Kindergeschirr: Material & Schadstoffe
Kindergeschirr und Schadstoffe: warum Melamin nicht für Warmes taugt, Bambusgeschirr nicht zugelassen ist und welche Grenzwerte für Kinder gelten.
Die Kurzfassung: Zwei Materialien sind bei Kindergeschirr problematisch. Melamin-Formaldehyd-Harz zersetzt sich bei Hitze — das BfR rät davon ab, heiße Speisen daraus zu essen, ausdrücklich auch Säuglingsfolgenahrung. Und Kunststoff mit Bambusmehl ist in der EU gar nicht zugelassen. Unproblematisch sind Silikon, Edelstahl, Glas und Porzellan — bei Porzellan mit einer Ausnahme, dem bedruckten Trinkrand.
Wenn du Bambusgeschirr im Schrank hast
Die Verbraucherzentrale ist an dieser Stelle eindeutig: „Benutzen Sie bereits erworbenes Geschirr aus dem Material in keinem Fall weiter!" Gemeint ist Kunststoff mit Bambusmehl, nicht echtes Bambusholz. Der Unterschied ist am Aussehen erkennbar — dazu weiter unten mehr.
Welche Materialien gibt es — und was taugen sie?
| Material | Heiße Speisen | Mikrowelle | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Silikon | ja | je nach Angabe | empfehlenswert |
| Edelstahl | ja | nein | empfehlenswert |
| Glas | ja | meist ja | empfehlenswert |
| Porzellan | ja | meist ja | empfehlenswert, Trinkrand beachten |
| PP / HDPE | je nach Angabe | je nach Angabe | vertretbar |
| Melaminharz (MFH) | nein | nein | nicht für warmes Essen |
| Kunststoff mit Bambusmehl | nein | nein | nicht verkehrsfähig |
Die Verbraucherzentralen empfehlen als Mehrweggeschirr ausdrücklich Edelstahl, Glas und Porzellan. Bei Kunststoff halten sie sich bewusst zurück: „Generelle Empfehlungen für bestimmte Kunststoffsorten können die Verbraucherzentralen daher nicht aussprechen." Als vergleichsweise unauffällig nennen sie HDPE und das hitzebeständigere PP (Polypropylen), die „bisher seltener durch Schadstofffreisetzung auffielen".
Was passiert bei Melamingeschirr genau?
Melamin-Formaldehyd-Harz ist ein Duroplast: Melamin und Formaldehyd werden unter Druck und Hitze zu einem festen Kunststoff vernetzt. Diese Vernetzung ist nicht dauerhaft stabil. Bei Wärme — besonders in Verbindung mit säurehaltigen Lebensmitteln wie Tomatensauce, Apfelmus oder Obstbrei — löst sich das Netzwerk teilweise wieder auf, und beide Ausgangsstoffe gehen ins Essen über.
Das BfR nannte 2011 dafür die Schwelle 70 Grad Celsius. Zwei Zahlen aus derselben Stellungnahme zeigen die Größenordnung: Bei Heißabfüllung wurden bis zu 4,6 Milligramm Melamin pro Kilogramm gemessen, unter Kochbedingungen bis zu 14,4. Bei eigenen Versuchen mit zwei Melamin-Kochlöffeln — zwei Stunden bei Siedetemperatur — lagen die Werte im dritten Migrationstest bei 33 Milligramm pro Quadratdezimeter Melamin und bis zu 22 Formaldehyd. Der Kochlöffel ist damit das meistübersehene Problemprodukt dieser Materialgruppe.
Die BfR-Position hat sich verschärft
Das ist der Punkt, an dem viele Ratgeber einen veralteten Stand wiedergeben. In der Stellungnahme 012/2011 hielt das BfR das Einfüllen heißer Getränke und Speisen in Melaminbecher noch für unbedenklich, solange 70 Grad nicht überschritten werden.
