deutschen Vertriebs wurde für das 2,50-Meter-Band nicht gefunden.
Die Loops sind geschlossene Ringe aus Naturlatex. Ihre Widerstandsstufe ist laut theraband.com „aligned with“ einem zu einer Schlaufe geknoteten Flachband derselben Farbe, und deshalb sei die Kraft „twice the level“ des Flachbands. Die britische Herstellerseite nennt bei 100 Prozent Dehnung 6 Pfund für Gelb bis 28 Pfund für Gold. Gegen die Flachbandwerte von 3,0 und 14,2 Pfund ergibt das genau das Doppelte bei Gelb und das 1,97-Fache bei Gold (eigene Rechnung). Ein gelber Loop zieht damit etwa so stark wie ein blaues Flachband mit 5,8 Pfund (eigene Rechnung). Die Loops sind 3 Zoll breit, rund 7,6 Zentimeter, und in drei flach gelegten Längen von 8, 12 und 18 Zoll erhältlich. Als Vorteil nennt der Hersteller, dass keine Knoten nötig seien, die zu „premature failure“ führen könnten.
Das CLX ist ein latexfreies Band mit elf aneinandergereihten Schlaufen, in die Hände oder Füße gesteckt werden, statt das Band zu wickeln. Laut Artzt besteht es aus latexfreiem Synthesekautschuk und muss nach dem Reinigen nicht gepudert werden. Die CLX-Seite des Händlers nennt Kraftwerte, die mit der Flachbandtabelle von 2012 übereinstimmen, mit einer Ausnahme: Gelb steht dort mit 1,4 statt 1,3 Kilogramm. Beige gibt es beim CLX nicht. Gemessen wurde das CLX in der genannten Studie von Agustín und Kollegen, die über der Herstellerangabe lag.
Die High Resistance Bands sind eine eigene Linie: Loops von 41 Zoll, etwa einem Meter, Länge und 0,6 Zentimetern Dicke, mit Stufen von 15 bis 50 Pfund, also 6,8 bis 22,7 Kilogramm, für Dehnungen von 100 bis 200 Prozent. Auf dem Band ist ein Oval aufgedruckt, das sich bei 100 Prozent Dehnung zum Kreis verformt. Das ist die einzige Stelle im gelesenen Sortiment, an der das Band selbst anzeigt, auf welche Dehnung sich die Kraftangabe bezieht. Tubes, also Schläuche mit oder ohne Griffe, behandelt das Handbuch von 2012 gemeinsam mit den Bändern unter „Band/Tubing Color“; für Tubes mit Griffen und Türanker ist der Vergleich von Tubes mit Griffen und Türanker zuständig.
| Linie | Material laut Hersteller | Form und Maß | Kraftangabe bei 100 % Dehnung |
|---|---|---|---|
| Flachband | Naturlatex mit Talkum; latexfreie Variante aus Synthesekautschuk | offen; 1,50 m, 2,50 m, Rollen | 1,1 bis 6,5 kg (Handbuch 2012) |
| Loops | Naturlatex | geschlossen, 3 Zoll breit, 8, 12, 18 Zoll flach | 6 bis 28 Pfund, doppelt so viel wie Flachband |
| CLX | latexfreier Synthesekautschuk | 11 Schlaufen | 1,4 bis 6,5 kg (Artzt) |
| High Resistance Bands | Latex | Loop, 41 Zoll lang, 0,6 cm dick | 15 bis 50 Pfund, Anzeige-Oval |
Die praktische Folge betrifft vor allem Übungsblätter. Steht dort „rotes Theraband“ ohne Bauform, beziehen sich die Kraftwerte des Herstellers auf das Flachband; wer stattdessen einen roten Loop kauft, trainiert nach Herstellerangabe mit der doppelten Kraft. Uchida beschreibt denselben Effekt für eine Vergleichsstudie, in der ein Flachband zur 60-Zentimeter-Schlaufe gelegt wurde und dadurch theoretisch die doppelte Spannung erzeugte. Wer mit Loops für Hüfte und Beine anfängt, landet laut dieser Rechnung schon bei Gelb ungefähr dort, wo das Flachband bei Blau steht.
Dasselbe Prinzip nutzt eine Empfehlung von PluSport: Werde das Band halbiert, also doppelt gelegt, lasse sich der Widerstand zusätzlich erhöhen. Eigene Einordnung: Zwei Lagen ziehen nach der Logik der Loop-Angabe etwa doppelt so stark wie eine. Das ist eine einfache Möglichkeit, mit einem einzigen Band zwei Stufen abzudecken, verkürzt aber zugleich die arbeitende Länge, was nach der Artzt-Anleitung bei zu kurzen Bändern zu hohen Kraftanstiegen führt.
Längen, Rollen und Zuschnitt: 1,50 m, 2,50 m oder Meterware
Der deutsche Vertrieb führt das Flachband laut Produktseite als Set mit 1,50 Metern, als einzelnes Band mit 2,50 Metern in der Türanker-Tasche und für den Praxisbedarf als Rolle mit 5,50 und 45,50 Metern. Die latexfreie Variante gibt es als Rolle mit 22,85 Metern, mit dem Hinweis, die Lieferung könne „produktionsbedingt in Teilstücken“ erfolgen. In den USA verkauft Performance Health Rollen mit 6, 50 und 100 Yards. Unter den Amazon-Angeboten, die für den Cluster ausgezählt wurden, stehen ein Set mit 1,50 Metern, mehrere 2,50-Meter-Bänder, ein „geschnittenes“ Band mit 18 Farb- und Längenvarianten und eine latexfreie Rolle mit 25 Metern.
Das 2,50-Meter-Band, das Artzt als Medizinprodukt kennzeichnet, kommt in einer Reißverschlusstasche, die sich zum Türanker falten lässt; dazu liegt eine gedruckte Übungsanleitung bei, die auch als PDF verfügbar ist. Die Tasche besteht laut Produktseite aus 65 Prozent recyceltem Polyester und 35 Prozent Baumwolle. Jedes Band werde mit Unterstützung von Lebenshilfe-Werkstätten in Limburg und Löhnberg von Hand in die Tasche gelegt. Die Anleitung verlangt, den Türanker ausschließlich mit dem Original-Band zu verwenden, und gibt zur Tür eigene Regeln vor, die im Abschnitt zur Prüfung vor dem Training stehen.
Welche Länge sinnvoll ist, schreibt die Artzt-Anleitung ausdrücklich: Zu kurze Bänder seien zu vermeiden, die ideale Länge liege bei 2,50 bis 3 Metern. So würden hohe Kraftanstiege, unkontrollierte Bewegungen und vor allem ein Reißen des Bandes bei einer Dehnung von mehr als 300 Prozent vermieden. Das englische Handbuch formuliert dasselbe für Fachleute: Bänder sollten nicht zu kurz gewählt werden, um übermäßig hohe Zugkräfte zu vermeiden und mehr Kontrolle zu geben. Die Studiokette Fitness First nennt in einem Übungsartikel rund 2,20 Meter für Übungen im Stehen und rund 1,50 Meter im Sitzen.
Die Logik dahinter folgt aus der Prozentregel. Je kürzer das Band, desto stärker muss es für denselben Bewegungsweg gedehnt werden, und desto schneller steigt die Kraft. Ein 1,50-Meter-Band, dessen Hälften bei einer Übung je 75 Zentimeter weit gezogen werden, ist bereits bei 100 Prozent; das 2,50-Meter-Band wäre auf demselben Weg bei 60 Prozent (eigene Rechnung, Band mittig unter dem Fuß). Wer aus einer Rolle zuschneidet, kann die Länge an Körpergröße und Übung anpassen; t-online nennt das als Vorteil der Rollenware.
Für Zuhause reicht nach den Herstellerunterlagen ein einzelnes Band in passender Länge; Rollen sind laut Artzt für Praxen, Therapieeinrichtungen und Athletiktraining gedacht. Ob eine Rolle für Privatleute sinnvoller ist als zwei oder drei fertige Bänder verschiedener Farbe, beantworten die Quellen nicht. Eigene Einordnung: Die Rolle lohnt dort, wo dieselbe Farbe in mehreren Längen gebraucht wird, etwa in einer Gruppe; wer verschiedene Stärken braucht, kommt mit einzelnen Bändern oder einem Set weiter.
Latex oder latexfrei im TheraBand-Sortiment
Das klassische Flachband besteht laut Artzt aus „100 % Naturlatex“ und ist nach der Herstellung mit Talkum versehen. ÖKO-TEST nennt für das 2020 geprüfte rote Band als Material Latex und als Herstellungsland Malaysia. Die Artzt-Anleitung führt drei Hinweise auf: Das Produkt enthalte Latex, der Allergien verursachen kann; Kontakt mit verletzter Haut oder Schleimhäuten sei zu vermeiden; permanenter Hautkontakt ebenfalls. Auf der Produktseite steht: „Bei einer Latexallergie solltest du es nicht verwenden.“
Für Menschen mit Latexallergie verweist der Hersteller auf seine latexfreien Bänder. Sie bestehen laut Artzt aus latexfreiem Synthesekautschuk, sind puder- und geruchsfrei und folgen derselben Farbkodierung. Performance Health wirbt mit „Identical performance to our latex resistance products“ und beruft sich auf Zugkraftprüfungen bei 100 Prozent Dehnung und vergleichende Zyklustests gegen die latexfreien Bänder eines Wettbewerbers bei 175 Prozent in einem nach ISO 17025 akkreditierten Labor. Name des Labors und Ergebnisse sind nicht veröffentlicht; eine unabhängige Studie zu Kraft oder Haltbarkeit der latexfreien Linie wurde nicht gefunden.
Bei Online-Angeboten stimmen Titel und Datenfeld nicht immer überein. In der Amazon-Auszählung für diesen Cluster wird eine 25-Meter-Rolle als „Thera-Band Gymnastikband latexfrei“ angeboten, das Materialfeld nennt „Naturkautschuk Synthesekautschuk“. Ein anderes TheraBand-Listing führt Latex- und latexfreie Variante im selben Bewertungspool, sodass Sterne und Rezensionen beide Materialien mischen. Wer allergisch ist, sollte die Herstellerangabe auf der Verpackung prüfen, nicht nur den Angebotstitel.
Was eine Latexallergie ist, welche Allergene in Sportbändern nachgewiesen wurden und welche Materialien als Ausweg in Frage kommen, steht im Ratgeber Bänder ohne Latex bei Allergie und Verdacht; dort liegt die Zuständigkeit für das Thema. Bei Beschwerden nach dem Training oder einem Allergieverdacht ist die richtige Adresse eine Ärztin oder ein Arzt, keine Farbtabelle.
Medizinprodukt der Klasse I: was die Konformitätserklärung sagt
Auf der Artzt-Produktseite für das 2,50-Meter-Band steht ein Satz, der bei keiner anderen für den Cluster gelesenen Marke vorkommt: „Dies ist ein Medizinprodukt.“ Die zugehörige Konformitätserklärung ist als PDF verlinkt. Sie nennt als Hersteller die Ludwig Artzt GmbH mit der Registriernummer DE-MF-000012141, die Produktkategorie MDN1205 für nicht aktive, nicht implantierbare orthopädische und Rehabilitationsprodukte, die Risikoklasse 1 nach Regel 1 und den CND-Code Z120602. Erfasst sind die Varianten Gelb, Rot, Grün, Blau und Schwarz des „TheraBand Übungsband 2,5m in Türanker-Tasche“. Unterzeichnet hat der Geschäftsführer am 15. April 2025, es ist Version 3 des Dokuments.
Die Zweckbestimmung im Dokument lautet sinngemäß: ein elastisches Widerstandsband für Physiotherapie, Rehabilitation und Fitnessübungen, das Muskelkraft, Flexibilität und Bewegungsumfang verbessern soll, für alle Fitnessniveaus, in Klinik und zu Hause. Nach dem Wortlaut der Verordnung ist es diese Zweckbestimmung, die das Band zum Medizinprodukt macht (eigene Einordnung). Die EU-Medizinprodukteverordnung 2017/745 definiert in Artikel 2 Nummer 1 als Medizinprodukt einen Gegenstand, der „dem Hersteller zufolge“ einem medizinischen Zweck dienen soll, etwa der Behandlung oder Linderung von Verletzungen. Nummer 12 bindet die Zweckbestimmung an die Angaben des Herstellers in Kennzeichnung, Gebrauchsanweisung und Werbung.
Klasse I ist die niedrigste Klasse. Anhang VIII, Regel 1, lautet: „Alle nicht invasiven Produkte gehören zur Klasse I, es sei denn, es findet eine der folgenden Regeln Anwendung.“ Ein Prüflabor oder eine Benannte Stelle nennt die Erklärung nicht, Prüfwerte zur Zugkraft oder Haltbarkeit enthält sie ebenfalls nicht. Eigene Einordnung: Der Status sagt etwas darüber, wofür der Hersteller das Band bestimmt, aber nichts über eine gemessene Kraft. Ob ein Band ohne diesen Status anders gefertigt ist, lässt sich daraus nicht ablesen.
Bei den anderen Herstellern, deren Datenblätter für den Cluster gelesen wurden, steht kein Medizinprodukt-Hinweis: weder bei BLACKROLL noch bei Decathlon, Bodylastics, Gymreapers, Fit Simplify oder Sissel. Sissel bewirbt sein Fitband zur „Begleittherapie nach Operationen“, ohne eine Angabe nach der Medizinprodukteverordnung zu machen. Eigene Einordnung: Das ist ein Befund, keine Bewertung. Er zeigt, dass Therapiebezug in der Werbung und Medizinprodukt-Status zwei verschiedene Dinge sind, und dass das 2,50-Meter-Band von Artzt an dieser Stelle anders gekennzeichnet ist als die Bänder der übrigen gelesenen Marken.