In der Stellungnahme 046/2019 und in der aktuellen FAQ vom 17. Juli 2026 rät das BfR dagegen ausdrücklich davon ab, heiße Speisen und Getränke aus MFH-Geschirr zu essen oder zu trinken — und nennt namentlich auch Schalen zur Zubereitung von Säuglingsfolgenahrung. Die Mikrowelle ist ganz ausgeschlossen. Ein zweiter Grund für die Verschärfung ist rechtlicher Natur: Der Melamin-Grenzwert wurde zwischenzeitlich von 30 auf 2,5 Milligramm pro Kilogramm gesenkt, nachdem die EFSA 2010 die duldbare Aufnahmemenge deutlich reduziert hatte. Wer die 2011er Aussage zitiert, ohne die Verschärfung zu nennen, gibt einen überholten Stand wieder.
Für kalte Speisen bleibt Melamin unbedenklich
Das gehört zur Fairness dazu. Das BfR schreibt: „Für die Verwendung von MFH-Produkten bei niedrigen Temperaturen, beispielsweise für kalte oder lauwarme Lebensmittel, sind jedoch keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten." Und die Stiftung Warentest formuliert es ähnlich: „Grundsätzlich ist Melaminharz kein gefährlicher Stoff. Kindergeschirr besteht oft daraus und ist meist sicher."
Auch die Einordnung zum Melamin-Skandal von 2008 in China nimmt das BfR vor: Die damaligen Aufnahmemengen lagen „um mehrere Größenordnungen höher"; eine vergleichbare Schädigung durch Geschirr sei „sehr unwahrscheinlich". Das Problem ist also kein akutes Vergiftungsrisiko, sondern eine vermeidbare Dauerbelastung — bei einem Personenkreis, für den der Gesetzgeber ohnehin strengere Maßstäbe vorsieht.
Warum Bambusgeschirr nicht zugelassen ist
Weil es kein Bambusgeschirr ist. Das CVUA Stuttgart fand bereits 2014 in 11 von 13 Proben Melaminharz, bei einem Bambusfaseranteil von nur 20 bis 37 Prozent. Der Rest ist Kunststoff. Und für den gilt das Positivlistenprinzip der Verordnung (EU) Nr. 10/2011: Es dürfen nur Stoffe verwendet werden, die ausdrücklich zugelassen sind.
Die EU-Sachverständigengruppe stellte 2020 fest: „Da in der Unionsliste kein anderer Stoff aufgeführt ist, der Bambus abdeckt … gibt es keine Rechtsgrundlage für die Verwendung von Bambus als Zusatzstoff in Kunststoffen." Botanisch ist Bambus ein Gras, kein Holz — die Zulassung für Holzmehl half also ohnehin nicht weiter. Und 2023 wurde auch diese widerrufen, weil die EFSA die Annahme, Holz sei inert, „nicht nachvollziehen" konnte.
Zur Redlichkeit: Diese Sachverständigen-Note trägt einen Disclaimer und wurde von der Kommission „weder angenommen noch gebilligt". Sie ist die maßgebliche Auslegung, aber kein Verordnungstext. Praktisch hat sie gewirkt — laut Verbraucherzentrale ist das Material „durch einen EU-weiten koordinierten Rückruf weitgehend vom Markt verschwunden".
Was die Messungen zeigen
Die Zahlen sind deutlich. Das BfR wertete Daten zu 366 Bechern, Tassen und Schalen aus. Bei etwa einem Viertel der Bambusware wurde die duldbare tägliche Aufnahmemenge für Formaldehyd „um das bis zu 30-fache für Erwachsene bzw. um das bis zu 120-fache für Kinder" überschritten. Beim Melamin setzte Bambusware „mehr als doppelt so viel" frei wie herkömmliches MFH; Kleinkinder könnten „täglich bis zur dreifachen Menge des TDI aufnehmen".