Zwei weitere Spuren des Medizinprodukterechts finden sich in den Herstellerunterlagen. Performance Health verweist auf der Pflege- und Sicherheitsseite auf ein „medical-device-glossary“ für die Symbole und bittet, schwerwiegende Vorkommnisse dem Hersteller und der „local Competent Authority“ zu melden. Und das CLX ist nach Angabe des Herstellers bei der US-Behörde FDA als „Class 1 Medical Devices“ gelistet. Anhang VI der MDR sieht für die UDI-Datenbank außerdem ein eigenes Feld „enthält Latex (j/n)“ vor; ob und wie das für TheraBand ausgefüllt ist, wurde nicht abgefragt.
Offen bleibt, welche anderen Produkte des Systems in der EU als Medizinprodukt gelten. Die Erklärung erfasst nur das 2,50-Meter-Band in der Tasche, nicht das 1,50-Meter-Set, die Rollen, die Loops oder das CLX. In der Amazon-Auszählung nannte keines der 137 Angebote einen Medizinprodukt-Hinweis, auch die TheraBand-Listings nicht; wie man Angebote auf Prüfzeichen und Selbstauskünfte liest, erklärt die Prüfanleitung für ein Bandangebot.
Auf Rezept? Was das Hilfsmittelverzeichnis zu Expandern schreibt
Die Frage nach dem Rezept ist in den Suchvorschlägen mit 105 Ergänzungen vertreten, dazu kommen Formulierungen wie „theraband auf rezept“, „theraband apotheke“ und unter anderen Begriffen „widerstandsband physiotherapie verordnung“. Belegen lässt sich dazu weniger, als Apothekenangebote vermuten lassen. Die maßgebliche Stelle ist das Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherung, das der GKV-Spitzenverband nach § 139 SGB V führt. Für Trainings- und Bewegungsgeräte ist dort die Produktgruppe 32 „Therapeutische Bewegungsgeräte“ einschlägig.
In der Fortschreibung dieser Produktgruppe vom 26. Juni 2025 steht in den leistungsrechtlichen Hinweisen: „Auch handelsübliche Übungs-, Gymnastik- und Fitness-Geräte, wie z. B. Hanteln, Matten, Expander“ und Fahrradergometer, die zum Kraft-, Ausdauer- und Fitnesstraining angeboten werden, „sind keine Hilfsmittel im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung“. Das Wort Übungsband oder Theraband kommt im Text nicht vor. Ob ein Übungsband als Expander oder handelsübliches Gymnastikgerät gilt, ist eine Einordnung, die die gelesene Quelle selbst nicht vornimmt.
Auch die Verordnung über Hilfsmittel von geringem therapeutischem Nutzen oder geringem Abgabepreis hilft nicht weiter. Ihre Listen in § 1 und § 2 nennen unter anderem Handgelenkriemen, Alkoholtupfer, Fingerlinge und Gummihandschuhe, aber keine Übungsbänder. Der Fortschreibungsbericht 2026 beschreibt die Produktgruppe 32 mit fremdkraftbetriebenen Bewegungsschienen, Geräten zur Langzeitanwendung und Therapiegeräten für Kinder; Bänder sind dort nicht genannt. Das Online-Verzeichnis selbst ließ sich beim Abruf nicht durchsuchen, ein Eintrag für ein Übungsband war deshalb weder zu bestätigen noch auszuschließen.
Einige Online-Apotheken zeigen bei TheraBand-Bändern Hinweise auf Rezept und Zuzahlung. Diese Hinweise standen nur in Suchmaschinen-Auszügen, im abgerufenen Seitentext einer Apotheke war keine produktbezogene Hilfsmittelangabe zu finden. Sie sind hier deshalb nicht verwendet. Ebenso wenig folgt aus dem Medizinprodukt-Status eine Leistungspflicht der Kasse; Medizinprodukterecht und Hilfsmittelrecht beantworten zwei verschiedene Fragen.
Wer das im Einzelfall beantwortet
Ob ein verordnetes Übungsband im konkreten Fall übernommen wird, entscheidet die Krankenkasse. Wer eine Verordnung hat oder sich eine wünscht, fragt am sichersten vorher dort nach und lässt sich die Antwort mit Bezug auf das Hilfsmittelverzeichnis geben. Diese Seite ist keine Rechtsberatung.
Unabhängig von der Kostenfrage gilt der Hinweis der Artzt-Anleitung: Physiotherapie und jede Rehabilitationsbehandlung seien „unter fachkundiger Anleitung auszuführen“. Wer nach einer Operation oder Verletzung mit dem Band übt, bekommt Farbe und Übungen idealerweise von der behandelnden Physiotherapie; das Patientenblatt eines NHS-Krankenhauses in West Hertfordshire sieht genau das vor. Was die Studienlage zu Bändern bei Älteren und in der Reha hergibt, ordnet der Ratgeber Fitnessband für Senioren mit Prüfliste vor dem Start ein.
„Befriedigend“ bei ÖKO-TEST und warum die Note aus zweiter Hand stammt
Der einzige gefundene Labortest auf Schadstoffe, in dem ein TheraBand namentlich vorkommt, ist der Fitnessgeräte-Test von ÖKO-TEST aus dem Januarheft 2020. Geprüft wurden 20 Geräte, darunter fünf Bänder. Eines davon war das „Theraband Übungsband“ in Rot, mittelstark, 250 Zentimeter, als Anbieter ist Ludwig Artzt genannt. Das Labor untersuchte Latex- und Kautschukbänder auf Nitrosamine und nitrosierbare Stoffe nach DIN EN 12868 und auf Latexproteine.
Die Einzelnoten stehen bei ÖKO-TEST hinter der Bezahlschranke. Frei lesbar sind sie nur in einem Affiliate-Ratgeber von t-online, der sich auf den Test beruft. Danach erhielt das rote TheraBand die Gesamtnote „befriedigend“, im Prüfpunkt Inhaltsstoffe „befriedigend“ und bei weiteren Mängeln „gut“. Das Deuser Band Original bekam „sehr gut“, das textile Multi Band von Blackroll „gut“. Zwei der fünf Bänder fielen laut t-online wegen hohen Schadstoffgehalts durch.
Welcher Stoff beim TheraBand zur Abwertung im Prüfpunkt Inhaltsstoffe führte, steht in keiner frei lesbaren Quelle. Ebenso offen ist, ob das Ergebnis von 2020 für die heutige Produktion gilt; einen neueren ÖKO-TEST zu Fitnessbändern gibt es nach der Recherche nicht. Die Stiftung Warentest hat keinen Vergleichstest von Gymnastik- oder Fitnessbändern veröffentlicht; die Suche nach „Theraband“ auf test.de lieferte fünf Treffer, aber keinen Bändertest. Die Testergebnisse für alle fünf Bänder und was sie für die Materialwahl bedeuten, ordnet der Vergleich der Latex-Loop-Sets mit den Testbefunden ein.
Bei Amazon begegnet Käuferinnen ein anderes Siegel. Alle fünf TheraBand-Latex-Listings in der Auszählung zeigen in der Werbegrafik eine „Bestnote SEHR GUT“ eines Vergleichsportals vom Februar 2025. Ein Vergleichsportal ist kein Prüfinstitut; welche Messung hinter der Note steht, geht aus den Angeboten nicht hervor. Die ÖKO-TEST-Note ist das einzige gefundene Laborurteil mit Note für ein TheraBand, und sie stammt aus zweiter Hand.