Wichtig zur korrekten Wiedergabe: Die 120-fache Überschreitung betrifft die duldbare Aufnahmemenge, nicht den Migrationsgrenzwert. Für den nennt die aktuelle BfR-FAQ einen anderen Wert: Beim höchsten gemessenen Formaldehydwert lag die Überschreitung des Grenzwerts beim 60-fachen. Und: „Bei etwa einem Drittel der geprüften Gegenstände [Bambusware] wurde … eine Überschreitung der Grenzwerte festgestellt. Eine zu hohe Freisetzung wurde auch bei etwa 15 Prozent der herkömmlichen MFH-Gegenstände gemessen — allerdings war diese Überschreitung maximal dreifach."
Das Geschirr wird mit jeder Benutzung schlechter
Das ist der kontraintuitivste Befund und der stärkste Grund gegen dieses Material. Das BfR beobachtete „bei wiederholten Tests an ein und demselben Geschirr eine von Test zu Test zunehmende Freisetzung von Melamin". Das CVUA Stuttgart hat das über zwölf Prüfungen ausgemessen:
| Prüfung | Melamin (8 von 11 Bechern) | Grenzwert |
|---|---|---|
| 1. Migrationsprüfung | 1,3–2,8 mg/kg | 2,5 mg/kg |
| 3. Migrationsprüfung | 1,5–2,6 mg/kg | 2,5 mg/kg |
| 12. Migrationsprüfung | 3,8–7,1 mg/kg | 2,5 mg/kg |
Das Amt fasst es so zusammen: Der Grenzwert wird „zumeist mit der 4. Migrationsprüfung, spätestens aber mit der 7. Migrationsprüfung überschritten". Ein Becher fiel komplett aus dem Rahmen — dort war der Melaminwert schon beim ersten Test vierfach und der Formaldehydwert 30-fach überschritten; er wurde als gesundheitsschädlich beurteilt, und „ohne äußeren Einfluss [ist] der Boden aus dem Becher herausgefallen".
Seit 2025 hat dieses Verhalten auch rechtliche Folgen: Die Verordnung (EU) 2025/351 verlangt für Mehrweggegenstände ausdrücklich Stabilität — die Migration darf bei der zweiten Prüfung den Wert der ersten und bei der dritten den der zweiten nicht überschreiten. Genau das, was Bambus- und Melaminware zeigt, macht ein Produkt damit nicht konform.
Warum sich Testergebnisse widersprechen
Weil sechs Grad Unterschied genügen. Das CVUA Stuttgart hat gemessen, was passiert, wenn die Prüftemperatur statt 70 nur 64 Grad erreicht: Die Freisetzung sinkt um 46 Prozent beim Melamin und 56 Prozent beim Formaldehyd. Ein Prüfartefakt, das das BfR ebenfalls beschreibt: Bei 100 Grad Trockenschranktemperatur erreicht das Prüfmedium tatsächlich nur 85 bis 90 Grad.
Für Eltern folgt daraus etwas Praktisches: Auf Grenzwerte kann man sich nicht verlassen, weil sie extrem temperaturabhängig sind. Verlässlich ist nur das Verhalten — nichts Heißes in MFH-Geschirr einfüllen, oder gleich ein Material wählen, bei dem die Frage nicht entsteht.
Was gilt für Silikon?
Silikon ist EU-weit nicht so detailliert geregelt wie Kunststoff. In Deutschland ist der Maßstab die BfR-Empfehlung XV: Silikonelastomere dürfen im Rahmen guter Herstellungspraxis nicht mehr als 0,5 Prozent flüchtige organische Bestandteile abgeben. Diese Empfehlungen sind keine Rechtsnormen, geben aber den Stand von Wissenschaft und Technik wieder.
Die Praxis sieht gut aus: Das LGL Bayern fand 2025 bei 60 geprüften Silikon-Backutensilien 90 Prozent unauffällig; die drei Beanstandungen lagen bei 0,7 bis 1,6 Prozent und betrafen ausschließlich Backhelfer. Als Ursache nennt das Amt unzureichendes Tempern, also die abschließende Wärmebehandlung — mit einer bemerkenswert offenen Vermutung: „Angesichts der gestiegenen Energiepreise ist es denkbar, dass Hersteller an dieser Stelle Ressourcen einsparen wollen." Neue Silikonteile vor dem ersten Gebrauch gründlich zu spülen, ist deshalb sinnvoll.
Was gilt für Edelstahl?
Für die Nickelabgabe gibt es keinen gesetzlichen Grenzwert; der Europarat nennt einen Richtwert von 0,14 Milligramm pro Kilogramm Lebensmittel. Das LGL Bayern ordnet ein, dass Edelstahl „bis zu etwa 10 Prozent Nickel enthalten kann", der Wert aber eingehalten wird, wenn Neuware vor dem ersten Gebrauch ausgespült wird.
Zur Allergiefrage ist die Behördenaussage präziser als der Alltagsmythos: „Eine Nickelallergie wird jedoch nur durch die Absorption über die Haut, nicht aber durch orale Aufnahme ausgelöst. Die orale Aufnahme kann aber zu einem Aufflackern einer bereits bestehenden Nickelallergie führen." Eine Behördenbewertung einzelner Sorten wie 18/10 oder 304 haben wir dagegen nicht gefunden — die verbreitete Gleichsetzung ist gängig, aber nicht amtlich belegt. Alle Modelle im Edelstahl-Vergleich.
Und Porzellan? Achte auf den Trinkrand
Materialseitig unproblematisch, mit einer Ausnahme: dem Dekor. Für Blei und Cadmium gelten derzeit 4 Milligramm pro Liter beziehungsweise 0,3; eine geplante EU-Keramikverordnung soll auf 0,010 und 0,002 verschärfen — eine Verschärfung um mehr als das Hundertfache.
Das LGL Bayern beobachtete einen deutlichen Rückgang der Grenzwertüberschreitungen: von 21 Gegenständen 2012 auf einen einzigen 2013. Messbare Übergänge treten aber weiterhin bei bis zu 40 Prozent der Proben auf, „vor allem für den Trinkrand". Für blaue Dekore kommt Cobalt dazu, für das es keinen Grenzwert gibt; einzelne Gegenstände zeigten „Übergänge von weit über 100 Mikrogramm pro Trinkrand". Praktische Konsequenz für Kindergeschirr: Becher mit farbig bedrucktem Trinkrand meiden, unbedrucktes Weißporzellan ist die sichere Variante.
Wie erkenne ich echtes Bambusgeschirr?
Am Aussehen. Die Verbraucherzentrale beschreibt den Unterschied so: Echtes Bambusgeschirr hat eine erkennbare Holzmaserung und ist hell- bis dunkelbraun. Kunststoff mit Bambusbeimischung hat dagegen eine matte, gleichmäßige Oberfläche, ist gefärbt oder bedruckt und hat keine Maserung. Ein weiterer Hinweis ist das Materialkürzel MF für Melaminharz — allerdings freiwillig.
Vorsicht auch bei den Nachfolgeprodukten. Das CVUA Stuttgart untersuchte seit 2019 17 Produkte mit Auslobungen wie Reishülsen oder Weizenstroh: „Ausnahmslos alle der untersuchten Produkte bestanden aus Kunststoff", teils ebenfalls aus Melaminharz. Das Amt wird deutlich: „Hier wird der Verbraucher dreist getäuscht."
Warum ich das Material oft gar nicht erkennen kann
Weil es dafür keine Pflicht gibt. Das BfR stellt klar: „Eine Kennzeichnungspflicht für Geschirr und Küchenutensilien aus MFH gibt es nicht." Und das Glas-Gabel-Symbol hilft ebenfalls nur bedingt: Die Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 befreit in Artikel 15 Absatz 2 ausdrücklich Gegenstände, „die aufgrund ihrer Beschaffenheit eindeutig dafür bestimmt sind, mit Lebensmitteln in Berührung zu kommen" — ein Kinderteller braucht das Symbol also nicht.