Ein zweiter Labortest mit TheraBand im Feld existiert, ist aber ebenfalls nicht frei lesbar. Consumer Reports hat 2026 Bänder mit einer Kraft-Längen-Messung geprüft und dabei unter anderem bewertet, wie gleichmäßig die Abstufung innerhalb eines Sets ist und wie groß die Spannweite der Widerstände. Theraband steht in der Liste der geprüften Marken neben Bala und TRX. Die Bewertungen liegen hinter einer Bezahlschranke, frei lesbar ist nur ein Sicherheitsbefund zu einem anderen Hersteller, bei dem sich Bänder am Griff lösten. Für das TheraBand-System ergibt sich daraus kein Ergebnis.
Acht Listings, getrennte Sterne: TheraBand in der Amazon-Auszählung
Wer das System online kauft, trifft nicht auf ein Angebot, sondern auf viele. In der Amazon-Auszählung für diesen Cluster stehen acht TheraBand-Angebote mit eigener Bewertungszahl, von 101 Bewertungen für ein latexfreies 2,50-Meter-Band bis 11.010 für ein 1,50-Meter-Set; die Sternewerte liegen zwischen 4,0 und 4,6. Sterne sind hier Durchschnitte öffentlicher Kundenbewertungen auf Amazon, keine Prüfung und kein Urteil dieser Seite. Mehrere Listings fassen Varianten zusammen. Das „geschnittene“ Band teilt 2.113 Bewertungen auf 18 Farb- und Längenvarianten, das „Original Übungsband“ 2.030 auf 15 Varianten, und das 1,50-Meter-Set führt Latex und latexfrei im selben Pool. Eine Bewertung kann sich also auf eine andere Farbe oder sogar ein anderes Material beziehen als die Variante, die gerade angezeigt wird.
Die Kraftangaben in den Angeboten sind unvollständig. Sechs der acht Listings nennen gar keine Kraft, darunter das 2,50-Meter-Band im PE-Beutel und das als „Farbe 874“ geführte Band. Das 1,50-Meter-Set zeigt in der Werbegrafik Gelb mit 3 Pfund oder 1,4 Kilogramm, Rot mit 1,7 und Grün mit 2,1 Kilogramm, ohne die Dehnung zu nennen. Das „Latex Free Active Recovery Kit“ nennt Spannen: Gelb 3 bis 4,3 Pfund, Blau 5,8 bis 8,5 Pfund, Schwarz 7,3 bis 10,2 Pfund. Eigene Einordnung: Das sind recht genau die Handbuchwerte für 100 und 200 Prozent Dehnung, bei Gelb 3,0 und 4,3, bei Blau 5,8 und 8,6, bei Schwarz 7,3 und 10,2 Pfund. Das Angebot macht aus zwei Messpunkten eine Spanne und sagt nicht, wofür die beiden Zahlen stehen.
Im selben Kit-Angebot nennt der Titel die Farben Gelb, Rot und Grün, die Aufzählung darunter Gelb, Blau und Schwarz. Als Verkäufer der TheraBand-Listings treten verschiedene Händler auf, in der Auszählung unter anderem Natur und Gesund, Change for sport, PARIBLU, Intertrade Berlin, MEIJERS und ergobasis. Ob sie autorisierte Vertriebspartner sind, geht aus den Angeboten nicht hervor; der deutsche Vertrieb wirbt auf seiner Produktseite damit, das Original finde man „nicht beim Discounter um die Ecke“. Eigene Einordnung: Für die Kaufentscheidung ist das zweitrangig, solange Material, Farbe, Länge und Latexhinweis auf der Verpackung stimmen.
Aus der Auszählung lassen sich vier Prüfpunkte für ein TheraBand-Angebot ableiten. Erstens: Steht die Farbe als Name im Angebot, nicht nur als Nummer? Zweitens: Nennen Titel und Materialfeld dasselbe Material? Drittens: Gilt die Bewertungszahl für die gewählte Variante oder für einen Sammelpool? Viertens: Steht bei einer Kilogrammzahl die Dehnung dabei, und passt sie zu einer der beiden Herstellerreihen? Wer diese vier Fragen beantwortet hat, weiß mehr, als der Sternedurchschnitt verrät.
Welche Farbe zuerst: die Auswahlregeln der Herstellerunterlagen
Für die erste Farbe geben die Unterlagen eine Regel und eine Zuordnung. Die Regel steht auf der Artzt-Farbseite: Eine Übung sollte sich mit dem Band etwa 15-mal wiederholen lassen; liegt man deutlich darüber oder darunter, greift man zum stärkeren oder schwächeren Band. Die Zuordnung steht in der Anleitung: Beige und Gelb würden überwiegend in der Reha nach Verletzungen und bei Senioren eingesetzt, Rot und Grün im präventiven Training Untrainierter, Grün und Blau bei Trainierten, Schwarz erst im gut trainierten Zustand, Silber und Gold vorwiegend im Leistungssport.
Andere Unterlagen setzen das Kriterium anders. Das englische Handbuch von 2012 empfiehlt, die Farbe so zu wählen, dass 8 bis 12 Wiederholungen bis zur Ermüdung möglich sind, und nennt an anderer Stelle 2 bis 3 Sätze mit 10 bis 15 Wiederholungen bei leichter Ermüdung im letzten Satz. PluSport ordnet Senioren Gelb zu, Frauen und Männern Rot, Grün und Blau und Leistungssportlern Schwarz bis Gold. Die Artzt-Anleitung fügt eine Obergrenze hinzu: Die Belastung solle nie als sehr schwer empfunden werden, sonst sei ein leichteres Band zu nehmen. Die Physiotherapie-Merkblätter aus West Hertfordshire und von UW Medicine enthalten gar keine Farbtabelle; Stärke beziehungsweise Wiederholungen legt dort die Therapie fest.
Eigene Einordnung: Die Wiederholungsregel ist das brauchbarere Werkzeug, weil sie unabhängig davon funktioniert, welche Krafttabelle stimmt. Wer mit Grün 15 saubere Wiederholungen schafft, braucht nicht zu wissen, ob das Band 2,1 oder 2,3 Kilogramm zieht. Wie viele Sätze, wie oft pro Woche und mit welchem Plan trainiert wird, widerspricht sich zwischen Kassen und Verbänden deutlich; diese Zahlen und die Übungsausführung stehen gesammelt bei den Übungen mit Widerstandsband nach Kassenblättern.
Für die Steigerung nennen die Unterlagen zwei Hebel. Die Artzt-Produktseite schreibt, die Belastung lasse sich über die Stärke, also die Farbe, oder über die Dehnung erhöhen. Das Handbuch empfiehlt den Wechsel zur nächsten Farbe, sobald 3 Sätze mit 10 bis 15 Wiederholungen leicht fallen. Nach der Stufenregel bedeutet jeder Farbwechsel im Bereich bis Schwarz rund ein Viertel mehr Kraft bei gleicher Dehnung, ab Schwarz rund 40 Prozent. Wer kürzer greift, erhöht die Dehnung und damit die Kraft innerhalb derselben Farbe.