Übrig bleibt die Materialangabe des Anbieters. Fehlt sie, ist das ein Warnzeichen. Wie verbreitet Lücken sind, zeigt der bundesweite Marktcheck der Verbraucherzentralen mit 48 geprüften Küchenutensilien aus dem Frühjahr 2024: Vier Produkte „hätten … aufgrund der angegebenen Materialzusammensetzung gar nicht im Handel sein dürfen", fünf weitere enthielten Kunststoffgemische mit Holzmehlen oder -fasern, und bei zwei Gegenständen fehlten Verwendungshinweise vollständig. Die Verbraucherzentralen fordern deshalb verpflichtende, dauerhaft am Produkt angebrachte Materialangaben und einheitliche Piktogramme.
Was hat sich rechtlich zuletzt geändert?
Zwei Dinge, die 2026 relevant sind. Erstens verbietet die Verordnung (EU) 2024/3190 seit dem 20. Januar 2025 Verwendung und Inverkehrbringen von Bisphenol A in Lebensmittelkontaktmaterialien — ausdrücklich auch in Silikonen. Altware durfte nur bis zum 20. Juli 2026 erstmals in Verkehr gebracht werden. „BPA-frei" ist damit kein Qualitätsmerkmal mehr, sondern der gesetzliche Normalfall.
Zweitens gilt seit der Novelle 2025/351 die erwähnte Stabilitätsregel für Mehrweggegenstände, deren Übergangsfrist am 16. September 2026 endete. Beide Änderungen treffen genau die Produkte, um die es hier geht.
Die Grenzwerte im Überblick
| Stoff / Kennzahl | Grenzwert | Grundlage |
|---|---|---|
| Melamin | 2,5 mg/kg | VO (EU) 10/2011 |
| Formaldehyd | 15 mg/kg (Gruppenwert) | VO (EU) 10/2011 |
| Gesamtmigration | 10 mg/dm² | VO (EU) 10/2011, Art. 12 |
| Gesamtmigration bei Kindernahrung | 60 mg/kg | VO (EU) 10/2011, Art. 12 Abs. 2 |
| Blei / Cadmium Keramik | 4 mg/l / 0,3 mg/l | Bedarfsgegenständeverordnung |
| Flüchtige Bestandteile Silikon | max. 0,5 % | BfR-Empfehlung XV |
| Nickel (Richtwert) | 0,14 mg/kg | Europarat, kein Gesetz |
Die vierte Zeile ist die für dieses Thema wichtigste: Für Materialien, die mit Lebensmitteln für Säuglinge und Kleinkinder in Kontakt kommen, sieht die Verordnung einen eigenen, strengeren Maßstab vor. Dem BfR reicht das beim Formaldehyd nicht — es fordert, den Grenzwert von 15 auf 6,0 Milligramm pro Kilogramm zu senken.
Was du konkret tun kannst
- Kunststoff mit Bambusmehl aussortieren — nicht weiterverwenden.
- Melaminharz höchstens für kalte und lauwarme Speisen, nie in der Mikrowelle.
- Melamin-Kochlöffel ersetzen — dort wurden die höchsten Werte gemessen.
- Geschirr austauschen, das Kratzer hat oder seinen Glanz verliert.
- Becher mit farbig bedrucktem Trinkrand meiden.
- Neues Silikon- und Edelstahlgeschirr vor dem ersten Gebrauch gründlich spülen.
Quellen & Methodik
Aggregierte Einordnung aus Behörden-, Norm- und Verbraucherschutzquellen — kein Eigentest. Alle Quellen wurden vor Veröffentlichung live geprüft. Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung.