Anstrengung statt Kilogramm: Skalen für die Bandwahl
Weil die Kilogrammzahl nur eine Größenordnung ist, setzen Hersteller und Fachleute zusätzlich auf das Anstrengungsempfinden. Das Handbuch von 2012 nennt neben der Wiederholungsregel die „Rating of Perceived Exertion“ als zweite Möglichkeit, die Intensität zu dosieren, und stellt eine Skala vor, die Juan Carlos Colado von der Universität Valencia eigens für Thera-Band-Produkte validiert habe. Die US-Shopseite von Performance Health führt dazu zwei Arbeiten von Colado aus den Jahren 2012 und 2014 an.
Nach den Zusammenfassungen dieser Arbeiten erwiesen sich die Anstrengungsskalen für Bänder als valide, mit Übereinstimmungswerten von 0,58 bis 0,76 im Intraklassen-Korrelationskoeffizienten. Gelesen wurden nur die Zusammenfassungen, Stichproben und Protokolle stehen dort nicht vollständig. Consumer Reports zitiert 2026 einen Fachmann, der für den Einstieg eine empfundene Anstrengung von 4 bis 6 auf einer Zehnerskala nennt und rät, das Band auf etwa die Hälfte seiner maximalen Länge vorzudehnen, damit schon zu Beginn Spannung besteht.
Die Artzt-Anleitung formuliert den zweiten Punkt ähnlich: Jede Übung beginne mit einem leicht vorgespannten Band, diese Spannung diene in erster Linie der Gelenksicherung. Außerdem habe die Zugrichtung deutlichen Einfluss auf die beanspruchten Muskeln; bei 90 Grad zwischen Band und Körpersegment sei der Widerstand maximal, unter 30 Grad wirke kein effektiver Widerstand. Eigene Einordnung: Das erklärt, warum dieselbe Farbe sich bei verschiedenen Übungen verschieden schwer anfühlen kann, und warum eine Kilogrammzahl ohne Winkel und Dehnung wenig sagt.
Uchida und Kollegen beschreiben das Problem aus der Sicht der Fachleute: Bei elastischen Bändern gebe es keine sichtbare Anzeige der Spannung, und die Last ändere sich mit der Dehnung, deshalb sei die genaue Belastung jeder Wiederholung schwer zu bestimmen. Die einzige Linie im gelesenen Sortiment, die darauf mit einer Markierung antwortet, sind die High Resistance Bands mit ihrem Oval, das bei 100 Prozent zum Kreis wird. Für die übrigen Bänder bleiben Wiederholungsregel und Anstrengungsskala die praktischen Werkzeuge.
Fünf Lagen, fünf Antworten: welche Linie zu welcher Situation passt
Wer ein Übungsblatt aus der Physiotherapie mit einer TheraBand-Farbe in der Hand hat, sucht am besten genau dieses System in genau dieser Farbe. Der Grund ist die fehlende Übertragbarkeit: Eine andere Marke mit derselben Farbe kann bei gleicher Dehnung ein Mehrfaches ziehen. Nennt das Blatt keine Bauform, lohnt die Rückfrage, ob das Flachband gemeint ist; ein Loop gleicher Farbe zieht nach Herstellerangabe doppelt so stark. Fehlt die Farbe im gewünschten Format, etwa Silber beim 2,50-Meter-Band, bleibt die Rolle oder die Rückfrage bei der Therapeutin.
Wer eine Latexallergie hat oder vermutet, hat innerhalb des Systems zwei Wege: das latexfreie Flachband und das CLX. Beide folgen laut Hersteller der Farbskala, Beige fehlt. Ein Angebot, dessen Titel „latexfrei“ sagt, sollte auch im Materialfeld und auf der Verpackung so heißen. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt die 25-Meter-Rolle mit Naturkautschuk im Datenfeld.
Wer das Wickeln um Hände und Füße als lästig empfindet, findet im CLX mit seinen elf Schlaufen eine Lösung ohne Wicklung; Artzt zitiert dazu eine Pilates-Trainerin mit „kein Einschneiden mehr“. Ob das CLX für eine bestimmte Erkrankung besser ist, sagt keine Studie. Wer überwiegend Hüfte und Beine trainiert, etwa seitliches Gehen mit Band um die Knie, greift eher zum Loop, dessen drei Zoll Breite laut Hersteller das Einrollen an Knöchel und Bein verringert, und wählt nach der Verdopplungsangabe eine leichtere Farbe als beim Flachband.
Wer eine Praxis, eine Sportgruppe oder einen Seniorentreff ausstattet, ist bei der Rollenware richtig, die laut Artzt genau dafür gedacht ist. Wer dagegen als Erwachsener ohne Beschwerden zu Hause Kraft trainieren will und vor allem schwere Lasten sucht, stößt mit dem Flachband nach der Tabelle von 2012 bei 6,5 Kilogramm für Gold an eine Grenze; dann ist eher der Direktvergleich Widerstandsband oder Hanteln die passende Lektüre.
Eine fünfte Lage kommt in den Foren vor: Ein Nutzer in r/FitnessDE beschreibt, wie er Dips zunächst „mit dem Theraband“ geübt habe. Für Klimmzüge oder Dips mit Körpergewicht sind die Flachbänder nach Herstellerangabe nicht gedacht. Performance Health schreibt: „Never use this product to lift a person“ und auch nicht, um das eigene Körpergewicht zu stützen. Für diesen Zweck gibt es eigens als Klimmzughilfe verkaufte Powerbands, die im Vergleich der Klimmzugbänder stehen.
Kippfrage und Ausschluss: wann ein anderes Band besser passt
Die Kippfrage dieser Seite lautet: Gibt es eine Farbvorgabe aus Therapie oder Arztpraxis? Wenn ja und die Vorgabe sich auf TheraBand bezieht, kippt die Entscheidung klar zum Original, weil nur dort die Farbe genau die Stufe bedeutet, die gemeint ist. Wenn nein, verliert die Marke diesen Vorteil. Dann zählen Material, Länge, Bauform und eine Kraftangabe mit Dehnungsbezug, und die kann ein anderes Band genauso liefern oder auch nicht. Eine Studie, die TheraBand mit anderen Marken im Training vergleicht, wurde nicht gefunden.
Ausschlusskriterien lassen sich aus den Herstellerunterlagen direkt ablesen. Das Latexband scheidet aus bei Latexallergie, laut Artzt auch bei Kontakt mit verletzter Haut oder Schleimhaut. Jedes TheraBand-Flachband scheidet aus als Stütze für das Körpergewicht und zum Anheben von Personen. Ungeeignet ist es nach Herstellerangabe als Spielzeug: Kinder sollen nur unter Aufsicht üben. Ein Band mit Löchern, seitlichen Rissen oder porösen Stellen scheidet ebenfalls aus; laut Artzt soll niemals mit einem beschädigten oder porösen Band trainiert werden.
Bei Kindern sind die Unterlagen nicht ganz einig. Die Artzt-Farbseite nennt für Rot ausdrücklich „spielerisches Kindertraining“ als Einsatz. Dieselbe Firma schreibt in der Anleitung, das Band sei kein Spielgerät für Kinder, sie sollten nur unter Aufsicht üben. Das englische Handbuch geht weiter: Vor dem Training von Kindern sei ärztlicher Rat einzuholen, ohne Aufsicht sollten sie das Band nicht benutzen. Eigene Einordnung: Zusammen heißt das, ein rotes Band kann für angeleitete Übungen mit Kindern gedacht sein, als Spielzeug im Kinderzimmer ist es nach allen drei Quellen falsch.
Ein Abbruchpunkt für den Kauf lässt sich aus der Leistungsseite ableiten. Wer Lasten jenseits dessen braucht, was die Tabelle für Silber und Gold angibt, braucht kein weiteres Flachband, sondern eine andere Lösung, etwa Hanteln oder die High Resistance Bands mit 15 bis 50 Pfund. Wer dagegen nur wissen will, ob ein Band für leichte Mobilisation reicht, braucht kein Set mit acht Farben: Ein einzelnes Band in der Farbe, mit der 15 Wiederholungen gelingen, reicht nach der Artzt-Regel für den Einstieg in eine Übung.
Eine weitere Grenze betrifft Messbarkeit. Die Stiftung Warentest schreibt in ihrem Schnelltest eines Sensorbands, der Widerstand von Fitnessbändern sei schwierig optimal zu dosieren und vergleichbar zu wiederholen. Das gilt auch für das Original: Ohne Messung der Dehnung bleibt jede Kilogrammzahl eine Schätzung. Eigene Einordnung: Wer eine reproduzierbare Last braucht, etwa für einen Leistungstest, ist mit einem Band nur bedingt richtig.
Pudern, abwischen, desinfizieren: Pflege nach Hersteller und Linie
Für die Pflege gibt es zwei Herstellerstimmen, und sie unterscheiden sich beim Desinfizieren. Die Artzt-Anleitung für das Latexband schreibt: Verschmutzte Bänder lassen sich mit Wasser und Seife reinigen und sind nach flächigem Trocknen und Pudern wieder einsatzbereit; regelmäßiges Pudern verhindere ein Verkleben durch Feuchtigkeit oder Schweiß. Und: „Zur Desinfektion nach jedem Einsatz eignen sich gebrauchsfertige Einwegtücher“ für glatte Oberflächen und Medizinprodukte.
Performance Health schreibt auf seiner Pflege- und Sicherheitsseite den Desinfektionshinweis ausdrücklich nur für die Non-Latex-Produkte. Das zugehörige Merkblatt für Non-Latex-Bänder und CLX erlaubt ausschließlich Mittel mit quartären Ammoniumverbindungen und nennt Beispielprodukte; ausgeschlossen werden Bleichmittel, Isopropanol, Ethanol und Natriumhypochlorit, außerdem Mittel mit Duftstoffen. Das Band soll nicht nass benutzt werden. Für Latexbänder nennt die US-Seite nur milde Seife und warmes Wasser.
| Pflegeschritt | Latexband laut Artzt-Anleitung | Non-Latex und CLX laut Performance Health |
|---|---|---|
| Reinigen | Wasser und Seife, flächig trocknen | milde Seife, warmes Wasser, trocken tupfen |
| Pudern | regelmäßig mit Talkum oder Puder | nicht nötig (Artzt zum CLX) |
| Desinfizieren | gebrauchsfertige Einwegtücher für Medizinprodukte | nur quartäre Ammoniumverbindungen; kein Alkohol, kein Bleichmittel |
| Nach Chlorwasser | mit chlorfreiem Wasser abspülen, flach trocknen | mit Leitungswasser abspülen, an der Luft trocknen |
| Lagern | aufgerollt in Tasche oder Schachtel, vor Sonne und Hitze schützen | kühl, trocken, ohne direkte Sonne |
Eine dritte Stimme kommt aus der Klinik. Das Patientenblatt des NHS-Krankenhauses in West Hertfordshire empfiehlt klares Wasser, auf Wunsch Talkum, und zum Desinfizieren „only clean alcohol“. Für Latexbänder steht das keiner Herstellerangabe direkt entgegen, für Non-Latex-Bänder widerspricht es dem Merkblatt von Performance Health, das Ethanol und Isopropanol ausschließt. Eigene Einordnung: Wer ein latexfreies TheraBand desinfizieren will, hält sich an das Merkblatt des Herstellers; ein pauschales Verbot jeder Desinfektion steht in keiner der gelesenen Herstellerunterlagen.
Das Handbuch von 2012 ergänzt, dass ein klebrig gewordenes Band mit milder Seife und Wasser gereinigt, flach getrocknet und dann mit Talkum, Babypuder oder Speisestärke bestäubt werden kann. Nach dem Training sollen Bänder laut Performance Health von Zubehör und Ankerpunkten gelöst werden. Ringe und lange Fingernägel nennen Artzt und das Handbuch als Gefahr für das Band, Artzt zusätzlich raue Turnschuhsohlen; Löcher und Kerben können laut Handbuch zum Reißen führen.
Austausch nach etwa einem Jahr und die Prüfung vor jedem Training
Wie lange ein Band hält, beantwortet unter den gelesenen Herstellerquellen nur eine mit einer Zahl. Die Artzt-Anleitung schreibt, das Übungsband sei ein Naturprodukt aus Latex, dessen Elastizität mit der Zeit nachlasse; bei regelmäßiger und häufiger Anwendung solle es „in der Regel nach ca. einem Jahr“ ausgetauscht werden, bei sichtbaren Schäden sofort. Consumer Reports zitiert einen vom American College of Sports Medicine zertifizierten Fachmann mit „about six to 12 months“ bei regelmäßiger Nutzung; das ist eine Expertenaussage, keine Messung. Für die Folgekosten heißt das: Ein Band ist ein Verschleißteil, und ein Nachkauf gehört bei regelmäßigem Training zum Plan.
Performance Health wirbt dagegen mit „100% consistent pull force over repeated use“. Eine Materialprüfung im Journal of the Medical Association of Thailand von 2016 fand bei TheraBand nach 3.000 Zyklen eine um 10 Prozent geringere mittlere Dehnkraft, bei Gummiringketten 6,3 Prozent; gelesen wurde die Zusammenfassung. Wie viele Zyklen ein Jahr Training bedeutet, hängt vom Plan ab. Eigene Rechnung: Dreimal pro Woche zehn Übungen mit je 15 Wiederholungen ergeben rund 450 Dehnungen pro Woche und nach sieben Wochen etwa 3.000. Wie weit sich der Laborwert auf das Training zu Hause übertragen lässt, sagt die Zusammenfassung nicht.