- BfR: FAQ zu Melamin-Formaldehyd-Harz (Stand 17.07.2026)
- BfR-Stellungnahme 046/2019: 366 geprüfte Gefäße, TDI-Überschreitungen (PDF)
- BfR-Stellungnahme 012/2011: 70-Grad-Schwelle, Kochlöffel-Messwerte (PDF)
- CVUA Stuttgart: steigende Migration über zwölf Prüfungen, Temperatureffekt
- CVUA Stuttgart: Bambus, RASFF-Meldungen und Nachfolgeprodukte
- LGL Bayern: Untersuchung Bambus- und Melaminartikel 2019
- LGL Bayern: Silikon 2025, BfR-Empfehlung XV, Tempern
- LGL Bayern: Keramik, Blei, Cadmium und Cobalt am Trinkrand
- LGL Bayern: Nickel, Europarats-Richtwert, Allergie-Einordnung
- Verbraucherzentrale: Bambusbeimischung, Erkennungsmerkmale, Materialempfehlungen
- Verbraucherzentralen: Marktcheck 48 Küchenutensilien (Erhebung 2024)
- Stiftung Warentest: Bambusbecher im Test (2019)
Mehr zu unserem Vorgehen unter Methodik. Passende Produkte im Geschirr-Vergleich.
Kontext
Erwähnte Produkte
Baby-Geschirrset Silikon, 12-teilig
ohne Markenangabe
Das spricht dafür: Meistbewertetes Komplettset — alles für den Beikoststart in einem Kauf.
Fazit: Das meistbewertete Komplettset im Feld: Teller und Schüsseln mit Saugnapf, Löffel, Gabel und Trinkbecher in einem Kauf. Der Hersteller weist BPA-freies Silikon aus. Für den Beikoststart ist genau diese Bündelung praktisch, weil man nicht einzeln nachkaufen muss.
Kernfakten
- Material
- Silikon (Herstellerangabe)
- Umfang
- 12 Teile
- Halt
- Saugnapf an Teller und Schüssel
- Schadstoffe
- BPA-frei laut Hersteller
- Segment
- Einsteiger
Am besten für: Beikoststart, wenn die Grundausstattung komplett fehlt
Weniger geeignet für: Wer gezielt einzelne, hochwertige Teile sucht
Pro
- Größte Bewertungsbasis im Feld (2.134)
- Alles auf einmal, kein Nachkaufen
- Silikon statt Melaminharz
- Gute Wertung (4,4)
Contra
- Keine nachvollziehbare Marke
- Bei Sets ist selten jedes Teil gleich gut
- Silikon nimmt Gerüche an
Ausstattung
- 12-teiliges Komplettset
- Silikon
- Saugnapf-Teller und -Schüssel
- Löffel, Gabel, Becher
- Sehr große Bewertungsbasis
mushie geteilter Kinderteller mit Saugnapf
mushie
Das spricht dafür: Unterteilter Teller einer etablierten Marke, sehr breit bewertet.
Fazit: Skandinavische Marke mit sehr großer Bewertungsbasis und unterteiltem Teller. Die Fächertrennung passt gut zum Beikoststart mit Fingerfood, weil Kinder Lebensmittel getrennt besser erkennen und gezielter greifen — laut Netzwerk Gesund ins Leben können 85 Prozent der Babys mit sechs bis sieben Monaten kleine Stücke mit den Händen greifen.
Kernfakten
- Material
- Silikon (Herstellerangabe)
- Bauform
- geteilter Teller
- Halt
- Saugnapf
- Marke
- mushie
- Segment
- Mid-Tier
Am besten für: Beikoststart mit Fingerfood und getrennten Komponenten
Weniger geeignet für: Wer ein Komplettset sucht
Pro
- Sehr große Basis (5.359)
- Fächer erleichtern Fingerfood
- Zurückhaltendes Design
- Bekannte Marke
Contra
- Wertung nur 4,0
- Saugnapf hält nicht auf jeder Oberfläche
- Kein Besteck dabei
Ausstattung
- Geteilter Teller
- Silikon
- Saugnapf
- Etablierte Marke
- Sehr große Bewertungsbasis
PandaEar Edelstahl-Geschirrset mit Silikonhülle
PandaEar
Das spricht dafür: Edelstahl innen, Silikon außen — löst Rutschen und Hitze zugleich.