Was nach dem Kauf zuerst zu tun ist, ergibt sich aus denselben Unterlagen. Beim Auspacken lohnt der Abgleich mit der Bestellung: Farbe als Name, Material und Latexhinweis auf der Verpackung, Länge. Dann die Sichtprüfung auf Löcher und seitliche Risse, die Artzt vor jedem Training verlangt, also auch vor dem ersten. Ein Latexband ist ab Werk mit Talkum versehen; es soll laut Anleitung im Gebrauch regelmäßig nachgepudert und aufgerollt in Tasche oder Schachtel gelagert werden. Wer das Band für eine Therapie bekommen hat, nimmt die erste Übung am besten so auf, wie die Therapeutin sie gezeigt hat; Performance Health empfiehlt, Übungen erst ohne Band zu üben, bis sie sicher sitzen.
Vor jedem Training soll das Band laut Artzt auf kleine Löcher, seitliche Risse und Porosität geprüft werden; Performance Health verlangt die Prüfung vor und nach jeder Nutzung, ausdrücklich auch an Stellen, an denen das Band geknotet oder an einem Anker befestigt war. Bei der Befestigung widersprechen sich die Unterlagen: Das Handbuch von 2012 zeigt, wie man Schlaufen mit Kreuzknoten bindet. Die aktuelle Artzt-Anleitung rät, für eine Schlinge den TheraBand Assist zu nutzen und auf Knoten und Plastikklammern zu verzichten; Klammern könnten sich lösen und zu gefährlichen Gegenständen werden. Die britische Loop-Seite nennt Knoten als mögliche Ursache für vorzeitiges Versagen.
Auch die Dehngrenze steht in zwei Formulierungen da, die leicht verwechselt werden. Performance Health und das Handbuch schreiben, das Band dürfe nicht über das Dreifache seiner Ruhelänge gedehnt werden, also ein 30-Zentimeter-Stück nicht über 90 Zentimeter Gesamtlänge. Das entspricht 200 Prozent Dehnung (eigene Umrechnung). Die Artzt-Anleitung spricht von einem möglichen Reißen bei einer Dehnung von mehr als 300 Prozent, also über das Vierfache der Ruhelänge. Beide Angaben schließen sich nicht aus, die eine ist eine Gebrauchsgrenze, die andere beschreibt, wo Reißen möglich wird. Wer sich an das Dreifache der Ruhelänge hält, bleibt unter beiden.
Zum Schutz der Augen schreibt das Handbuch, Übungen zu vermeiden, bei denen das Band Richtung Kopf zurückschnellen kann, und bei solchen Übungen eine Schutzbrille zu tragen; das CLX-Merkblatt sagt kürzer „Always wear eye protection“. Die Artzt-Tasche lässt sich als Türanker nutzen, laut Anleitung immer entgegen der Öffnungsrichtung und nie an Glastüren. Performance Health ergänzt, dass jedes Band reißen oder vom Ankerpunkt abrutschen kann, und verlangt, den Befestigungspunkt während der gesamten Übung im Blick zu behalten und das Band unter Spannung nie loszulassen. Was über Türanker, Produktrückrufe und Augenverletzungen belegt ist, führt der oben verlinkte Vergleich von Tubes und Türankern aus.
Lücken im Angebot: keine Prüfwerte, keine Messbedingung, keine gültige Tabelle
Drei Dinge, die eine Käuferin für eine belastbare Entscheidung bräuchte, liefert der Markt nicht, jedenfalls nicht für dieses System. Erstens eine veröffentlichte Prüfung: Performance Health beruft sich auf ein ISO-17025-akkreditiertes Labor für Zugkraft und Zyklustests, nennt aber weder Labor noch Ergebnis. Zweitens eine eindeutige Krafttabelle: Händler, Apotheken und Studien zitieren zwei Reihen, und keine Herstellerunterlage erklärt, welche gilt und warum sich die Werte geändert haben.
Drittens fehlt bei den Online-Angeboten der Bezug zur Dehnung. Die Werbegrafik des TheraBand-Sets mit der größten Bewertungsbasis nennt Kilogramm je Farbe, aber nicht, bei welcher Dehnung; mehrere TheraBand-Listings nennen gar keine Kraft. In der Auszählung aller 137 Bandangebote nannten nur drei überhaupt eine Dehnung zur Kraftangabe, keines davon war ein TheraBand. Die Herstellerseiten selbst sind an dieser Stelle besser als die Angebote, die sie verkaufen.
Dabei wirbt der Hersteller ausdrücklich mit Prüfung. Die Artzt-Seiten tragen den Satz „Getestet und geprüft von TheraBand“ zum „Trusted Progression System“, theraband.com spricht von Widerstandsstufen, die in den eigenen Werken auf Zugkraft geprüft und validiert würden. Eigene Einordnung: Eine Prüfung im eigenen Werk kann sinnvoll sein, sie ersetzt aber keine veröffentlichte Messung, an der sich Käuferinnen orientieren könnten. Solange die Prüfergebnisse nicht zugänglich sind, bleibt für Außenstehende nur der Vergleich mit den beiden unabhängigen Studien.
Was es außerdem nicht gibt: einen unabhängigen, aktuellen Test mit frei lesbarem Ergebnis, eine Studie zur Haltbarkeit der latexfreien Linie und eine Aussage, ob das System bei anderer Raumtemperatur andere Kräfte liefert. Die Lücke ist kein Grund gegen das Band, aber ein Grund, den Kilogrammzahlen auf Verpackung und Angebotsseite mit Abstand zu begegnen. Die Farbfolge ist belegt, die genaue Kraft ist es nicht.
Offene Punkte, für die keine Quelle gefunden wurde
- Welche der beiden Krafttabellen der Hersteller heute für gültig hält und warum die Werte von 2003 über denen von 2012 liegen.
- Name des ISO-17025-Labors und die Ergebnisse der Zugkraft- und Zyklustests für die latexfreien Bänder.
- Ob Rollen, 1,50-Meter-Sets, Loops und CLX in der EU ebenfalls als Medizinprodukt in Verkehr gebracht werden; die gelesene Erklärung betrifft nur das 2,50-Meter-Band in der Tasche.
- Ein Eintrag für Übungsbänder im Hilfsmittelverzeichnis; das Online-Verzeichnis ließ sich nicht durchsuchen, Apothekenhinweise zu Rezept und Zuzahlung standen nur in Suchmaschinen-Auszügen.
- Welcher Stoff beim roten TheraBand im ÖKO-TEST 2020 zur Note „befriedigend“ bei den Inhaltsstoffen führte.
- Eine unabhängige Studie zu Kraftverlauf und Haltbarkeit der latexfreien Linie und des CLX über viele Zyklen.
- Warum Beige bei den latexfreien Linien und beim CLX fehlt.
- Die Breite des 2,50-Meter-Bands in einer Angabe des deutschen Vertriebs.
- Kraftwerte der Loops bei anderen Dehnungen als 100 Prozent und Angaben zu ihrer Ruhelänge in Zentimetern vom deutschen Vertrieb.
- Eine Messung der Bandkraft bei verschiedenen Temperaturen; Uchida nennt das nur als Grenze der eigenen Studie.
Datenblätter, Studien und Register hinter dieser Seite
Alle Quellen wurden am 25. Oktober 2026 abgerufen. Herstellerangaben sind als solche gekennzeichnet; Studien wurden im Volltext gelesen, wo das vermerkt ist, sonst als Zusammenfassung. Beträge aus Shop- und Testseiten sind nicht übernommen.
- Ludwig Artzt: TheraBand Farben, welche Stärke brauche ich? (Herstellerangabe, Vertrieb DE)
- Ludwig Artzt: THERABAND 2,50 m inkl. Türanker-Tasche (Herstellerangabe)
- Ludwig Artzt: Konformitätserklärung TheraBand Übungsband 2,5 m in Türanker-Tasche, Version 3, 15.04.2025
- Ludwig Artzt: TheraBand Übungsband, Übungsanleitung und Produktinformationen, 90115 V9 0724
- TheraBand-Übungsanleitung, Fassung ohne Datum, bereitgestellt von therapiebedarf24
- Ludwig Artzt: TheraBand CLX (Herstellerangabe)
- Ludwig Artzt: TheraBand latexfrei 22,85 m (Herstellerangabe)
- Thera-Band: Resistance Band & Tubing Instruction Manual, 2012
- Performance Health: THERABAND Professional Latex Resistance Bands
- Performance Health: THERABAND Professional Non-Latex Resistance Bands
- Performance Health: THERABAND CLX
- Performance Health: THERABAND High Resistance Bands
- Performance Health UK: THERABAND Professional Resistance Band Loops
- Performance Health US: Professional Latex Resistance Bands, Force-Elongation-Text
- Performance Health: THERABAND Care and Safety
- Performance Health: Non-Latex und CLX, Cleaning and Disinfecting, 2022
- Shop Apotheke: Theraband Übungsband 2,5 m, Tabelle Widerstand bei 100 % Dehnung (Händlerangabe)
- Uchida MC et al.: Thera-band elastic band tension, reference values for physical activity. J Phys Ther Sci 2016 (Volltext)
- Agustín RM et al.: Mechanical Evaluation of the Resistance of Theraband CLX. J Sport Rehabil 2023 (Zusammenfassung)
- Jaroenporn W, Chanlalit C: Material Properties of Thera-Band and Chained-Rubber Band. J Med Assoc Thai 2016 (Zusammenfassung)
- ÖKO-TEST: Fitnessgeräte-Test, Magazin Januar 2020 (Einzelnoten hinter Bezahlschranke)
- t-online: Bericht über den ÖKO-TEST 2020 mit Einzelnoten, aktualisiert 12.01.2024 (Affiliate-Ratgeber)
- GKV-Spitzenverband: Fortschreibung Produktgruppe 32 Therapeutische Bewegungsgeräte, 26.06.2025
- GKV-Spitzenverband: 9. Fortschreibungsbericht Hilfsmittelverzeichnis, 2026
- Verordnung über Hilfsmittel von geringem therapeutischem Nutzen oder geringem Abgabepreis (KVHilfsmV)
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte, Artikel 2, Anhang VI und Anhang VIII
- PluSport Behindertensport Schweiz: Praxis Plus Thera-Band
- West Hertfordshire Teaching Hospitals NHS Trust: Resistance Bands, Patient Information, Oktober 2024
- Consumer Reports: Best Resistance Bands of 2026, aktualisiert 22.05.2026
- Stiftung Warentest: Schnelltest Sensorband Straffr, 20.07.2022
- Fitness First: Theraband-Übungen, Bandlänge im Stehen und Sitzen
FAQ
Häufige Fragen
Welche Theraband-Farbe ist die stärkste?
Im TheraBand-System steigt die Zugkraft von Beige über Gelb, Rot, Grün, Blau und Schwarz bis Silber und Gold; Gold ist die stärkste Stufe. Die Reihenfolge gilt nur für diese Marke. Andere Hersteller ordnen dieselben Farben anders, bei mehreren Klimmzug- und Latex-Sets ist Grün die stärkste Stufe.
Wie viel kg zieht ein grünes Theraband?
Laut Handbuch von 2012 und Artzt-Farbseite 2,1 Kilogramm bei 100 Prozent Dehnung, also bei doppelter Ruhelänge, und 3,0 Kilogramm bei 200 Prozent. Eine ältere Referenzreihe von 2003 nennt 2,27 Kilogramm bei 100 Prozent. Uchida und Kollegen maßen 2016 im Labor 1,82 Kilogramm.
Warum gibt es für TheraBand zwei verschiedene Krafttabellen?
Im Umlauf sind eine Referenzreihe der TheraBand Academy von 2003 und die Tabelle des Instruction Manual von 2012. Bei Gelb bis Grün liegen sie dicht beieinander, bei Gold nennt die ältere Reihe 9,8, die jüngere 6,5 Kilogramm bei 100 Prozent Dehnung. Warum die Werte sich unterscheiden, erklärt keine der gelesenen Herstellerunterlagen.
Bekommt man ein Theraband auf Rezept?
Belegt ist das nicht. Der GKV-Spitzenverband schreibt in der Produktgruppe 32, handelsübliche Übungs-, Gymnastik- und Fitnessgeräte wie Expander seien keine Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung; Übungsbänder nennt der Text nicht ausdrücklich. Ob ein verordnetes Band übernommen wird, entscheidet die Krankenkasse, dort sollte man vorher nachfragen.
Ist ein Theraband ein Medizinprodukt?
Das 2,50-Meter-Band in der Türanker-Tasche von Ludwig Artzt ist laut Konformitätserklärung vom 15. April 2025 ein Medizinprodukt der Klasse I nach der EU-Verordnung 2017/745. Die Erklärung erfasst die Farben Gelb bis Schwarz dieses einen Produkts. Für Rollen, Sets, Loops und das CLX in der EU wurde keine solche Erklärung gelesen.
Gibt es Theraband ohne Latex?
Ja, der Hersteller bietet latexfreie Flachbänder und das CLX aus Synthesekautschuk an, puder- und geruchsfrei und in derselben Farbskala ohne Beige. Bei Online-Angeboten lohnt der Blick ins Materialfeld: Eine als latexfrei angebotene Rolle nannte dort Naturkautschuk.
Wie lang sollte ein Theraband sein?
Die Artzt-Anleitung nennt 2,50 bis 3 Meter als ideale Länge, weil zu kurze Bänder hohe Kraftanstiege und ein Reißen begünstigen. Erhältlich sind ein Set mit 1,50 Metern, das 2,50-Meter-Band und Rollen zum Zuschneiden. Dehnen sollte man laut Performance Health höchstens auf das Dreifache der Ruhelänge.
Wie reinigt man ein Theraband?
Ein Latexband wird laut Artzt mit Wasser und Seife gereinigt, flach getrocknet und gepudert; zum Desinfizieren nennt Artzt gebrauchsfertige Einwegtücher für Medizinprodukte. Für latexfreie Bänder und das CLX erlaubt Performance Health nur Mittel mit quartären Ammoniumverbindungen, keinen Alkohol und kein Bleichmittel. Austauschen sollte man das Band laut Artzt bei regelmäßiger Nutzung nach etwa einem Jahr.