Fazit: Der interessanteste Kompromiss im Edelstahlfeld: Innen Edelstahl, außen eine Silikonhülle. Damit löst das Set die zwei klassischen Edelstahl-Nachteile auf einmal — es rutscht nicht, und die Außenseite wird bei heißem Inhalt nicht so schnell heiß wie blankes Metall.
Kernfakten
- Material
- Edelstahl mit Silikonhülle
- Vorteil
- rutschfest und griffig
- Pflege
- spülmaschinenfest
- Umfang
- Set
- Segment
- Mid-Tier
Am besten für: Wer Edelstahl will, aber ohne Rutschen und heiße Außenwände
Weniger geeignet für: Wer möglichst wenige Materialübergänge im Geschirr haben will
Pro
- Basis von 773 Bewertungen
- Kombiniert Vorteile beider Materialien
- Griffiger als blanker Edelstahl
- Langlebiger Kern
Contra
- Wertung nur 4,1
- Zwei Materialien bedeuten zwei Reinigungsstellen
- Silikonmantel kann sich lösen
Ausstattung
- Edelstahl mit Silikonmantel
- Rutschfest
- Weniger Hitze außen
- Spülmaschinenfest
- Solide Bewertungsbasis
FAQ
Häufige Fragen
Warum ist Melamingeschirr bei Hitze problematisch?
Weil sich das Harz zersetzt und Melamin und Formaldehyd ans Essen abgibt. Das BfR nannte 2011 die Schwelle 70 Grad Celsius und rät seit 2019 generell davon ab, heiße Speisen und Getränke daraus zu verwenden — auch Schalen für Säuglingsfolgenahrung.
Ist Melamingeschirr für kalte Speisen unbedenklich?
Ja. Das BfR schreibt, für die Verwendung bei niedrigen Temperaturen, etwa für kalte oder lauwarme Lebensmittel, seien keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erwarten. Auch die Stiftung Warentest nennt Melaminharz grundsätzlich keinen gefährlichen Stoff.
Warum ist Bambusgeschirr nicht zugelassen?
Weil es meist Melaminharz mit Bambusmehl ist und Bambus nicht in der Positivliste der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 steht. Die EU-Sachverständigengruppe stellte 2020 fest, es gebe keine Rechtsgrundlage für Bambus als Zusatzstoff in Kunststoffen.
Wird Melamingeschirr mit der Zeit schlechter?
Ja. Das BfR beobachtete bei wiederholten Tests am selben Geschirr eine zunehmende Freisetzung von Melamin. Das CVUA Stuttgart maß bei acht von elf Bambusbechern einen Anstieg von 1,3 bis 2,8 auf 3,8 bis 7,1 mg/kg über zwölf Prüfungen.
Welche Grenzwerte gelten?
Melamin 2,5 mg/kg, Formaldehyd 15 mg/kg als Gruppenwert. Für Materialien mit Kontakt zu Säuglings- und Kleinkindnahrung gilt beim Gesamtmigrationsgrenzwert ein eigener Maßstab von 60 mg/kg. Das BfR fordert, den Formaldehydwert auf 6,0 mg/kg zu senken.
Wie erkenne ich echtes Bambusgeschirr?
An der Optik. Echtes Bambusgeschirr hat eine erkennbare Holzmaserung und ist hell- bis dunkelbraun. Kunststoff mit Bambusbeimischung ist matt, gefärbt oder bedruckt und hat keine Maserung. Das Kürzel MF weist auf Melaminharz hin, ist aber freiwillig.
Ist Silikon unbedenklich?
Nach den vorliegenden Untersuchungen ja. Maßstab ist die BfR-Empfehlung XV mit maximal 0,5 Prozent flüchtiger organischer Bestandteile. Das LGL Bayern fand 2025 bei 60 Proben 90 Prozent unauffällig.
Worauf muss ich bei Porzellan achten?
Auf den Trinkrand. Das LGL Bayern misst bei bis zu 40 Prozent der Proben Übergänge von Blei oder Cadmium, vor allem am Trinkrand. Unbedrucktes Weißporzellan ist die sichere Variante.


